Ein massiver Verdacht auf finanzielle Bereicherung und der Verdacht der bewussten Falschangabe von Personalkosten erschüttern das Seniorenhaus Rudersdorf (Haus Wagner). Im Zuge einer tiefgreifenden Prüfung durch die zuständige Fachabteilung des Landes Burgenland wurden erhebliche Unstimmigkeiten bei den monatlichen Abrechnungen deutlich. Es steht ein strafrechtlich relevanter Tatbestand im Raum. „Wo Pflege draufsteht, muss Verantwortung drin sein. Wenn Kontrollen der Fachabteilung zeigen, dass Gelder für Personal abgerechnet wurden, das auf den Dienstplänen teils gar nicht existiert, anders qualifiziert bzw. entlohnt wird oder nicht leistbare Rufbereitschaften abgebildet werden, ist eine rote Linie überschritten. Das sind keine Peanuts, von denen wir hier reden, immerhin wäre der mögliche Schaden für das Land mit hochgerechnet rund 270.000 EUR jährlich enorm“, betont Soziallandesrat Leonhard Schneemann. „Wir schauen hier nicht weg, vielmehr ist es unsere Verpflichtung tätig zu werden und diesen möglichen Missbrauch von Steuergeldern aufzudecken. Wir schützen das System, die Steuerzahler und vor allem die Menschen. Eine entsprechende Sachverhaltsdarstellung wird bereits vorbereitet und in der kommenden Woche an die Staatsanwaltschaft übermittelt!“
Die umfassende Überprüfung durch die Fachabteilung des Landes für den Zeitraum Jänner bis April 2026 zeichnet das Bild eines eklatanten Abrechnungs-Chaos zu Lasten der Öffentlichkeit und vermeintlich zugunsten einer Person, der geschäftsführenden Alleingesellschafterin des Seniorenhauses Wagner. Die Diskrepanzen zwischen den vom Betreiber geforderten Steuergeldern und den tatsächlichen Leistungen sind nach vorliegendem Kenntnisstand massiv.
So wurden beim internen und externen Verwaltungspersonal systematisch deutlich mehr Vollzeitkräfte bzw. Leistungen abgerechnet, als durch Belege bis dato trotz mehrfacher Urgenz nachgewiesen werden konnten. Im Bereich der externen Verwaltung wurden beispielsweise alleine in den letzten vier Monaten fast doppelt so viel Personal abgerechnet, als bis zum heutigen Tag nachgewiesen werden konnte, was eine Summe von über 77.000 Euro bedeutet. Auch beim Pflegepersonal gab es unter anderem hinsichtlich der Abrechnung Ungereimtheiten.
Dem gegenüber scheint sich Betreiberin Petra Wagner durch mögliche Mehrverrechnungen ihren astronomischen Jahresbruttobezug von 196.000 Euro und luxuriöse Dienstfahrzeuge sowie hohe Gewinne gesichert zu haben. „In Summe beträgt der mögliche hochgerechneten jährliche Schaden rund 270.000 EUR für das Land!“, führt der zuständige Soziallandesrat aus.
„Es scheint so, als wenn versucht worden wäre, auf Kosten der Steuerzahler maximalen Profit aus der Pflege zu schlagen“, findet Soziallandesrat Leonhard Schneemann klare Worte.
Skrupellose Nachbesetzung: Dritter Heimplatz trotz Kündigung der Tagsatzvereinbarung gefüllt
Während das Land Burgenland mit Hochdruck den geordneten und stressfreien Übergang der pflegebedürftigen Menschen in andere Einrichtungen organisiert, sorgt die Betreiberin für einen weiteren menschlichen Tiefpunkt. Obwohl die Tagsatzvereinbarung mit dem Land unwiderruflich mit 31. Juli endet, wurde nach zwei bereits erfolgten Nachbesetzungen nun auch noch ein dritter Heimplatz durch Frau Wagner neu besetzt. „Ein dritter pflegebedürftiger Mensch wurde somit in eine Einrichtung geholt, die in wenigen Wochen keine Tagsatzvereinbarung mehr hat – was einen erneuten, psychisch belastenden Umzug für die betroffene Person bedeutet. Wer so agiert, handelt nicht im Sinne der Bewohnerinnen und Bewohner – sondern ausschließlich im Interesse des Geldes.“, kritisiert Landesrat Leonhard Schneemann scharf.
Konsequenter Weg zur Gemeinnützigkeit
Für die burgenländische Landesregierung bestätigt dieser Fall einmal mehr die Notwendigkeit, das Pflegesystem grundlegend zu reformieren und private Gewinninteressen konsequent zurückzudrängen.
„Pflege braucht Verantwortung, Menschlichkeit und Vertrauen. Der Fall Rudersdorf, aber auch jener in Bad Sauerbrunn zeigen deutlich, was passiert, wenn wirtschaftliche Interessen über das Wohl der Menschen gestellt werden. Das Burgenland geht hier den Weg der Gemeinnützigkeit konsequent weiter“, so Schneemann abschnittsweise.
„Unser Auftrag bleibt klar: Menschlichkeit, Sicherheit und Würde stehen an allererster Stelle“, so der Soziallandesrat abschließend.
Bildtext: Porträtaufnahme Landesrat Dr. Leonhard Schneemann
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
Eisenstadt, 21. Mai 2026
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