Im Sonderlandtag zur Finanzlage des Burgenlandes hat Landeshauptmann Hans Peter Doskozil heute, Mittwoch, die Zahlen und Fakten zu Budget, Investitionen, Vermögen und Schulden umfassend dargestellt und für eine sachliche und vollständige Betrachtung der Landesfinanzen plädiert. Rund 3,064 Milliarden Euro wurden seit 2020 für zentrale Leistungen der Daseinsvorsorge, Investitionen und Unterstützungen eingesetzt. Gleichzeitig sind die Finanzschulden des Burgenlandes von 2019 bis 2025 mit 10,6 Prozent weniger stark gestiegen als in jedem anderen Bundesland. Nun ist der Konsolidierungskurs in vollem Gange – nach dem Motto: Sparen, wo möglich. Investieren, wo nötig. Wer die Finanzlage des Burgenlandes seriös beurteilen will, müsse das Gesamtbild betrachten: tatsächliche Geldflüsse, Schulden, Vermögenswerte, die Investitionen der vergangenen Jahre und den bereits eingeschlagenen Stabilisierungskurs, so der Landeshauptmann: „Entscheidend ist, was wir in den letzten Jahren durch unsere Finanzpolitik geschaffen haben“, betonte Doskozil, der heute auch seinen ersten öffentlichen Auftritt im Landtag mit Stimmprothese absolviert hat – als erster Regierungschef überhaupt. „Ja, wir haben viel investiert, ja, wir haben mehr als andere getan, um Krisen abzufedern. Dazu bekenne ich mich, weil etwa die Gesundheitsversorgung oberste Priorität hat. Wir stehen im Bundesländervergleich gut da und bauen jetzt sogar Schulden ab.“ Um ein Gesamtbild zu ermöglichen, sind Zahlen, Daten und Zusammenhänge zur Finanzlage transparent auf der Homepage des Landes abrufbar.
Gerade Investitionen in die Gesundheitsversorgung und die Pflege seien wichtig, so Doskozil. „Ich halte nichts davon, alles der freien Wirtschaft zu überlassen, die damit Rendite macht. Das kann nicht die Antwort aus Lehren der Vergangenheit sein. Nein, unser Auftrag ist es, das bestmögliche für die Bevölkerung herauszuholen.“ Das Burgenland hat in den vergangenen Jahren viel investiert, in Lebensqualität, Gesundheit, Pflege und Infrastruktur, und damit Werte geschaffen. Gleichzeitig waren diese Jahre von außergewöhnlichen Belastungen und Krisen geprägt, zusätzlich habe das Land dort gegengesteuert, wo die Bundesregierung säumig bleib und Inflation und Rezession Bevölkerung, Gemeinden und Unternehmen besonders getroffen haben.
Rund 3,064 Milliarden Euro: Investitionen, die bei den Menschen ankommen
Von 2020 bis einschließlich Landesvoranschlag 2026 wurden seitens des Landes rund 3,064 Milliarden Euro für zentrale Leistungen, Investitionen und Unterstützungen eingesetzt. Den größten Anteil macht mit rund 1,37 Milliarden Euro die Gesundheitsversorgung aus. „Wir haben eine neue Klinik in Oberwart gebaut, während anderswo Spitäler geschlossen wurden. Wir sichern fünf Klinikstandorte, planen die neue Klinik Gols, investieren in Notarzthubschrauber und Ausbau der Versorgung. Dieses Geld ist kein Verlust. Ebenso wenig wie Investitionen in einen Campus wie in Oberwart zum Beispiel, oder in Pflege“, so Doskozil. Die Aufgabe des Rechnungshofs sei es jedenfalls auch nicht, zu bewerten, worin das Land investiere, so der Landeshauptmann im heutigen Landtag.
Weitere Investitionen:
- Rund 130 Millionen Euro für Pflege und soziale Dienste: u.a. Anstellungsmodell für betreuende Angehörige und Aufbau der insg. 71 Pflegestützpunkte bis 2029.
- Rund 275 Millionen Euro für Kinder und Familien: u.a. Gratiskindergarten und Gratiskinderkrippe;
- Rund 464 Millionen Euro für leistbares Leben: u.a. Wohnbauförderung, Sozial- und Klimafonds, Wohnbeihilfe, Handwerkerbonus, Schulstartgeld und Mittagessenförderung.
- Rund 252 Millionen Euro für die Gemeinden: u.a. Bedarfszuweisungen, kommunale Infrastruktur, Sonderprojekte und Unterstützung der kommunalen Haushalte.
- Rund 271 Millionen Euro für den öffentlichen Verkehr: Aufbau eines flächendeckenden Angebots mit VBB und BAST; allein 2025 rund 1,8 Millionen Fahrgäste auf 97 Buslinien.
- Rund 230 Millionen Euro für Energie, Klima und Natur: Gleichzeitig Steigerung der Energieunabhängigkeit am gesamten Energieverbrauch innerhalb von vier Jahren von 50 auf 72 Prozent.
Trotz dieser enormen Investitionen weist das Burgenland von 2019 bis 2025 mit 10,6 Prozent den mit Abstand geringsten Anstieg aller neun Bundesländer gemäß Anlage 6 C / VRV 2015 auf. Der Finanzschuldenstand lag Ende 2025 bei 3.182 Euro pro Kopf und damit auf Platz vier im Bundesländervergleich.
„Daseinsvorsorge ist kein Geschäftsmodell“
In gemeinnützigen Bereichen könne Gewinn nicht der entscheidende Maßstab sein, betonte der Landeshauptmann. Bei einem Krankenhaus lautet die entscheidende Frage nicht: Wie viel Gewinn haben wir damit gemacht? Und bei der Pflege geht es nicht darum, welche Rendite die Betreuung der Großmutter bringt, sondern ob sie gut versorgt ist – unabhängig davon, wie vermögend ihre Familie ist. „Daseinsvorsorge ist kein Geschäftsmodell, gemeinnützige Bereiche werden natürlich über das Budget finanziert. Die wirtschaftlichen Bereiche müssen liefern, sei es Burgenland Energie oder der Tourismus, hier wird Vermögen geschaffen.“ Auch der Beteiligungs-Fonds „Athena“ laufe gut. Mit dem Beispiel des PV-Ausbaus erwähnt Doskozil, dass damit am Ende die Klinik Gols mitfinanziert werde. „Durch unsere Finanzpolitik stellen wir also auch Gesundheit sicher.“
Für eine vollständige Beurteilung der Finanzlage muss betrachtet werden, welche Werte den Verbindlichkeiten gegenüberstehen. Land und Landesholding weisen per Ende 2025 eine Bilanzsumme von insg. rd. 6,27 Milliarden Euro auf. Umgerechnet stehen damit rund 21.233 Euro an Vermögenswerten pro Einwohner einer Verschuldung von rund 6.344 Euro pro Einwohner laut Statistik Austria gegenüber.
Doskozil: „Wir bauen Schulden bereits ab“
Das 2026 vereinbarte Haushaltsstabilitätsgesetz sieht eine gesetzliche Schuldenbremse und eine Schuldenobergrenze von 600 Millionen Euro vor. Gesundheit ist davon bewusst ausgenommen. Mit Stand August wurden 2026 bereits rund 105,7 Millionen Euro an Darlehen getilgt, weitere Tranchen sind in Vorbereitung Insgesamt ist ein Schuldenabbau von rund 200 Millionen Euro vorgesehen. Zu beachten sei, so Doskozil in seiner Rede, dass der Rechnungshof den Abbau der Rücklagen 2021 selbst empfohlen habe, nun aber die Umsetzung kritisiert. Zudem würden alle Länder Darlehen verkaufen, „kein einziges hat damit aber so wie wir Schulden rückgeführt“, so der LH. „Gleichzeitig sind wir finanziell weiterhin so gut aufgestellt, dass wir – wenn nötig - auch das Lyocell-Werk der Lenzing AG in Heiligenkreuz absichern und damit Standort und rund 300 Arbeitsplätze retten werden.“
Der Stabilisierungskurs ist für Doskozil auch eine Frage der politischen Verlässlichkeit. In den vergangenen Jahren hat die Landesregierung zentrale Vorhaben angekündigt und umgesetzt. „Die Bevölkerung soll uns an Ergebnissen messen“, so der wiederholte Tenor. Von Gratiskindergarten, Mindestlohn, 5-Spitälergarantie bis hin zur Anstellung betreuender Angehöriger oder besserem öffentlichen Verkehr, die Versprechen wurden gehalten. „Jetzt sagen wir: Wir stabilisieren den Haushalt und bauen Schulden ab. Und auch dieses Versprechen werden wir halten“, heißt es aus dem Landhaus.
„Eine Milliarde Verlust“ bildet Finanzlage nicht ab
Auf der Homepage des Landes klargestellt wird auch die in der politischen Debatte verwendete Darstellung eines „Milliardenverlustes“ klar. Die betreffende Zahl stammt aus dem Ergebnishaushalt. Der Finanzierungshaushalt betrachtet dagegen die tatsächlichen Ein- und Auszahlungen. Für 2020 bis 2026 weist dieser einen Nettofinanzierungssaldo von rund 386 Millionen Euro aus. Damit liegt das Burgenland bei der Pro-Kopf-Betrachtung im guten Mittelfeld der Bundesländer. Unter Einbeziehung der Ein- und Auszahlungen aus Darlehen beträgt der entsprechende Saldo rund 317 Millionen Euro.
Der Landeshauptmann abschließend: „Wir haben in schwierigen Jahren Verantwortung übernommen und mehr als drei Milliarden Euro in Leistungen und Infrastruktur investiert, die den Menschen zugutekommen. Gleichzeitig sind unsere Finanzschulden weniger stark gestiegen als in jedem anderen Bundesland. Jetzt bauen wir Schulden ab und sichern gleichzeitig jene Leistungen, auf die sich die Burgenländerinnen und Burgenländer verlassen können.“
Die ausführliche Unterlage mit Zahlen, Daten, Bundesländervergleichen und Erläuterungen zur Finanzlage des Burgenlandes ist auf www.burgenland.at/finanzlage abrufbar.
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LH Doskozil beim Sonderlandtag 1
LH Doskozil beim Sonderlandtag 2
Bildtext LH Doskozil beim Sonderlandtag 1 & 2: Landeshauptmann Hans Peter Doskozil beim heutigen Sonderlandtag zur Finanzlage des Burgenlandes.
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
Eisenstadt, 2. September 2026
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