Sanierungsmaßnahmen Stand Juli 2021

Die 1860 erbaute Synagoge Kobersdorf ist das einzige noch existierende freistehende Synagogengebäude der sogenannten „Siebengemeinden“, der ehemals jüdischen Gemeinden im Nord- und Mittelburgenland, welche unter der Esterházyschen Herrschaft im damaligen Ungarn entstanden waren.

Die im Stil des Historismus errichtete Synagoge wird gegenwärtig dem historischen Vorbild entsprechend restauriert. Bei der Rekonstruktion und Sanierung des Gebäudes soll im Hinblick auf das Ergebnis jedoch nicht die Zerstörung im Vordergrund stehen, sondern die lebendige jüdische Kultur im Burgenland des 19. Jahrhunderts zur Darstellung gelangen.

Das gesamte Bauwerk ist, wie für die architektonische Gestaltung von Synagogen allgemein charakteristisch, auf den Tempelplatz von Jerusalem und somit nach Osten ausgerichtet. So ist gesichert, dass das Raumkonzept des Gebäudes auf den Thorabereich, der sich immer an der Ostseite einer Synagoge befindet, fokussiert ist. Der Thoraschrein der Synagoge Kobersdorf ist bedauerlicherweise nicht mehr vorhanden.

Auf der Grundlage der Planungsarbeiten des Architekturbüros „Arch. DI Anton Mayerhofer ZT GmbH“ sind die Landesimmobilien Burgenland derzeit mit den in Ausführung befindlichen baulichen Maßnahmen beschäftigt. Die projektierten Sanierungsmaßnahmen sollen bis Ende 2021 fertiggestellt werden. Sowohl die Arbeiten am Bestandsgebäude der ehemaligen Synagoge als auch die Neuerrichtung des Zubaus sind im Vergleich zu August 2020 erheblich fortgeschritten.

Fassade

Die Wände der Kobersdorfer Synagoge sind als Mischmauerwerk aus gebrannten Tonziegeln und Granitsteinen errichtet worden. Sowohl im Innen- als auch im Außenbereich waren zum Zeitpunkt des Kaufes durch das Land Burgenland im Jahr 2019 Fehl- und Schadstellen zu sehen. Eine nähere Befundung der Fassade hat gravierende Schäden am Verputz zu Tage gefördert hatte, welche mit Stand Juli 2021 bereits großteils saniert waren.

Um das durchfeuchtete Mauerwerk im Bereich der Seitenwände trocken zu legen, wurde im Außenbereich der Synagoge eine umlaufende Drainage gelegt und im Inneren entlang der Seitenwände ein Kiesfilterstreifen angebracht.

Der feuchte Putz im Innenbereich in der Sockelzone wurde bis in eine Höhe von ca. 1,0 Meter durch einen sogenannten Oberputz ersetzt, welcher die Funktion hat, Salze und Feuchtigkeit aus dem bestehenden Mauerwerk herauszuziehen. Im Zuge der Restaurierung der Innenschale wird dieser dann wieder abgeschlagen und durch einen Kalkputz ersetzt.

Fenster und Türen

Die Restaurierung der Fenster und Türen zählt wohl zu den technisch aufwendigsten Maßnahmen im Rahmen der geplanten Gebäudesanierung. Wie in vielen Altbauten oder denkmalgeschützten Gebäuden haben auch die Holzfenster der ehemaligen Synagoge eine Einfachverglasung. Bei einer Einfachverglasung besteht die Verglasung eines Fensters oder einer Fenstertür aus einer einzelnen Glasscheibe. Die filigrane und sehr hohe Gestaltung sowohl der Fenster als auch der Holzumrahmungen hatte einerseits dekorative Gründe und andererseits begünstigte dies den Lichteinfall ins Innere des Gebäudes.

Mit der Restaurierung der insgesamt 16 Fenster und Türen wurde die „Bau- und Möbeltischlerei Johann Ernst“ aus St. Margarethen beauftragt. Nach erfolgreichen Restaurierungsmaßnahmen sollen die Fenster wieder eingebaut werden.

Sanierung der Raumschale

Im Innenraum des Gebäudes sind zunächst die schadhaften Putzteile entfernt worden, um in weiterer Folge einen Neuputz aufzutragen.

Die wirkungsvolle Gewölbedecke wurde bereits fertig gestellt und bemalt. Der obere Bereich der Stützpfeiler, die das Gewölbe tragen, wurde von der hierfür beauftragten Firma „Podbelsek Restauratoren GmbH“ restauriert.

Im oberen Thorabereich wurde die Erstfassung der Malereien von RestauratorInnen – entsprechend dem Original - in einer schonenden Arbeitsweise freigelegt und größtenteils rekonstruiert und restauriert. Nicht vorgesehen ist allerdings, dass die plastische Gestaltung des Thorabereichs wiederhergestellt wird. Vielmehr soll dieser Bereich ostentativ in seinem verwüsteten Zustand belassen werden, um die Erinnerung an die Zerstörungen während der Zeit des Nationalsozialismus wach zu halten.

Der Boden der Synagoge wird mit Kehlheimer-Natursteinplatten belegt. Da der Thorabereich von der Belegung ausgespart blieb, bildet dieser einen leicht abgesenkten Bereich, welcher aufgrund seiner weitgehenden Belassenheit einen archäologischen Charakter hervorbringt und zugleich die gewaltbehafteten Geschehnisse der jüdischen Geschichte symbolisiert. Gekennzeichnet durch eine Abgrenzung soll der nicht vollständig rekonstruierte Thorabereich BesucherInnen bewusst zum Nachdenken und Erinnern anregen.

Die Holzkonstruktionen des Dachstuhls und der Frauenempore sind größtenteils in gutem Zustand. Die vom Holzwurmbefall betroffenen Teile der Emporen und des Dachstuhls wurden in der Zwischenzeit erfolgreich einer Schädlingsbekämpfung unterzogen. Im Bereich der Frauenempore wird in einem nächsten Schritt der Holzbelag und eine BesucherInnen-Tribüne verlegt. Bei den Fenstern werden die bereits bestehenden Absturzsicherungen in Form von Stahlgeländern restauriert und in weiterer Folge wieder angebracht