Millionen-Gewinne auf Kosten der Pflegebedürftigen: Land Burgenland macht Schluss mit System Wagner und bringt Bewohner sicher in neue Heime

LR Schneemann

LR Leonhard Schneemann: „Wer mit dem Vertrauen pflegebedürftiger Menschen Kasse macht, hat in der burgenländischen Pflege nichts mehr verloren. Wir haben durchgegriffen – und wir haben jeden einzelnen Menschen dabei sicher aufgefangen."

Das Land Burgenland zieht mit Dienstag, 21. Juli 2026, einen klaren Schlussstrich unter ein System, das jahrelang auf dem Rücken pflegebedürftiger Menschen private Profite erwirtschaftet hat. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenhauses Rudersdorf übersiedeln in neue, sichere Heime. Dieser Schritt wird vom Land Burgenland seit Monaten intensiv vorbereitet und begleitet. Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie deren Angehörigen wurden individuelle Lösungen erarbeitet, persönliche Wünsche berücksichtigt und passende Pflegeplätze organisiert. Klar ist: Niemand wird allein gelassen, niemand muss durch die Übersiedelung finanzielle Nachteile befürchten. Für Soziallandesrat Leonhard Schneemann steht fest: „Der Fall Rudersdorf ist ein Lehrstück dafür, was passiert, wenn man Pflege als Geschäftsmodell missbraucht. Während Bewohnerinnen und Bewohner auf gute Betreuung gewartet haben, sind andere mit Luxus-Karossen auf Steuerzahlerkosten durch die Gegend gefahren. Das lassen wir nicht mehr zu. Seit Monaten führt unsere Fachabteilung intensive Gespräche mit den Betroffenen und ihren Angehörigen. Persönliche Wünsche wurden erhoben und bei der Auswahl der neuen Pflegeeinrichtung bestmöglich berücksichtigt. Niemand wurde und wird mit dieser Situation allein gelassen.“ Während das Land den Menschen Sicherheit gibt, zieht es gleichzeitig einen schonungslosen Schlussstrich unter ein System, das nach heutigem Kenntnisstand systematisch öffentliche Gelder von den pflegebedürftigen Menschen abgezweigt und in private Taschen umgeleitet hat. „Gemeinnützigkeit ist eine Grundhaltung und kein Notanker, den man wirft, wenn man erwischt wurde und die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt. Man kann nicht jahrelang Gewinne aus Tagsätzen scheffeln, Luxus-Karossen auf Steuerzahlerkosten leasen und dann, wenn das Land die Reißleine zieht, plötzlich die soziale Ader entdecken. Allein der private Gewinn aus dem Immobiliendeal hätte rechnerisch rund 70.000 Euro pro Betreuungsplatz gebracht – Geld, das in zusätzliches Personal, bessere Angebote und damit unmittelbar in eine noch höhere Betreuungsqualität hätte investiert werden können. Doch privater Luxus scheint wichtiger gewesen zu sein. Das Vertrauen ist unwiderruflich zerstört“, betont Schneemann. „Wer öffentliches Geld für Pflege bekommt und daraus ein privates Bankkonto füllt, betreibt keine Sozialarbeit, sondern Abzocke auf Kosten der Schwächsten. Diesem Treiben setzen wir ein Ende – heute, endgültig und ohne Wenn und Aber.“

Der heutigen Verlegung gingen monatelange Vorbereitungen, intensive Gespräche sowie eine enge Abstimmung mit den Betroffenen, ihren Angehörigen und den aufnehmenden Heimen voraus.

Individuelle Lösungen für Bewohnerinnen und Bewohner gefunden

Dank der großen Bereitschaft der burgenländischen Pflegeeinrichtungen konnten für nahezu alle Bewohner passende Plätze gefunden werden. Dort, wo der Wunschplatz derzeit noch nicht verfügbar ist, dient das Pflegekompetenzzentrum Olbendorf als nahtlose Zwischenlösung, bis der finale Platz frei wird. Für die Bewohner entstehen dadurch keinerlei Zusatzkosten.

„Ich danke den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie deren Angehörigen ausdrücklich für ihr großes Verständnis. Mein Dank gilt auch den Betreibern der Partner-Pflegeheime, die mit konkreter Hilfe rasche Lösungen ermöglicht haben“, resümiert Soziallandesrat Leonhard Schneemann.

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seniorenhauses Rudersdorf werden vom Land nicht allein gelassen: Ihnen wurde Unterstützung angeboten, um möglichst rasch neue Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Pflegeeinrichtungen zu finden. Sie sind nicht die Verantwortlichen für dieses System – verantwortlich sind jene, die sich an ihrer Arbeit bereichert haben.

„Unser Auftrag endet nicht mit einer Entscheidung auf dem Papier. Wir übernehmen Verantwortung bis zur letzten Übersiedelung und begleiten jede einzelne Familie persönlich. Pflege bedeutet Sicherheit, Verlässlichkeit und Menschlichkeit“, versichert Schneemann.

Mit 31. Juli 2026 endet die Tagsatzvereinbarung. Ab 1. August fließt kein einziger Euro öffentlicher Mittel mehr in das System Wagner. Damit ist endgültig Schluss mit einem Geschäftsmodell, das sich an den Schwächsten unserer Gesellschaft bereichert hat.

System Wagner: Profitgier statt Pflege – die Fakten sprechen für sich

Der Fall Rudersdorf zeigt schonungslos, warum das Land Burgenland konsequent den Weg der Gemeinnützigkeit in der Pflege verfolgt. Beim bisherigen System Wagner stand eindeutig die persönliche Gewinnoptimierung vor der Gemeinnützigkeit. Es stand die Gier vor dem Menschen.

Die Zahlen belegen diesen Kurs zur privaten Profitmaximierung:

  • 1,3 Millionen Euro privater Gewinn wurden im Zuge einer Immobilien-Transaktion von der Betreiberseite kassiert – auf Kosten jener, die auf gute Pflege angewiesen waren. Umgerechnet hätte dieser Betrag rund 70.000 Euro pro Betreuungsplatz gebracht – Mittel, die für zusätzliches Personal, neue Angebote und eine noch höhere Betreuungsqualität gefehlt haben.
  • Knapp 200.000 Euro an jährlichen Geschäftsführerbezügen sowie rund 170.000 Euro an Gewinnausschüttungen wurden entnommen, statt damit zusätzliche Leistungen und Angebote für die Bewohnerinnen und Bewohner zu finanzieren. Fast 400.000 Euro, die den pflegebedürftigen Menschen in Rudersdorf gefehlt haben – während man selbst in Saus und Braus lebte.

„Wenn öffentliche Gelder in dieser Größenordnung fließen, dann müssen sie unmittelbar den pflegebedürftigen Menschen zugutekommen. Pflegeheime sind kein Geschäftsmodell zur privaten Vermögensbildung. Wer Steuergeld erhält, trägt Verantwortung gegenüber der Gesellschaft“, stellt Schneemann klar. „Wer diese Verantwortung mit Füßen tritt, hat in der burgenländischen Pflegelandschaft keinen Platz mehr – und das mit sofortiger Wirkung.“

Der Auslöser für die Beendigung der Tagsatzvereinbarung waren schwerwiegende Verdachtsmomente aus Kontrollen der Fachabteilung: Nach heutigem Kenntnisstand besteht unter anderem der Verdacht, dass Personal verrechnet wurde, das nicht nachweisbar beschäftigt war oder nicht über die angegebenen Qualifikationen verfügte. Zudem sollen Verwaltungsleistungen nahezu doppelt verrechnet worden sein. Der geschätzte Schaden für Steuerzahlerinnen, Steuerzahler und Gemeinden beläuft sich auf rund 270.000 Euro jährlich – bei Fördermitteln von insgesamt rund 1,4 Millionen Euro pro Jahr. Fast ein Fünftel der Fördersumme ist damit im Verdacht, zweckentfremdet worden zu sein.

Aufgrund der festgestellten Unstimmigkeiten übermittelte das Land Burgenland eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Eisenstadt. In der Folge wurden Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug aufgenommen. Die strafrechtliche Prüfung bestätigt die Schwere jener Vorwürfe und Verdachtsmomente, die bereits im Zuge der Kontrollen der Fachabteilung festgestellt wurden.

Für Schneemann bestätigt der Fall den burgenländischen Weg in der Pflege: „Das Vertrauen ist unwiderruflich zerstört. Deshalb gehen wir den Weg der Gemeinnützigkeit konsequent weiter – mit Partnern, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht der Profit. Der Fall Rudersdorf zeigt, warum dieser Weg richtig und notwendig ist. Pflege ist kein Geschäftsmodell. Pflege ist Verantwortung gegenüber den Menschen.“ „Und wo dieser Grundsatz mit Füßen getreten wird, werden wir konsequent und ohne Rücksicht auf Verluste handeln – zum Schutz der Menschen, die auf uns angewiesen sind.“

Eisenstadt, 21. Juli 2026

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