Die burgenländische Landesregierung hat einen umfassenden Verordnungsentwurf zur Bekämpfung der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus) und der von ihr übertragenen „Goldgelben Vergilbung“ (Flavescence dorée) vorgestellt. Ziel ist es, die weitere Ausbreitung der hochansteckenden Pflanzenkrankheit mit einem klar strukturierten, gleichzeitig aber flexibel anwendbaren Maßnahmenpaket einzudämmen. „Die Goldgelbe Vergilbung zählt zu den gefährlichsten Krankheiten im Weinbau. Da der Erreger selbst nicht direkt bekämpft werden kann, müssen wir auch beim Überträger ansetzen und konsequent handeln“, betont Landeshauptmann-Stellvertreterin und Agrar-Landesrätin Anja Haider-Wallner. Der Verordnungsentwurf wurde in enger Abstimmung mit der Landwirtschaftskammer Burgenland, BIO AUSTRIA, dem Burgenländischen Weinbauverband sowie Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis erarbeitet. Die Auswahl konkreter Pflanzenschutzmittel und Maßnahmen erfolgt aus einer jährlich festgelegten Liste, wobei den Weinbaubetrieben Spielraum in der Anwendung bleibt. Ziel ist ein wirksames, praxisnahes und verhältnismäßiges Vorgehen zur Eindämmung der Rebzikade.
Der Verordnungsentwurf baut auf klar definierten, wissenschaftlich fundierten Grundsätzen auf. Dazu zählen insbesondere die systematische Überwachung und Untersuchung von Weingärten, die konsequente Rodung infizierter Rebstöcke, die vorsorgliche Entfernung nicht bewirtschafteter Rebstöcke und Weingärten sowie gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen ab dem 2. bis 3. Larvenstadium der Rebzikade. „Entscheidend ist ein lückenloses und koordiniertes Vorgehen – vom frühzeitigen Erkennen bis zur konsequenten Umsetzung der Maßnahmen vor Ort“, so Haider-Wallner.
Klare Abläufe: Landesstrategie und Zonensystem
Kernstück der Verordnung ist die Einführung einer jährlich zu erstellenden Landesstrategie zur Bekämpfung der Goldgelben Vergilbung. Diese wird von einem eigenen Strategieteam – bestehend aus Vertretern und Vertreterinnen von Land, Landwirtschaftskammer und BIO AUSTRIA – erarbeitet. Grundlage bilden dabei die Daten des Vorjahres, anhand derer Ausbreitung, Zeitfenster für wirksame Maßnahmen sowie geeignete Pflanzenschutzmittel festgelegt werden.
Aufbauend auf der Befallssituation mit der Goldgelben Vergilbung und der Verbreitung der Rebzikade wird ein dreistufiges Zonensystem eingeführt:
- Befallszone: 500 Meter Radius rund um bestätigte Befallsstellen
- Sicherheitszone: 2.500 Meter rund um die Befallszone
- Verbreitungsgebiet: gesamtes Burgenland
Innerhalb dieser Zonen können gezielte und unterschiedliche Maßnahmen gesetzt werden. In den Befallszonen werden durch die Bezirkshauptmannschaften verpflichtende Maßnahmen angeordnet – insbesondere Maßnahmen gegen den Überträger und die Rodung aller erkennbar oder nachweislich infizierten Rebstöcke. Bei Bedarf kann auch die Entfernung benachbarter Pflanzen vorgeschrieben werden. In Sicherheitszonen und - wenn nötig - darüber hinaus werden Maßnahmen jeweils auf Basis einer fachlichen Einzelfallbeurteilung durch das Strategieteam festgelegt. „Es wird bewusst kein einheitliches Maßnahmenpaket über das gesamte Burgenland hinweg verordnet. Die Maßnahmen werden gezielt an Befallsdruck, Dynamik und regionale Gegebenheiten angepasst“, betont Haider-Wallner. Die unterschiedlichen Produktionsweisen im Weinbau werden dabei berücksichtigt.
Sabrina Dreisiebner-Lanz von BIO AUSTRIA weist in diesem Zusammenhang auf die Richtlinien und Prinzipien der biologischen Produktion hin: „Jegliche Maßnahmen im Bio-Weinbau müssen mit der Bio-Zertifizierung vereinbar sein und sollen einen möglichst ganzheitlichen Zugang verfolgen. Durch die Erfahrungen in anderen Weinbauregionen und die Ergebnisse der Forschung ist ein Bündel an kompatiblen Maßnahmen für den Bio-Weinbau vorhanden.“
Die Überwachung erfolgt durch den Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Burgenland, in enger Zusammenarbeit mit den amtlichen Naturschutzorganen und den Bezirkshauptmannschaften. Die labortechnische Analyse übernimmt die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Damit wird eine rasche und fundierte Bewertung von Verdachtsfällen sichergestellt.
Innovation und Prävention als Ergänzung
Neben den rechtlichen Maßnahmen setzt das Land verstärkt auf ergänzende und innovative Ansätze:
- pflanzenstärkende und repellente Maßnahmen
- Informationskampagnen für private Gärten als potenzielle Ausbreitungsorte
- Schulungen für Naturschutzorgane
- Prüfung des Einsatzes von Spürhunden zur Früherkennung befallener Rebstöcke
- ein bundesländerübergreifendes Drohnenprojekt zur effizienteren Erfassung von Infektionsanzeichen
- Heißwasserbehandlungen in Rebschulen zur Sicherstellung gesunden Pflanzmaterials
„Wir kombinieren bewährte Maßnahmen mit neuen Technologien und präventiven Ansätzen. So können wir die Ausbreitung noch wirksamer eindämmen“, so Haider-Wallner.
Daniel Pachinger, Leiter des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer Burgenland, ergänzend: „Die Bekämpfung der Goldgelben Vergilbungskrankheit stellt keine Einzelmaßnahme, sondern ein Maßnahmenpaket dar. Die Grundbausteine bzw. das ABC der durchzuführenden Weingartenhygienemaßnahmen sind dabei klar definiert: die Entfernung von symptomatischen Rebstöcken inklusive Wurzelwerk in den Befalls- und Sicherheitszonen, die Entfernung von verwilderten Weingärten im gesamten Burgenland sowie effiziente Pflanzenschutzmaßnahmen zur Bekämpfung des Vektors. Ein entschlossenes Vorgehen heute entscheidet darüber, ob der Weinbau im Burgenland auch morgen noch eine tragende Säule von Wirtschaft, Kultur und Tourismus ist. Mit der Verordnung wurde ein verbindlicher Rechtsrahmen geschaffen, der ein konsequentes, verpflichtendes und kontrollierbares Vorgehen im Umgang mit diesem Quarantäneschaderreger ermöglicht. Die Einhaltung der Maßnahmen ist daher nicht optional, sondern eine zentrale Voraussetzung zum Schutz der burgenländischen Weinwirtschaft.“
Gemeinsames Handeln als Schlüssel zum Erfolg
Abschließend unterstreicht Haider-Wallner die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Die Rebzikade kennt keine Grundstücksgrenzen. Umso wichtiger ist es, dass alle Beteiligten – von den Winzerinnen und Winzern bis hin zu Gemeinden, Behörden und Privatpersonen – gemeinsam und konsequent handeln.“ Der präsentierte Verordnungsentwurf wird voraussichtlich nächste Woche in Begutachtung geschickt.
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Maßnahmenpaket Rebzikade 1
Maßnahmenpaket Rebzikade 2
Maßnahmenpaket Rebzikade 3
Bildtext Maßnahmenpaket Rebzikade 1: Landeshauptmann-Stellvertreterin und Agrar-Landesrätin Anja Haider-Wallner.
Bildtext Maßnahmenpaket Rebzikade 2: Daniel Pachinger (Leiter des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer Burgenland), Landeshauptmann-Stellvertreterin und Agrar-Landesrätin Anja Haider-Wallner und Sabrina Dreisiebner-Lanz (BIO AUSTRIA) (v.l.).
Bildtext Maßnahmenpaket Rebzikade 3: Daniel Pachinger (Leiter des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer Burgenland), Landeshauptmann-Stellvertreterin und Agrar-Landesrätin Anja Haider-Wallner und Sabrina Dreisiebner-Lanz (BIO AUSTRIA) (v.l.).
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
Eisenstadt, 31. März 2026
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