Rätsel um Genisa-Grab am jüdischen Friedhof in Kobersdorf

Dem Direktor des Jüdischen Museums in Eisenstadt, Mag. Johannes Reiss, ist mit der Entdeckung eines Grabes für Torarollen in Kobersdorf im Oktober 2019 ein wissenschaftlich bemerkenswerter Fund gelungen.

Im Zuge des 2009 beschlossenen „Gesetzes zur Instandsetzung und Fürsorge jüdischer Friedhöfe“ wird auch der Friedhof in Kobersdorf in regelmäßigen Abständen Pflegemaßnahmen unterzogen. In diesem Zusammenhang entdeckte Mag. Reiss im Oktober 2019 durch Zufall ein Fragment eines sogenannten Genisa-Grabes. „Genisa“ (kommt ursprünglichen aus dem Persischen und bedeutet so viel wie „Schatzkammer“) bezeichnet sowohl die Räume, in denen nicht mehr verwendbare liturgische Schriften aufbewahrt werden, als auch Gräber, in denen diese Schriften bestattet werden. Meistens sind diese Gräber nicht bezeichnet worden, deshalb gibt es auch wenige bekannte im deutschsprachigen Raum – in Österreich gibt es gar nur ein bekanntes und das befindet sich auf dem Zentralfriedhof in Wien (errichtet im Jahre 1987).

Bei dem Fund in Kobersdorf handelt es sich wahrscheinlich um das einzig bekannte Genisa-Grab in Österreich vor 1945. Hochinteressantes Detail ist das Datum des Grabsteins: am 20. April 1938 wurden der Inschrift zufolge 13 Torarollen am jüdischen Friedhof in Kobersdorf begraben. Genau am selben Tag wurde der Kobersdorfer Rabbiner Simon Goldberger über die ungarische Grenze deportiert und schwer misshandelt.

Genauere Informationen können auf dem Öffnet externen Link in neuem FensterBlog des Jüdischen Museums Eisenstadt nachgelesen werden.