Was ein Dorf zum Zuhause macht
Die Dorfentwicklungsstrategie 2026 setzt auf lebendige Ortskerne, neue Ideen und die Menschen, die ihre Gemeinde am besten kennen.
Was macht einen Ort zu einem guten Zuhause? Es sind nicht nur schöne Häuser oder ein neu gestalteter Hauptplatz. Es sind die Menschen, die einander kennen, der Verein, in demman sich trifft, der Platz, an demKinder spielen, oder das Geschäft, in dem man sich beim Einkaufen begegnet. Es sind Orte, andenen Gemeinschaft entsteht. Genau dort setzt die Dorfentwicklungsstrategie 2026 des Burgenlandes an.
Sie verfolgt eine einfache Grundidee: Die Zukunft eines Dorfes soll nicht irgendwo und von irgendwem am Reißbrett geplant werden. Sie soll gemeinsam mit den Menschen vor Ort entstehen. Denn niemand kennt die Stärken und Herausforderungen einer Gemeinde besser als jene, die dort leben. Sie wissen, welches Gebäude schon lange leer steht, wo ein Treffpunkt fehlt, welche Wege im Alltag wichtig sind und was den eigenen Ort lebenswert macht. Gute Dorfentwicklung muss deshalb zuhören, Ideen aufgreifen und den Menschen vor Ort den nötigen Spielraum zum Mitgestalten geben.
Von innen nach außen
Ein wichtiger Gedanke der neuen Strategie ist die Entwicklung „von innen nach außen“. Statt immer neue Flächen am Ortsrand zu verbauen, geht es darum, Bestehendes besser zu nutzen: Leerstände sollen wieder mit Leben gefüllt, Gebäude revitalisiert und Ortskerne gestärkt werden. Wohnen, Arbeiten, Nahversorgung, Handwerk, Kultur und Begegnung sollen möglichst nah beieinander Platz finden. Das ist nicht nur eine Frage des Bodenschutzes und der Eindämmung von Bodenverbrauch und Versiegelung. Es geht vor allem um Lebensqualität. Ein lebendiger Ortskern bedeutet kurze Wege, Begegnungsmöglichkeiten und Räume, in denen unterschiedliche Generationen zusammenkommen können. Begrünte und entsiegelte Flächen können gleichzeitig dafür sorgen,dass Orte mit zunehmender Hitze und anderen Folgen des Klimawandels besser umgehen können. Die Dorfentwicklungsstrategie 2026 verbindet deshalb mehrere Dinge:eine neue Förderrichtlinie, den Leitfaden „Gemeinsam gestalten“, den Impulsraum Dorfentwicklung Burgenland sowie regelmäßige Sprechtage für Gemeinden, Vereine und engagierte Menschen. Bis Juni 2027 stehen dafür insgesamt eine Million Euro an Fördermitteln zur Verfügung.
Keine fertigen Rezepte
Dabei geht es nicht darum, allen Gemeinden dasselbe Modell überzustülpen. Ein Dorf im Südburgenland hat andere Voraussetzungen als eine Gemeinde im Norden oder im Mittelburgenland. Manche Orte kämpfen mit Leerständen, andere mit starkem Wachstum oder fehlenden Begegnungsräumen. Dorfentwicklung muss deshalb zu den jeweiligen Gegebenheiten passen.„Gemeinsam gestalten“ beschreibt diesen Ansatz:Austausch und Beteiligung statt Vorgaben von oben. Die Erfahrungen von Gemeinden, Vereinen, LEADER-Regionen und anderen Akteur: innen der Regionalentwicklung sollen genutzt und weiter entwickelt werden. Das Land bietet dabei Unterstützung, Beratung und Fördermöglichkeiten an. Die Gestaltung und Entwicklung passiert aber direkt vor Ort. Am Ende geht es um eine sehr konkrete Frage:Wie sollen unsere Gemeinden in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren aussehen? Es geht umOrte, in denen junge Menschen bleiben können,
ältere Menschen gut leben können und Begegnung nicht zufällig passiert. Um Ortskerne, die nicht nur schön aussehen, sondern tatsächlich genutzt werden.Und um Gemeinden, die ihre Entwicklung selbst in die Hand nehmen können. Dorfentwicklung ist damit mehr als Ortsbildpflege. Sie ist eine Frage der Lebensqualität – und eine gemeinsame Aufgabe von Gemeinden, Bürger:innen, Vereinen und Land.
