Mag.a Doris Karner

Geboren 1982 in Oberwart, lebt und arbeitet in Oberschützen, besuchte nach der Matura die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, wo sie das Kolleg für Grafik-Design und die Meisterklasse für Kommunikationsdesign absolvierte. Ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien, an der Accademia di belle arti di Venezia (Malereiklasse Carlo di Raco) und an der Universität Wien schloss sie 2008 mit Auszeichnung ab. 2004 „Preis für künstlerische Grafik“, Südtirol/Burgenland (Galerie Prisma, Bozen). Seit 2008 unterrichtet sie, ist freiberuflich im Bereich Grafikdesign und Illustration tätig und hat mehrere Bilderbücher veröffentlicht. 


Werktitel: „Nahtstelle: Der rote Faden?“

Das Burgenland ist seit geraumer Zeit Grenzregion zwischen dem, was wir stark verkürzt unter dem „Westen“ und dem „Osten“ Europas zusammenfassen. Diese geographische Position am Rande der einen Welt und am Übergang zu einer anderen hat der Region jahrhundertelang ihren Stempel aufgedrückt, sei es in Form der bereits im Mittelalter angesiedelten Grenzwächter und Bogenschützen oder viel später – und auch für meine Generation in der Kindheit sehr prägend – in Form des Eisernen Vorhangs. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem späteren EU- und Schengen-Beitritt der Nachbarländer wirkte die Grenze dann schrittweise immer durchlässiger und überwindbarer, sie schien im Alltag immer mehr an Bedeutung zu verlieren. Doch gerade die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, wie schnell Grenzen im Bedarfsfall wieder mehr oder weniger „dichtgemacht“ werden können und wie innerhalb kürzester Zeit aus einer scheinbar abstrakten Linie auf der Landkarte wieder eine ganz konkrete Absperrung wird.

Meine Bildserie „Nahtstelle: Der rote Faden?“ zeigt drei kurze Abschnitte entlang der burgenländischen Grenze zu Slowenien (I), Ungarn (II) und zur Slowakei (III). Die vielfältige burgenländische Landschaft wird dabei bewusst nicht so dargestellt, wie wir sie z.B. im Zuge eines Ausflugs auf Fotos festhalten würden, sondern aus der Vogelperspektive und somit aus dem Blickwinkel der Kartographen und der „Grenzzieher“. Die Bilder sollen die Frage thematisieren, wie stark sich die Grenze als „roter Faden“ durch die Geschichte hindurch in die burgenländische Seele eingeschrieben hat. Inwieweit war und ist sie ein Teil der burgenländischen Identität? Wird sie es in Zukunft sein? Macht uns das Leben an der Grenze offener oder verschlossener, toleranter oder intoleranter? Was würde passieren, wenn der „rote Faden“ – den ich händisch in die Bilder eingenäht habe – (siehe Detailaufnahmen) eines Tages herausgezogen werden würde?