Das Burgenland schlägt heute ein neues Kapitel in der Pflege und Betreuung auf. Mit dem 1. April 2026 fällt der Startschuss für eine tiefgreifende Systemumstellung: Das neue Pflegestützpunkt-Modell läuft an. Damit setzt das Burgenland einen strukturellen Meilenstein für eine Pflegeversorgung, die flächendeckend, gemeindenah, leistbar und vor allem gemeinnützig organisiert ist. Im Zentrum steht ein klarer Grundsatz: Pflege ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge – und kein Markt für gewinnorientierte Unternehmen. Pro Pflegeregion übernimmt künftig eine Organisation die gesamte nicht-stationäre Pflegeversorgung – von der mobilen Pflege und Betreuung über die Tagesbetreuung und das Wohnen im Alter bis hin zur Pflege- und Sozialberatung. Das schafft klare Zuständigkeiten, bessere Koordination, verlässliche Strukturen und vor allem pflegerische Versorgungssicherheit für die Burgenländerinnen und Burgenländer. „Mit dem heutigen Start setzen wir ein starkes Signal: Pflege findet dort statt, wo die Menschen leben. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass Steuergeld dort ankommt, wo es gebraucht wird – bei den Menschen und nicht bei Gewinnen. Denn Pflege und Betreuung darf kein Geschäftsmodell sein – sie muss leistbar, gemeinnützig und für alle zugänglich sein“, betont Soziallandesrat Leonhard Schneemann.
Was heute mit der organisatorischen Umstellung beginnt, ist die konsequente Fortführung eines Weges, den das Burgenland in der Pflegepolitik seit Jahren klar verfolgt: weg von zersplitterten Strukturen und Gewinnorientierung, hin zu einem flächendeckenden, gemeinnützigen und verlässlich organisierten Versorgungssystem. Schritt für Schritt wird Pflege damit neu aufgestellt – näher bei den Menschen, klar geregelt und langfristig abgesichert.
Mit der Umstellung wird das Burgenland in 28 Pflegeregionen gegliedert, in denen insgesamt 71 Pflegestützpunkte entstehen – 28 Haupt- und 43 Nebenstützpunkte. Jede Region versorgt künftig zwischen 8.000 und 12.000 Einwohnerinnen und Einwohner. „Diese Reform bringt Ordnung in ein System, das zu lange nebeneinander statt miteinander gearbeitet hat. Wir schaffen klare Verantwortlichkeiten, reduzieren Schnittstellen und erhöhen die Qualität für die Menschen“, erklärt Soziallandesrat Leonhard Schneemann.
Ein Ansprechpartner für alles
Das neue System bringt einen entscheidenden Vorteil: Pflege aus einer Hand. Die Trägerorganisation einer Region ist künftig zentrale Anlaufstelle für die mobile Pflege und Betreuung (Hauskrankenpflege, Pflegeassistenz, Heimhilfe) und die Tagesbetreuung mit umfassendem Aktivitätsangebot an den Pflegestützpunkten. Schneemann: „Mit einem klar verantwortlichen Träger pro Region schaffen wir stabile und verlässliche Strukturen. Dieses System ist ein entscheidender Garant für Versorgungssicherheit – flächendeckend, koordiniert und ohne Versorgungslücken.“
Leistbar und sozial gestaffelt
Ein zentrales Ziel der Reform bleibt die Leistbarkeit. Die Selbstbehalte für mobile Leistungen sind klar geregelt und transparent:
- Heimhilfe: 23,70 Euro pro Stunde
- Pflegeassistenz: 30,30 Euro pro Stunde
- Diplomierte Pflege: 38,20 Euro pro Stunde
Diese Selbstbehalte decken rund ein Drittel der tatsächlichen Pflegepersonalkosten ab.
Auch die Tagesbetreuung bleibt sozial gestaffelt und startet bei mindestens 20 Euro pro Tag – inklusive Verpflegung und Programm.
Mit dem Ausbau der Pflegestützpunkte wird auch die Pflege- und Sozialberatung neu organisiert. Künftig ist in jeder Region eine Beraterin oder ein Berater direkt am Standort verfügbar – als erste Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige. Beratung erfolgt persönlich, telefonisch oder digital – und soll den Zugang zum passenden Angebot so einfach wie möglich machen.
Ausbau läuft auf Hochtouren
Mit April werden mit Müllendorf, Minihof-Liebau, Kobersdorf, Deutsch-Jahrndorf, Grafenschachen und Unterkohlstätten – nach den bereits in Betrieb stehenden Stützpunkten Schattendorf und Stinatz – sechs weitere Hauptpflegestützpunkte ihren Betrieb aufnehmen.
Inzwischen erfolgt in allen anderen Pflegeregionen die Umstellung zunächst im Bereich der mobilen Pflege und Betreuung, dann beginnt eine Interimsphase bis zur Fertigstellung des Hauptpflegestützpunktes der jeweiligen Region. Bis Ende 2026 werden bereits 15 Pflegestützpunkte in Betrieb sein. Weitere Standorte sind in Bau oder starten noch heuer. Ziel ist klar definiert: Bis spätestens 2029 soll bei allen 71 Standorten zumindest der Baustart erfolgt sein.
Gemeinnützigkeit als politisches Prinzip
Die neue Struktur steht bewusst auf einem klaren politischen Fundament: Gemeinnützigkeit statt Gewinnorientierung. Das bedeutet konkret: Landesmittel fließen ausschließlich in Leistungen für die Burgenländerinnen und Burgenländer – nicht in Gewinne. Pflege wird als gesellschaftliche Verantwortung verstanden, nicht als Geschäftsmodell. „Jeder Euro Steuergeld muss bei den Menschen ankommen. Pflege darf keinen Gewinn erwirtschaften – das ist unser klarer Zugang im Burgenland. Wir holen die Pflege zurück in die öffentliche Verantwortung“, versichert Schneemann.
Zum Start der Systemumstellung unterstreicht Soziallandesrat Schneemann den politischen Anspruch hinter der Reform: „Wir entscheiden uns bewusst gegen ein System, in dem mit Pflege Gewinne gemacht werden. Unser Weg ist klar: gemeinnützig, regional und verlässlich. Pflege ist eine Frage der Würde – und genau so behandeln wir sie im Burgenland.“
Eisenstadt, 01. April 2026
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