Klimaschutz gelingt nicht am Schreibtisch

Die neue Klimastrategie soll dort ansetzen, wo Veränderungen passieren – und gemeinsam mit jenen entstehen, die sie umsetzen und mittragen.

Was braucht es, damit Klimaschutz wirklich funktioniert? Eine gute Idee allein reicht nicht. Eine neue Lösung muss auch im Alltag funktionieren – in der Gemeinde, im Betrieb, auf einem Bauernhof oder zu Hause. Und sie muss für die Menschen nachvollziehbar sein, die sie umsetzen sollen. Genau darum geht es bei der Überarbeitung der Klimastrategie Burgenland 2040. Das Land will nicht nur festlegen, welche Ziele erreicht werden sollen. Es geht auch darum,  gemeinsam herauszuarbeiten, welche Schritte dorthin sinnvoll und machbar sind. Denn Klimaschutz betrifft fast alle Bereiche unseres Lebens. Es geht um die Energie, mit der wir unsere Häuser versorgen, um Verkehr und Mobilität, Landwirtschaft und Boden, Gebäude, Wirtschaft und Industrie. Gleichzeitig müssen wir uns auf jene Veränderungen einstellen, die bereits spürbar sind – etwa durch Hitze und Trockenheit. Eine Klimastrategie sollte diese Bereiche nicht getrennt voneinander betrachten.

Wer betroffen ist, soll auch mitreden

Bei der Überarbeitung setzt das Burgenland deshalb bewusst auf Beteiligung. Ein Stakeholder: innen- Dialog auf Burg Schlaining brachte Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen an einen Tisch: ausWirtschaft, Landwirtschaft, Gewerkschaft, Wissenschaft und Verwaltung.

In Arbeitsgruppen wurde unter anderem über Landwirtschaft und Boden, Biodiversität, Verkehr, Gebäude, Energie und Industrie, Kreislaufwirtschaft und Klimawandelanpassung gesprochen.

Dabei ging es nicht darum, bereits fertige Antworten abzunicken. Die unterschiedlichen Perspektiven sollen helfen, Probleme genauer zu verstehen und Lösungen zu entwickeln, die auch in der Praxis funktionieren.

Auch die Perspektive der jungen Generation wird gezielt einbezogen. In Schulworkshops und bei der Jugendklimakonferenz können Jugendliche ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen einbringen. Damit kommen auch jene zu Wort, die das  Burgenland in den kommenden Jahrzehnten gestalten werden.

Denn gerade beim Klimaschutz zeigt sich: Eine Maßnahme kann auf dem Papier sinnvoll erscheinen und trotzdem vor Ort auf Schwierigkeiten stoßen. Ein Betrieb hat andere Voraussetzungen als ein Privathaushalt. Eine Gemeinde steht vor anderen Herausforderungen als ein Industriebetrieb. Und manchmal wissen jene, die täglich mit einem Problem zu tun haben, am besten, wie eine praktikable Lösung aussieht.

Beteiligung schafft bessere Lösungen

Beteiligung bedeutet deshalb mehr als eine Möglichkeit, am Ende seine Meinung abzugeben. Sie beginnt früher: bei der Frage, welche Probleme tatsächlich gelöst werden müssen, welches Wissen bereits vorhanden ist und welche Erfahrungen berücksichtigt werden sollten.

Das bringt nicht nur unterschiedliche Sichtweisen zusammen. Es kann auch helfen, Vertrauen zu schaffen. Menschen können eher nachvollziehen, warum bestimmte Veränderungen notwendig sind, wenn sie wissen, wie Entscheidungen zustande kommen und welche Überlegungen dahinterstehen. Für die Klimastrategie bedeutet das: Sie soll nicht im„Elfenbeinturm“ entstehen, sondern aus der Praxis für die Praxis. Begleitet wird der Prozess von  einem interdisziplinären Expert:innenbeirat unter der Leitung der renommierten Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb. Auch die Österreichische Energieagentur unterstützt die fachliche Überarbeitung.

Auch nach den bisherigen Beteiligungsformaten soll die Möglichkeit zur Mitgestaltung offen bleiben. Anfang kommenden Jahres soll der erste Entwurf der neuen Klimastrategie online vorgestellt werden. Alle Burgenländer sollen dann die Möglichkeit bekommen, sich ein Bild davon zumachen und ihre Rückmeldungen einzubringen. So können auch die Erfahrungen und Meinungen aus der breiten Bevölkerung in den weiteren Prozess einfließen.

Ein gemeinsamer Plan für 2040

Am Ende steht ein klares Ziel: Das Burgenland soll bis 2040 klimaneutral werden. Gleichzeitig soll die Klimastrategie stärker berücksichtigen, wie das Land mit den Folgen des Klimawandels umgeht, wie Kreislaufwirtschaft gestärkt und die  Energieversorgung unabhängigerwerden kann.

Klimaschutz ist damit kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist. Rahmenbedingungen verändern sich, neue Erkenntnisse kommen hinzu und Maßnahmen müssen angepasst werden. Deshalb soll auch die Umsetzung regelmäßig überprüft werden. 

Der wichtigste Schritt ist aber, aus vielen einzelnen Ideen einen gemeinsamen Weg zu machen. Das Burgenland bringt dafür viel Erfahrung und große Potenziale bei Wind und Sonne mit. Entscheidend wird sein, dieses Wissen  zusammenzubringen und daraus Lösungen zu entwickeln, die im Alltag ankommen.

Denn Klimaschutz wird nicht dadurch erfolgreich, dass er gut aufgeschrieben ist. Er wird erfolgreich, wenn aus gemeinsamen Zielen gemeinsames Handeln wird.