Literaturliste

Die Online-Buchausstellung bietet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit über Bücher, die sich mit dem Thema Rassismus beschäftigen, mit diesem Gebiet auseinander zu setzen.

Die hier vorgestellten Bücher können dann auch über die Landesbibliothek verliehen werden.
Siehe hier 

Diese Seite wird laufend aktualisiert.

Davide Reviati - Dreimal spucken,  Avant-Verlag 2020
Gelangweilt vom Leben in der italienischen Provinz der 60er Jahre verbringen drei Berufsschüler ihre Freizeit in Bars, beim Billard oder rauchend am Fluss. Ganz in der Nähe lebt eine Roma-Familie, unter ihnen Loretta, ein Mädchen, von dem sich die Jungen zugleich angezogen und abgeschreckt fühlen. Freundschaft, Alltagsrassismus, der Übergang ins Erwachsenendasein, verwoben mit der Geschichte der Sinti und Roma in Europa, bilden den Kern von Davide Reviatis international gefeierter Comicerzählung.
 

Sanyal, Mithu M.: IDENTITTI, Carl Hanser 2021
Identitti erzählt von der Professorin Saraswati, die sich bei ihrer erfolgreichen Unikarriere als Person of Colour definiert hat - und plötzlich als weiß geoutet wird. Schlimmer geht es nicht. Denn die Professorin in Düsseldorf war eben noch die Übergöttin aller Debatten über Identität. Es beginnt damit eine Jagd nach "echter" Zugehörigkeit. Während das Netz Saraswati hetzt und Demos ihre Entlassung fordern, stellt ihre Studentin Nivedita ih intimste Fragen. Die Autorin Mithu Sanyal breibt mit beglückender Selbstironie und befreiendem Wissen. 

Asal Dardan: Betrachtungen einer Barbarin, Hoffmann und Campe, 2021
Als Kind iranischere Eltern ist Asal Dardan mit der Erfahrung des Exils in Deutschland aufgewachsen. Die Autorin begibt sich auf die Suche nach der Überbrückung des Gegensatzen von "Wir" und den "Anderen". Sie beschreibt das geflüchtete Kind, das Trost in Spitzwegs heimeligen Bildern findet, die auch Hitler so gut gefielen. Da sind die bürokratischen Rentenbescheide der sardischen Nachbarin, deren Inhalte niemand entschlüsseln kann. Da werden die Goldfische vom persischen Neujahrsfest in die Freiheit entlassen und eigene, neue Traditionen gewählt. Asal Dardan schlägt Bögen von der ganz persönlichen Erfahrung bis zum gesellschaftlich-politisch Brisanten und zeigt auf, dass Zusammenleben bedeutet, Differenz anzunehmen.

Oluo, Ijeoma: DAS LAND DER WEIßEN MÄNNER, Hoffmann und Campe 2021 
Die Geschichte der USA ist eine Geschichte weißer Männer, die sich über andere hinwegsetzten – über Schwarze, Frauen und andere weiße Männer. Von den Cowboys, die sich mit dem Colt in der Hand den Weg in den Westen freischossen, über die Baumwollfarmer, deren Erfolg am „Besitz“ Schwarzer gemessen wurde, bis hin zu den Quarterbacks der National Football League und einem Präsidenten, der Frauen zwischen die Beine greift. Eindrucksvoll erzählt Ijeoma Oluo, wie das Ideal der weißen Männlichkeit die Gesellschaft bis heute prägt und eine Verständigung so schwierig macht.
 

Acera, David und Gonzales, Nanu: DIE SCHILDKRÖTE ALLESISTGUT, Alibri 2016
Das Buch erzählt von einer Schildkröte, die sich für nichts und niemanden interessiert. „Alles ist gut, alles ist gut, solange man zu fressen hat“, singt sie vor sich hin, während sie stur ihrer täglichen Fress-Routine nachgeht. Die Freuden und Sorgen der anderen Tiere auf der Insel sind ihr egal. Selbst als einige gefräßige Schweinen auf die Insel gelangen, die den anderen Tieren das Leben schwer machen, zieht die Schildkröte weiter gemächlich ihre Runden, um in Ruhe ihre Kakturfeigen zu fressen. Während die anderen Tiere massiv von den Schweinen belästigt und sogar gejagt werden, bleibt die Schildkröte von den Übergriffen verschont und sie regiert auch nicht auf die Hilfegesuche der anderen Tiere. So ist die Schildkröte neben den Schweinen bald das letzte Tier auf der Insel. Das wird ihr schließlich zum Verhängnis: Sie endet als Schildkrötensuppe für einen schiffbrüchigen Matrosen. Diese soziale Fabel erklärt auf dramatische und doch sehr einfache Weise, welche Folgen Egoismus haben kann.
 

Brokowski-Shekete, Florence: "Mist, die versteht mich ja!", Orlanda 2020
Die kleine Florence, geboren in Hamburg als Kind nigerianischer Eltern, wird Ende der 60er Jahre in Buxtehude von einer alleinstehenden Frau in Pflege genommen. Mit acht Jahren nehmen die Eltern sie mit nach Lagos, in ein Land, dessen Sprache sie nicht spricht, dessen Kultur ihr fremd ist, zu einer Familie, die sie nicht kennt. Durch das beherzte Eingreifen einer Lehrerin schafft sie es zurück nach Deutschland und macht dort ihren Weg.
 

Cissoko, Aya: "Ma", Wunderhorn 2017.
Im Zentrum des Romans steht die Mutter Massiré Dansira, die im Alter von 15 Jahren aus Mali nach Frankreich eingewandert ist und - nach dem Tod ihres Ehemanns - als Alleinerziehende mit den Widrigkeiten des Lebens und vor allem gegen die von Männern beherrschte Welt ihrer Stammesherkunft kämpft. Die Tochter und Ich-Erzählerin lebt im ständigen Kampf mit ihrer Mutter. Sie wächst in Paris als modernes Mädchen auf und lebt im Widerspruch zwischen den traditionellen Werten ihrer Herkunft und denen der französischen Gesellschaft. Als Jugendliche hält die Ich-Erzählerin die Maximen aus Afrika für völlig fehl am Platze. Aus ihr wird eine erfolgreiche Boxerin. Der Roman vermittelt uns einen Einblick in das Schicksal von Migrantinnen aus Afrika, die sich in Europa durchschlagen, mit welchen alltäglichen Vorurteilen und rassistischen Überheblichkeiten sie konfrontiert sind und wie sie sich gleichzeitig gegen die starren Traditionen der eigenen Herkunft zur Wehr setzen. 
 

Acker, Isabel  / Künzel, Eva: „Die lange Reise im Fahrstuhl“, Alibri 2019
Wenn wir zusammen mit Familie Sahin im 20. Stock des Hochhauses in den Aufzug steigen, beginnt eine lange Reise im Fahrstuhl. Auf dem Weg ins Erdgeschoss begegnen uns nicht nur viele Nachbarinnen und Nachbarn aus aller Welt, sondern auch Tiere, Pflanzen und landestypische Spezialitäten aus den verschiedenen Erdteilen. Ein fröhlich-buntes Bilderbuch zum Entdecken von Menschen, Ländern und Kulturen. Altersempfehlung: ab 4 Jahren.

 

Baram, Nir: „Erwachen“, Carl Hanser 2020
Das Lebensgefühl eines jungen Mannes in Israel – Freundschaft und Einsamkeit, Liebe und Verantwortung, Verlust und Tod: In Rückblenden erzählt Nir Baram von Jonathans Jugend in einem Stadtviertel von Jerusalem. Von der Freundschaft zu Joël, dem Rätselhaften und Gefährdeten, vom Fight mit den Kindern aus den hohen Türmen, vom Wettstreit um das attraktivste Mädchen und der ersten Lust. Aber auch von den Konflikten in der Familie, dem bewunderten und gehassten älteren Bruder, der schweren Krankheit der Mutter und deren Tod. Der Autor Nir Baram, 1976 in Jerusalem geboren, ist Schriftsteller und Journalist und setzt sich aktiv für die Gleichberechtigung der Palästinenser und für Frieden in Israel ein.

Chamoiseau, Patrick: „Migranten“, Essay, Wunderhorn 2017
Der Autor anwortet mit seinem Essay auf das Ohnmachtsgefühl zweier Künstlerinnen: Hind ist Filmemacherin, sie hat die Räumung des »Dschungels« in Calais dokumentiert und die Zerstörung des Lagers von Geflüchteten an der Metrostation Stalingrad im Zentrum von Paris gefilmt; und Jane, eine junge Schriftstellerin, die von ihren Eindrücken berichtet, wenn sie die Geflüchteten mit einem Frühstück versorgt. Unter der Herrschaft des Profits verlieren alle, bis auf einige wenige. Dabei wurde der Reichtum des Westens von allen erbracht, nicht zuletzt von den Menschen in den Kolonien, aber auch über Generationen von den Arbeitnehmer_innen. Dieser Reichtum steht daher allen zu. Die Migranten zeigen auf, dass den großen Gewinnern diese Welt nicht gehört. Chamoiseau beschreibt die vitale Kraft der Migranten, ihre Vision zu leben – »etwas Besseres als den Tod findest du überall«, wie es im Märchen heißt.

Abirached /Énard: „Zuflucht nehmen“, Avant-Verlag 2019
Afghanistan, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. In einer sternenklaren Nacht, zu Füßen der Buddha-Statuen von Bamiyan, verliebt sich die Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach in eine Archäologin. Es ist die Nacht, in der Deutschland Polen überfällt und die Welt für Jahre in Chaos versinkt. Berlin, 2016: Karsten, der sich für die Sprachen und Kulturen des Nahen Ostens begeistert, trifft in Berlin auf Nayla, eine syrische Geflüchtete, die sich mehr schlecht als recht durch Alltag und Behördenwirrwarr ihrer neuen Wahlheimat manövriert. Die beiden kommen sich näher, eine zarte Liebe entsteht. Anhand dieser beiden ungewöhnlichen, in sich verschachtelten Liebesgeschichten erzählen der Schriftsteller Mathias Énard und die Comicautorin Zeina Abirached, wie schwierig es ist, die Grenzen im Kopf und zwischen den Menschen aufzulösen und zu vereinen, was Tradition und Geschichte getrennt haben. Und sie erzählen von der Herausforderung, zu lieben und sich zu öffnen, ob gestern oder heute, ob in Kabul oder in Berlin.

Pi Andreu, Andreas / Amate, Kim: „Eine Biene zuviel“, Alibri 2016
Die Bienen befinden sich in heller Aufregung, denn es sieht so aus, also würde in ihrem Bienenstock eine fremde Biene leben, die ihnen den Platz wegnimmt. Doch wer ist diese Biene „zu viel“? Wie kann sie gefunden werden? Und wenn man sie gefunden hat, was soll mit ihr geschehen? Altersempfehlung: 4 – 7 Jahre.

Giglioli, Daniele: „Die Opferfalle“ (Originaltitel: „Critica della vittima“), Matthes & Seitz 2016 
Gedenktag für die Opfer des Holocausts, Gedenken an die Bombardierung Dresdens, Gedenktag der Kriminalitätsopfer, Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung, Tag der Wohnungslosen, Volkstrauertag: Die Liste der Opfergruppen und der öffentlich begangenen Gedenkstunden wird immer länger, und auch „Täter_innen“ wollen nun „Opfer“ sein, wie im Historikerstreit zum ersten Mal deutlich wurde. Doch wie konnte es dazu kommen, dass solche Phänomene wie Opferstolz, Opferkonkurrenz und gar Opferneid um sich greifen? Fernab von Schlussstrichdebatten erörtert die Autorin, wie sich die Opferrolle in der gesellschaftlichen Diskussion zu einer politischen Trumpfkarte gewandelt hat, mit der Identitätskollektive um Anerkennung und Reparationen kämpfen. Giglioli zeigt auf, welche fatale Dynamik eine Gesellschaft erfasst, die sich bald vollständig in Schuldige und Unschuldige teilt und in der an das vergangene Leid erinnert werden muss.

Kohlenberger, Judith: „Wir“, Kremayr & Scheriau 2021
Wir. Wie leicht uns dieses Wort über die Lippen kommt. Wir sind ein Paar, wir sind eine Familie, wir sind Freunde, wir sind eine Gemeinschaft, wir sind eine Nation. Wir sind nicht die Anderen. Oder? Judith Kohlenberger sieht genau hin: Wer ist das Wir in welchem Kontext? Welches Wir wählen wir selbst, welches wird uns zugeschrieben durch Herkunft, Beruf, Status? Wann wird das Wir zu einem Werkzeug der Ausgrenzung? Und wie beschreiten wir den Weg hin zu einem inklusiveren Wir? Der klarsichtige Essay räumt auf mit der Annahme, dass das von der Politik vielbeschworene und instrumentalisierte Wir selbstverständlich und festgeschrieben ist. Judith Kohlenberger plädiert mit Feingefühl für ein wagemutiges Wir, das Wachstumsschmerzen nicht scheut, das Unterschiede als Chance auf Weiterentwicklung und echte Teilhabe begreift.

Hasters, Alice: „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“, Carl Hanser 2020
"Darf ich mal deine Haare anfassen?", "Kannst du Sonnenbrand bekommen?", "Wo kommst du her?" Wer solche Fragen stellt, meint es meist nicht böse. Aber dennoch: Sie sind rassistisch. Warum, das wollen weiße Menschen oft nicht hören. Alice Hasters erklärt es trotzdem. Eindringlich und geduldig beschreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Dabei wird klar: Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft. Und sich mit dem eigenen Rassismus zu konfrontieren, ist im ersten Moment schmerzhaft, aber der einzige Weg, ihn zu überwinden.

Eismann, Sonja und Persson, Amelie (Illustr.): „Wie siehst Du denn aus? Warum es normal nicht gibt“, Beltz & Gelberg 2020
Ist mein Bauchnabel komisch? Ist mein Po zu dick? Warum sind meine Haare nicht glatt? Überall werden wir mit den superschönen Menschen konfrontiert. Und auch die sähen ohne Photoshop sehr normal aus. Schon 10-Jährige beurteilen ihre Körper oft im Vergleich mit Idealbildern aus den Medien. Hier darf geguckt werden. Offenherzige Aquarellillustrationen zeigen Körperteile in all ihrer Normalität und Liebenswürdigkeit. Dazu gibt es (kulturhistorische) Texte, die erklären, was es mit den jeweiligen Körperteile im Laufe der Zeiten auf sich hatte.