Ein wesentlicher Schritt im laufenden Behördenverfahren rund um die Untersuchungen in den betroffenen Steinbrüchen ist abgeschlossen: Die Montanuniversität Leoben hat ihre umfangreichen Analysen der Gesteins- und Produktproben abgeschlossen und das Gutachten diese Woche an die zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden übermittelt. Auch die weiteren Sachverständigengutachten inklusive der Ergebnisse der Ausbreitungsrechnung liegen nun vor. Insgesamt wurden 67 Gesteinsproben – sogenannte Handstücke – aus den Steinbrüchen sowie 46 Produktproben untersucht und die detaillierten Ergebnisse auf über 1200 Seiten dokumentiert. Die wissenschaftlichen Analysen bilden eine zentrale Grundlage für die weiteren Behördenverfahren.
Lediglich ein Ergebnis eines deutschen Institutes ist ausständig, erklärt Bezirkshauptmann Peter Bubik: „In Österreich gibt es keine Möglichkeit für die Durchführung dieses speziellen Untersuchungsverfahrens.“ Die beiden verfahrensführenden Behörden seien derzeit damit beschäftigt, die Ergebnisse der Sachverständigengutachten zu plausibilisieren. „Diese werden kommende Woche gemeinsam mit den Sachverständigen besprochen. Im Anschluss daran werden sämtliche Gutachten im Zuge des laufenden Verfahrens an die jeweiligen Steinbruchbetreiber übermittelt“, so Bubik zur weiteren Vorgangsweise.
Im Rahmen der mittelbaren Bundesverwaltung stimmen die verfahrensführenden Behörden die weiteren Schritte mit den zuständigen Ministerien ab.
Die Sachverständigengutachten sind ein wesentlicher Bestandteil des laufenden Verfahrens. Um die Rechte aller Parteien zu wahren, können seitens der Behörden bis zum Abschluss des Verfahrens keine Informationen oder Stellungnahmen zu Messergebnissen oder deren Interpretationen abgegeben werden.
Gutachterarbeiten wichtige Basisarbeit für Schließung von Gesetzeslücken
Univ.-Prof. Frank Melcher, Leiter des Lehrstuhls für Geologie und Lagerstättenlehre an der Montanuniversität Leoben, betont die Dimension der Untersuchungen: „Insgesamt wurden 67 Handstücke aus den Steinbrüchen sowie 46 Produktproben analysiert. Der Aufwand war enorm, aber absolut notwendig, um belastbare Ergebnisse zur chemischen und mineralogischen Zusammensetzung der Proben im Hinblick auf extrem feine Asbestfasern zu erhalten.“
Nur auf Grundlage belastbarer, überprüfbarer Messergebnisse und wissenschaftsbasierter Methoden könnten Behörden die richtigen Maßnahmen setzen und gesicherte Entscheidungen treffen. „Die Grundlage dafür zu liefern, ist Aufgabe der Gutachter – und diese Aufgabe haben wir so schnell wie möglich erfüllt“, so Melcher.
Nun seien die Behörden gefordert, die nächsten Schritte zu setzen – auch auf Bundesebene. „Die Arbeit der Taskforce und des Landes Burgenland sind eine wichtige Grundlagenarbeit. Unsere Analysen sollten dazu genutzt werden, bestehende Gesetzeslücken zu schließen und österreichweit Grenzwerte für Produkte oder auch Luftbelastungen in Bezug auf Asbest festzulegen“, betont Melcher. Diese würden bisher fehlen.
Zeitaufwendige Analyseverfahren
Die Analyse der Proben erforderte zahlreiche, aufeinander abgestimmte Arbeitsschritte. Die Produktproben wurden zunächst durch die Firma MAPAG nach Norm homogenisiert und gesiebt, um repräsentative Proben für die weiteren Untersuchungen zu gewinnen. Anschließend wurden die Feinfraktionen gemahlen und mittels Röntgendiffraktion an der TU Graz auf ihren Mineralbestand untersucht.
Parallel dazu erfolgten mikroskopische und rasterelektronenmikroskopische Analysen, um Faserdimensionen und chemische Zusammensetzungen bestimmen zu können. Ergänzend wurden stichprobenartige Untersuchungen mittels Laser-Ramanspektroskopie durchgeführt. Die quantitative Auswertung der Faseranzahl sowie des Anteils an WHO-Fasern erfolgte durch die Firma WRUSS nach den Anforderungen der TRGS 517. Dadurch liegen zwei voneinander unabhängige und methodisch unterschiedliche Datensätze vor.
Auch die Festgesteinsproben aus den Steinbrüchen wurden in mehreren Schritten bearbeitet: Sie wurden gesägt, geschliffen und poliert, ehe sie mikroskopisch dokumentiert und anschließend am Rasterelektronenmikroskop analysiert wurden. Ergänzend wurden Faserproben aus den Steinbrüchen ebenfalls rasterelektronenmikroskopisch sowie mittels Laser-Ramanspektroskopie untersucht. Zur quantitativen Abschätzung der Asbestanteile kamen zusätzlich Röntgendiffraktionsanalysen zum Einsatz.
Zum Herunterladen der Fotos klicken Sie auf die folgenden Links:
Montanuniversität 1 Montanuniversität 2
Montanuniversität 3 Montanuniversität 4
Bildtext Montanuniversität 1, 2 & 3: Univ.-Prof. Frank Melcher, Leiter des Lehrstuhls für Geologie und Lagerstättenlehre an der Montanuniversität Leoben, bei der Erklärung der Analyseverfahren.
Bildtext Montanuniversität 4: Beim Polieren der Materialproben.
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
Eisenstadt, 08. Mai 2026
Landesmedienservice Burgenland
7000 Eisenstadt, Landhaus, Europaplatz 1
Tel: 057/600
post.oa-presse(at)bgld.gv.at
www.burgenland.at




