Mit wissenschaftlich begleiteten Feldversuchen werden im Seewinkel neue Wege für eine wasserschonende Landwirtschaft erprobt. Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner überzeugte sich heute auf den Versuchsflächen des Projekts LIFE Pannonic Salt in St. Andrä und Tadten von den aktuellen Arbeiten: „Die Landwirtschaft muss sich den Folgen des Klimawandels anpassen. LIFE Pannonic Salt zeigt, wie innovative Forschung und landwirtschaftliche Praxis gemeinsam Lösungen entwickeln, die unsere Betriebe stärken und gleichzeitig unsere einzigartigen Naturräume schützen.“ Das EU-geförderte Projekt LIFE Pannonic Salt wird vom Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel koordiniert und gemeinsam mit dem Amt der Burgenländischen Landesregierung, der Technischen Universität Wien und dem WWF Österreich umgesetzt. Im Rahmen des Teilprojekts „Perspektiven für eine grundwasserschonende Landwirtschaft“ erforscht das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Österreich) gemeinsam mit BIO AUSTRIA Burgenland, der Landwirtschaftskammer Burgenland, der Universität für Bodenkultur Wien und regionalen Landwirtschaftsbetrieben praxistaugliche Ansätze für eine grundwasserschonende Landwirtschaft im Seewinkel. Ziel ist es, den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft zu reduzieren, gleichzeitig die Betriebe zukunftsfit zu machen und die einzigartigen Sodalacken des Seewinkels langfristig zu erhalten. Grundlage dafür sind Feldversuche unter realen Praxisbedingungen. Im Vegetationsjahr 2026 werden insgesamt sechs Versuche auf vier Praxisbetrieben in St. Andrä am Zicksee, Tadten und Wallern durchgeführt, ein Teil davon auf Flächen der Esterhazy Betriebe. Dabei werden trockenheitstolerante Kulturen, innovative Bewirtschaftungsmethoden und wassersparende Anbausysteme untersucht, um Antworten auf die Herausforderungen der Klimakrise zu finden.
Getestet werden unter anderem trockenheitstolerante Kulturen wie Quinoa, Amaranth, Saflor oder Öllein sowie neue Kulturen für die Region – etwa Kichererbse, Mungbohne, Sesam, Erdnuss oder Schwarzkümmel. Gleichzeitig wird untersucht, wie Winterkulturen die natürliche Winterfeuchtigkeit besser nutzen können und damit den Bewässerungsbedarf reduzieren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bewertung des Ertragspotenzials sowie der Vermarktungsmöglichkeiten dieser Kulturen.
Auch innovative Bewirtschaftungsmethoden stehen im Fokus: Biohydrogele sollen Wasser im Boden speichern und bedarfsgerecht an Pflanzen abgeben, Mulchabdeckungen die unproduktive Verdunstung verringern und der auf Flächen der Esterhazy Betriebe erprobte Streifenanbau von Mais und Soja durch ein verbessertes Mikroklima den Wasserverbrauch senken. Parallel dazu werden Bodenwassergehalt, Bodentemperatur, Pflanzenentwicklung und Erträge wissenschaftlich erhoben und ausgewertet.
„Gerade im Seewinkel spüren unsere Bäuerinnen und Bauern die Folgen von Trockenheit und sinkenden Grundwasserständen besonders deutlich. Deshalb brauchen wir neue Lösungen, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich funktionieren. Forschung im Rahmen des Projekts LIFE Pannonic Salt liefert genau dieses Wissen und bringt Innovation direkt auf unsere Felder“, so Haider-Wallner.
„Der Druck, Wasser in der Region nachhaltig und effizient zu nutzen, nimmt durch den Klimawandel stetig zu. Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen daher neue Ansätze, um ihre Betriebe an die veränderten Bedingungen anzupassen. Als unabhängiger wissenschaftlicher Dienstleister entwickelt das FiBL gemeinsam mit der Landwirtschaft praxistaugliche Strategien für einen sparsamen und nachhaltigen Umgang mit Wasser und begleitet deren Umsetzung in den Betrieben“, erklärt Andreas Kranzler, Geschäftsführer von FiBL Österreich.
Gemeinsame Lösungen aus Forschung und Praxis
Die Versuchsflächen dienen nicht nur der wissenschaftlichen Forschung, sondern vor allem dem Wissenstransfer in die landwirtschaftliche Praxis. Gemeinsam mit regionalen Betrieben werden konkrete Lösungen entwickelt, die künftig auf möglichst vielen Höfen eingesetzt werden können. Damit leistet LIFE Pannonic Salt einen wichtigen Beitrag zur Anpassung der burgenländischen Landwirtschaft an den Klimawandel und zum Schutz der sensiblen Naturräume im Seewinkel.
„Die Experimentierfreudigkeit und Offenheit der Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern für Neues und Unkonventionelles wird hier wissenschaftlich begleitet und dokumentiert, um für die gesamte Landwirtschaft neue Möglichkeiten aufzuzeigen“ ergänzt Franz Traudtner, Obmann von BIO AUSTRIA Burgenland.„Die Planung am Schreibtisch ist das eine, der Umgang mit den Ereignissen und Gegebenheiten – der Realität – vor Ort erfordert Flexibilität und schnelles Handeln. Keine Angst vor dem Scheitern haben die teilnehmenden Betriebe, denn wer ständig in und mit der Natur arbeitet, weiß mit Unvorhersehbarem umzugehen.“
„Bei diesen Untersuchungen soll nicht nur herausgefunden werden, welche Kulturgattungen in trockenen Gebieten erfolgreich kultiviert und welche effizienten, wassersparenden Bewässerungssysteme eingesetzt werden können, es werden auch gleichzeitig Möglichkeiten zur Vermarktung der erzeugten Feldfrüchte aufgezeigt und neue Märkte identifiziert”, so Johannes Ehrenfeldner, Direktor Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel. “Die Ergebnisse aus diesen Versuchen sollen letztlich auch im gesamteuropäischen Kontext als Best-Practice-Beispiele für andere bereits existierende oder künftige Trockengebiete herangezogen werden.”
Landwirtschaft und Naturschutz im Einklang
Ergänzend verweist Ehrenfeldner auf die enge Verbindung von Landwirtschaft und Naturschutz im Seewinkel: “Die Grundüberlegung, innovative, landwirtschaftliche Versuche in einem Naturschutzprojekt von europaweitem Interesse zu finanzieren, ist der Tatsache geschuldet, dass speziell im Seewinkel die Systeme Landwirtschaft und Lebensraumschutz aufs Engste miteinander verknüpft und voneinander abhängig sind. Das bedeutet, dass jede - tatsächlich jede - Maßnahme, die außerhalb des Nationalparks stattfindet, Auswirkungen, positive wie negative, innerhalb des Nationalparks nach sich zieht. Das gilt insbesondere für sämtliche Themen rund um das Wassermanagement.”
„Der Seewinkel ist eine europaweit einzigartige Natur- und Kulturlandschaft. Ihr Schutz gelingt nur gemeinsam mit einer Landwirtschaft, die wirtschaftlich erfolgreich ist und sorgsam mit unserer wertvollsten Ressource – dem Wasser – umgeht. Genau dafür liefert LIFE Pannonic Salt wertvolle Antworten“, so Haider-Wallner abschließend.
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LIFE Pannonic Salt 1 LIFE Pannonic Salt 2
LIFE Pannonic Salt 3 LIFE Pannonic Salt 4
Bildtext LIFE Pannonic Salt 1: Beim Besuch der Versuchsflächen des EU-Projekts LIFE Pannonic Salt in St. Andrä (v.l.): Paul Schlögl, Geschäftsführer Bio Austria, Franz Traudtner, Obmann Bio Austria, Dominik Berger, Anna Tomic, Mitarbeiterin FiBL, Lisa Wachtler, Bäuerin und Projektteilnehmerin, Andreas Kranzler, Geschäftsführer FiBL Österreich, Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Andreas Feiler, PANNATURA, Johannes Ehrenfeldner, Direktor Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel
Bildquelle: Büro LH-Stv.in Haider-Wallner / Hannah Neugebauer
Eisenstadt, 24. Juli 2026
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