Das Land Burgenland und der Verein der Burgenländischen Naturschutzorgane (VBNO) starten ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Bekämpfung invasiver Pflanzenarten. Bis Ende 2026 soll ein burgenländischer Neophyten-Managementplan erarbeitet und ein flächendeckendes Freiwilligennetzwerk in den Gemeinden aufgebaut werden. Für das Projekt sind seitens des Landes rund 45.000 Euro budgetiert. „Die Bekämpfung invasiver Pflanzen grenzt an eine Sisyphos-Aufgabe – das gelingt nur gemeinsam und mit engagierten Partnern und Partnerinnen. Deshalb setzen wir auf enge Zusammenarbeit mit Gemeinden, Fachleuten, Ehrenamtlichen und der Bevölkerung vor Ort. Mir ist auch besonders wichtig, junge Menschen im Rahmen der Neophyten-Offensive für den Naturschutz zu begeistern und sie auch langfristig einzubinden“, betont Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, die als Landesrätin den Naturschutz verantwortet.
Österreichweit gelten rund 1.600 Pflanzenarten – und damit fast die Hälfte der gesamten Flora – als gebietsfremd. Nur ein Prozent dieser Neophyten ist invasiv, doch gerade diese Arten können enorme ökologische und wirtschaftliche Schäden verursachen. Neophyten wie die Kanadische Goldrute, der Japan-Staudenknöterich oder der Götterbaum verdrängen heimische Pflanzen, verändern Lebensräume und können zu einem deutlichen Rückgang der Biodiversität führen. Gleichzeitig entstehen Schäden in der Land- und Forstwirtschaft sowie an Infrastruktur. In Europa werden die Kosten im Zusammenhang mit invasiven Arten auf mehr als zehn Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
Im Burgenland sind zwölf invasive Pflanzenarten weit verbreitet. Vier davon – der Götterbaum, die Gewöhnliche Seidenpflanze, das Drüsige Springkraut und der Riesenbärenklau – stehen auf der EU-Liste besonders problematischer Arten. „Neophyten setzen unsere heimische Natur zunehmend unter Druck. Gleichzeitig lässt sich ihre Ausbreitung nicht kurzfristig stoppen – auch, weil die Klimakrise sie zusätzlich begünstigt. Mit der Neophyten-Offensive bündeln wir im ganzen Burgenland Wissen und Engagement und entwickeln ein solides Fundament dafür, die Ausbreitung der Schadpflanzen nachhaltig einzudämmen”, erklärt Haider-Wallner.
Flächendeckendes Freiwilligennetzwerk auf Gemeindeebene
Das Projekt, das vom Verein der Burgenländischen Naturschutzorgane koordiniert wird, umfasst eine Reihe konkreter Maßnahmen, die zur langfristigen Eindämmung invasiver Arten dienen soll:
- Neophyten-Aktionstage im ganzen Burgenland mit Pflegeeinsätzen und Informationsveranstaltungen
- Stakeholder-Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern aus Landesverwaltung, Gemeinden, Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Naturschutzorganisationen
- Expertenworkshops, um Best-Practice-Beispiele zu sammeln und einen auf das Burgenland zugeschnittenen Managementplan zu entwickeln
Ein zentraler Bestandteil der Neophyten-Offensive ist außerdem der Aufbau eines flächendeckenden Freiwilligennetzwerks in den Gemeinden. Die rund 250 ehrenamtlichen Naturschutzorgane sollen verstärkt eingebunden und zu lokalen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern ausgebildet werden.
„Der Verein der burgenländischen Naturschutzorgane bringt Erfahrungen aus der Praxis mit und plant, ein starkes Netzwerk im ganzen Land aufzubauen. Unser Ziel ist es, dass künftig in jeder Gemeinde eine Ansprechperson für das Thema Neophyten zur Verfügung steht“, erklärt Hermann Frühstück, Landesleiter der burgenländischen Naturschutzorgane.
Interessierte können sich direkt beim Verein der Burgenländischen Naturschutzorgane melden, klicken Sie dazu auf den folgenden Link:
www.naturschutzorgane-bgld.at/mitwirken
Weichenstellung für eine langfristig wirksame Neophyten-Bekämpfung
Die Ergebnisse des ersten Maßnahmenpakets sollen im Sommer 2026 ausgewertet werden und die Grundlage für weitere Schritte bilden. Eine zweite Phase der Neophyten-Offensive ist ab Herbst 2026 geplant, um die aufgebauten Strukturen weiter zu stärken, einen auf das Burgenland zugeschnittenen Managementplan zu entwickeln und zusätzliche Maßnahmen umzusetzen.
„Invasive Arten gehören zu den großen Bedrohungen für die biologische Vielfalt. Wenn sich solche Pflanzen einmal stark ausbreiten, ist ihre Bekämpfung sehr aufwendig und muss gut geplant sein. Genau deshalb ist es so wichtig, jetzt zu handeln, Wissen zu bündeln und Maßnahmen langfristig zu entwickeln“, betont Umweltanwalt Dr. Michael Graf. „Das Kick-Off der Neophyten-Offensive ist daher ein wichtiger Schritt, um künftig gezielter und fachlich fundiert gegen invasive Arten im Burgenland vorzugehen.“
Zum Herunterladen der Fotos klicken Sie auf die folgenden Links:
Neophyten-Offensive Burgenland 1
Neophyten-Offensive Burgenland 2
Neophyten-Offensive Burgenland 3
Neophyten-Offensive Burgenland 4
Neophyten-Offensive Burgenland 5
Bildtext Neophyten-Offensive Burgenland 1: Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Hermann Frühstück, Landesleiter der burgenländischen Naturschutzorgane und Landesumweltanwalt DI. Dr. Michael Graf stellten Details der Neophyten-Offensive 2026 im Burgenland vor.
Bildtext Neophyten-Offensive: Burgenland 2: Zu den gebietsfremden, invasiven Pflanzen zählen auch die Kanadische Goldrute, die Robinie und das Drüsige Springkraut und. Noch blühen diese Pflanzen nicht. Landesumweltanwalt DI. Dr. Michael Graf, Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner und Hermann Frühstück, Landesleiter der burgenländischen Naturschutzorgane, zeigen, wie die Blüten dieser Pflanzen aussehen.
Bildtext Neophyten-Offensive: Burgenland 3 bis 5: Hermann Frühstück, Landesleiter der burgenländischen Naturschutzorgane, erklärt am Beispiel der Kanadischen Goldrute die Problematik.
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
Eisenstadt, 18. März 2026
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