Burgenland baut Pflegenetz aus

Stützpunkte und Bettenmanagement sollen Versorgungssicherheit garantieren. 71 Pflegestützpunkte sollen Pflege und Betreuung wohnortnah und leistbar bündeln.Gleichzeitig plant das Land ein zentrales Bettenmanagement, damit freie Pflegeplätze künftig transparent und nach nach vollziehbaren Kriterien vergeben werden.

Das Burgenland baut seine Pflegeversorgung um. Im Mittelpunkt des neuen Systems stehen 71 Pflegestützpunkte, die in 28 Pflegeregionen entstehen. Sie sollen die Lücke zwischen Betreuung zu Hause und stationärer Pflege schließen und Pflegeangebote nahe am Wohnort bündeln. Die Stützpunkte sollen zu Anlaufstellen für Pflegebedürftige und Angehörige werden. Angeboten werden mobile Pflege und Betreuung, Tagesbetreuung, Wohnen im Alter sowie Pflege- und Sozialberatung. Ziel ist eine bessere Versorgung mit klaren Zuständigkeiten. Seit 1.April ist pro Region nur mehr ein Träger für die gesamte nichtstationäre Pflege und Betreuung verantwortlich.

Ein Ansprechpartner für alles

Das neue System bringt einen Vorteil: die gesamte mobile und teilstationäre Pflege aus einer Hand. Die Trägerorganisation einer Region ist künftig zentrale Anlaufstelle für die mobile Pflege und Betreuung - Hauskrankenpflege - und die  Tagesbetreuung mit Aktivitätsangebot an den Pflegestützpunkten. Mit der Umstellung wurde das Burgenland in 28 Pflegeregionen gegliedert, in denen 71 Pflegestützpunkte in Betrieb gehen werden – 28 Haupt- und 43 Nebenstützpunkte. Jede
Region versorgt zwischen 8.000 und 12.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Zehn Stützpunkte bereits in Betrieb

Während sich die Systemumstellung seit 1. April in Umsetzung befindet, läuft auch der Bau der Pflegestützpunkte konsequent weiter. Allein im heurigen Jahr gingen die Standorte Kobersdorf, Deutsch Jahrndorf, Müllendorf, Unterkohlstätten, Grafenschachen, Minihof-Liebau, Gols, Trausdorf, Gerersdorf-Sulz und Mannersdorf an der Rabnitz in Betrieb. Damit sind gemeinsam mit Schattendorf, das seit 2022 genutzt wird, und Stinatz inzwischen zwölf der insgesamt 71 Pflegestützpunkte aktiv.

Aktuell befinden sich Stadtschlaining, Neudörfl, Olbendorf, Markt St.Martin,Hirm und Bocksdorf, in Bau. Königsdorf, Rehgraben, Frauenkirchen und Heiligenkreuz im Lafnitztal sollen noch 2026 in Betrieb gehen.

Damit steigt die Anzahl der bereits aktiven PSP bis Jahresende auf 15. 

In den Gemeinden Großpetersdorf, Neusiedl am See, Steinbrunn, Unterwart, Bocksdorf, Rechnitz, Wallern, Oggau, Horitschon und Wimpassing laufen die Vorbereitungen für die Aufnahme der Bautätigkeit.

Aus heutiger Sicht sollen bis spätestens 2029 bei allen Pflegestützpunkten die Bautätigkeit aufgenommen werden. 

Insgesamt spannt das Pflegestützpunkt-Modell den Betreuungsbogen von Hauskrankenpflege über betreutes Wohnen und Seniorentagesbetreuung bis hin zur Pflege- und Sozialberatung.

In den Stützpunkten werden Leistungen wie die mobile Pflege und Betreuung durch qualifizierte Pflegefachkräfte, Tagesbetreuung, Wohnen im Alter und Pflege und Sozialberatung unter einem Dach zusammengeführt. Typischerweise gibt es vier Wohneinheiten für „Wohnen im Alter“, Tagesbetreuung für bis zu zwölf Personen, eine Basis für die mobile Hauskrankenpflege sowie Pflege und Sozialberatung. Damit soll nicht nur die Versorgung verbessert, sondern auch die Belastung
für pflegende Angehörige verringert werden.

Der Stützpunkt als erste Anlaufstelle

Eine zentrale Rolle kommt dabei auch der Pflege- und Sozialberatung zu. Sie sind zentrale Anlaufstelle  für Fragen und Anliegen rund um die Themen Pflege und Betreuung und soll Menschen und Angehörige dabei unterstützen, im jeweiligen  Fall das passende Angebot zu finden. Kurzum: Die Pflege- und Sozialberatung fungiert als erste Anlaufstelle und Drehscheibe, die Orientierung und Unterstützung bietet. Sie wird seitens des Soziale Dienste Burgenland gestellt – wodurch  landesweit und flächendeckend ein einheitliches Angebot an Beratung etabliert wird. Neben den Pflegestützpunkten plant das Burgenland eine weitere grundlegende Änderung: ein zentrales Bettenmanagement für die stationäre Pflege. Freie  Kapazitäten werden künftig digital, in Echtzeit und nach nachvollziehbaren Qualitäts- und Kriterienstandards erfasst und vergeben. Dadurch wird sichergestellt, dass pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen nicht nur schnellstmöglich,  sondern auch wohnortnah und bedürfnisorientiert den optimalen Platz erhalten. Bei der Vergabe eines Pflegeplatzes werden künftig nicht nur der Pflegebedarf und die Qualität des Angebots eine Rolle spielen. Vor allem spielen dabei  die Wünsche und Bedürfnisse der betroffenen Menschen und ihrer Angehörigen eine Rolle. Mitberücksichtigt werden daher die gewünschte Region, die Nähe zur Familie oder Anforderungen an die Betreuung. Das Ziel ist eine transparente Vergabe, bei der freie Kapazitäten nicht mehr mühsam einzeln abgefragt werden müssen. Stattdessen soll das Land einen Überblick über die vorhandenen Pflegeplätze erhalten und mit den Betroffenen nach einer passenden Lösung suchen.

Zwei Säulen für mehr Versorgungssicherheit

Mit den Pflegestützpunkten und dem geplanten zentralen Bettenmanagement  setzt das Burgenland an zwei Punkten an. Die Stützpunkte sollen die Pflege und Betreuung außerhalb von Pflegeheimen regional bündeln und Menschen möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld unterstützen. Das Bettenmanagement soll im stationären Bereich für mehr Übersicht sorgen. Damit entsteht eine durchgängige Struktur: von der Pflege zu Hause über Tagesbetreuung und betreutes Wohnen bis zur stationären Pflege. Immer mit dem Grundprinzip der Gemeinnützigkeit. Gewinnorientierung hat in der Pflege und Betreuung im Burgenland keinen Platz. Landesmittel fließen ausschließlich in Leistungen für die Burgenländerinnen und Burgenländer – nicht in Gewinne. Pflege wird als gesellschaftliche Verantwortung verstanden, nicht als Geschäftsmodell. Das Ziel der Reform: Pflege und Betreuung sollen wohnortnah, koordiniert undleistbar sein. Für die Betroffenen bedeutet das möglichst kurze Wege und eine zentrale Anlaufstelle. FürAngehörige soll die Suche nach Unterstützung einfacher werden.Wenn ein Heimplatz notwendig wird, soll das Bettenmanagement künftig dafür sorgen, dass freie Plätze transparent erfasst und nach nachvollziehbaren Kriterien vergeben werden.