Anna Carina Roth, BA

Geboren 1993 in Oberwart, aufgewachsen im Südburgenland, lebt und arbeitet in Wien, 2016–2017 Diplom, Klasse für künstlerische Photographie, Schule Friedl Kubelka, 2014–2019 BA in Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien, 2018–dato Studium Bildende Kunst/Fotografie bei Univ.-Prof.in Gabriele Rothemann, Universität für angewandte Kunst Wien, 2018 Stipendium „Künstleratelier Paliano“ des Landes Burgenland, 2019 eu art network-Stipendium, Symposium in Oslip.


Werktitel: „Blaupause, 2020“

In meiner Arbeit Blaupause habe ich mich mit dem Blaudruck1 auseinandergesetzt, der immaterielles Weltkulturerbe und untrennbar mit der Geschichte des Burgenlandes verbunden ist. Beim Färbeverfahren für Gewebe aus Leinen oder Baumwolle entsteht mittels Auftragen einer farbabweisenden Substanz ein weißes Muster auf blauem Untergrund. Der sogenannte Blaudruck wurde im Burgenland bereits sehr früh für Arbeits- und Alltagstracht verwendet. Auch heute wird das spezielle Textildruckverfahren noch immer auf dieselbe Art wie vor hundert Jahren hergestellt. Die einzig verbleibende Blaudruckerei im Burgenland betreibt die Familie Koó. Diese feiert genauso wie das Burgenland im Jahr 2021 das 100-jährige Bestehen. Ich habe den Familienbetrieb mit meiner Kamera besucht und mir den Produktionsprozess des Blaudruckes vor Ort angesehen und fotografisch festgehalten.

Zurück in Wien habe ich die Negative gescannt und auf Folie vergrößert. Denn dem Blaudruck stelle ich ein altes fotografisches Verfahren gegenüber – die Cyanotypie2. Bei diesem Verfahren reagiert die Verbindung aus zwei chemischen Substanzen empfindlich auf UV-Licht, also nur auf Sonnenlicht. Nach Auftrag der Emulsion auf ein Trägermaterial (Papier, Stoff etc.) ist es möglich, mit UV-Licht das fotografische Negativ via Kontaktabzug darauf zu belichten. Die Stellen, die die Sonne berührt, werden nach einigen Minuten blau. Nach dem Auswaschen der Chemie bleiben unbelichtete Stellen weiß. Fixiert wird das fotografische Bild mit Wasser.

Ich habe die Cyanotypie mit dem Blaudruck verknüpft und fotografische Aufnahmen der Werkstätte der Familie Koó auf Baumwollstoff bzw. Leinwand belichtet. Dies eröffnet einen neuen Zugang zur Fotografie über das Material Textil. Die Bilder, die dabei entstanden sind, sind für mich fast wie eigene Muster und das Verfahren selbst, hat einen sehr malerischen Charakter. Durch die Struktur der Baumwolle bekommt die Fotografie einen haptischen Charakter, außerdem gleicht kein Bild dem Anderen und ist weit entfernt von Perfektion, welche wir in der digitalen Fotografie gewohnt sind. Sie gleichen eher der Malerei. Manche Fotografien sind nur zu erahnen, gar schwer zu erkennen, andere sind klarer.

Den Blaudruck sowie die Cyanotypie verbindet die Farbe Blau. Obwohl sich die beiden Blautöne sowie auch die Verfahren unterscheiden, werden sie in meiner Arbeit über den Zugang zu Textil in eine Symbiose gebracht. Fotografie und Textil verschmelzen und erinnern gleichzeitig an eine alte burgenländische Tradition sowie an ein wichtiges Handwerk.

1Blaudruck ist ein Färbeverfahren für Gewebe aus Leinen oder Baumwolle, bei dem ein weißes Muster auf blauem Grund entsteht. Dabei handelt es sich um einen Reservedruck mit sogenannten Modeln, bei dem der Stoff mit einer Schutzmasse bedruckt und mit Indigo gefärbt wird.

2Cyanotypie, auch bekannt als Eisenblaudruck, ist ein altes fotografisches Edeldruckverfahren mit blauen Farbtönen.