Anlässlich des morgigen Europatages zogen am Freitag die beiden Mitglieder im Europäischen Ausschuss der Regionen (AdR), LAbg. Robert Hergovich und LAbg. Bürgermeister Thomas Steiner, Bilanz über die bisherige Entwicklung im Burgenland seit dem EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995. „Das Burgenland hat in den vergangenen drei Jahrzehnten seine Chancen genutzt und massiv von der Europäischen Union profitiert. Neue Unternehmen siedelten sich im Burgenland an – von Thermen bis hin zu Industriebetrieben. EU-Förderungen haben Investitionen von rund 6,6 Milliarden Euro ausgelöst, was maßgeblich dazu beitrug, dass rund 36.000 neue Arbeitsplätze entstanden“, betont LAbg. Hergovich, der im AdR Landeshauptmann Hans Peter Doskozil vertritt. Wenn über Europa gesprochen werde, gehe es oft um große geopolitische Fragen, Binnenmarkt oder Außenpolitik. Doch ob Europa im Alltag funktioniert, entscheide sich vor allem in Städten und Regionen, stellte Bürgermeister Thomas Steiner fest. Gerade dort würden EU-Ziele umgesetzt – von Klimaschutz über Mobilität bis hin zur Digitalisierung. „Aus meiner Sicht als Mitglied des Europäischen Ausschusses der Regionen zeigt der Europatag daher vor allem eines: Europa ist dann stark, wenn es vor Ort spürbar wird. Denn Europa wird häufig als abstraktes Projekt wahrgenommen. Tatsächlich aber sind Städte und Regionen jene Ebene, auf der europäische Politik sichtbar und greifbar wird“, so Bürgermeister Steiner, der weiter betont: „Gleichzeitig braucht es aber noch mehr Unterstützung für die Kommunen.“
Vieles sei bisher geschehen, so LAbg. Hergovich: „Das Bildungsangebot wurde deutlich ausgebaut. Der Ausbau der erneuerbaren Energie wurde vorangetrieben. Die Infrastruktur wurde modernisiert. All dies hat letztlich dazu geführt, dass Wohlstand geschaffen wurde. Als noch der Eiserne Vorhang Europa trennte, wäre eine solche Entwicklung nicht möglich gewesen. Mit dem Fall des Eisernen Vorhanges rückte das Burgenland von der Randlage ins Herz Europas."
„Fragen wir uns: In welcher Welt sollen unsere Kinder und Enkelkinder leben? Wenn es nach uns geht, dann in einer Welt, in der sie in Frieden und Sicherheit leben können. In einer Welt mit Wirtschaftswachstum und Wohlstand. In einer Welt der Solidarität und Weltoffenheit. All das gelingt nur gemeinsam – nicht isoliert. All das gelingt nur in der europäischen Familie. Mit starken Regionen und starken Städten“, hob Hergovich hervor und fügte hinzu: „Vieles wurde bereits erreicht. An uns liegt es, die Dinge weiter zu verbessern. Genau daran arbeiten Thomas Steiner und ich in Brüssel im Ausschuss der Regionen.“
Im AdR beschäftigt man sich mit vielen Themen, darunter: qualitativ hochwertige Arbeitsplätze, Mobilität und Armutsbekämpfung. Europa müsse sich auf die Digitalisierung der Arbeitswelt vorbereiten. Die Europäische Kommission werde bis Ende des Jahres 2026 ein eigenes Gesetz dazu vorlegen. „Unser Ziel ist klar: Hochwertige Arbeitsplätze – auch im Burgenland“, so Hergovich. Dazu brauche es entsprechende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die Möglichkeit zur Weiterbildung in der Arbeitszeit, Qualitätsstandards bei allen Beschäftigungsformen sowie Arbeitsplätze, die Gesundheit und Sicherheit berücksichtigen. Einen besonderen Fokus müsse man dabei seitens der Regionen auf die Jugendbeschäftigung legen.
Mobilität dürfe nicht nur in großen Städten funktionieren. Gerade im ländlichen Raum brauche es gute öffentliche Verkehrsanbindungen. „Die Postleitzahl darf nicht darüber entscheiden, ob jemand mobil ist, oder nicht. Menschen müssen zur Apotheke zum Arzt, zu Kulturveranstaltungen, zu Behörden, zu Bildungseinrichtungen kommen können“, betonte Hergovich. Guter öffentlicher Verkehr verhindere außerdem Abwanderung. Kleine Gemeinden würden davon unmittelbar profitieren: „Darum müssen wir Mobilität groß denken.“
Armutsbekämpfung sei eine Zukunftsfrage. „Die Schere zwischen Arm und Reich darf nicht weiter auseinandergehen. Gerade Bildungschancen dürfen nicht vom Einkommen der Eltern abhängen“, unterstrich Hergovich. Ein wichtiges Instrument dafür sei der Europäische Sozialfonds (ESF). Dieser Fonds, der für mehr Gerechtigkeit und sozialen Ausgleich sorge, müsse auch künftig eigenständig bleiben und dürfe nicht in Sicherheits- oder Verteidigungsausgaben aufgehen.
„Die Europäische Kommission hat diese Woche ein neues Paket zur Armutsbekämpfung vorgelegt. Dieses Paket wird in den kommenden Monaten diskutiert und anschließend entschieden“, berichtete Hergovich: „Im Burgenland zeigen wir, was möglich ist, wenn man Chancen nutzt, zusammenarbeitet und solidarisch handelt. Deshalb arbeiten wir weiter daran, Europa stärker, gerechter und lebenswerter zu machen.“
Um die Kommunen stärker zu unterstützen, plädiert Bürgermeister Steiner für eine stärkere Dezentralisierung des mehrjährigen Finanzrahmens (MFR): „Damit die Mittel dort ankommen, wo sie gebraucht werden – bei den Städten, Gemeinden und Regionen. Eine bürgernahe Umsetzung braucht Flexibilität und lokale Verantwortung.“
Ein Schwerpunkt bleibe für ihn die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Regionen. Während Metropolen vielfach von Innovation und Investitionen profitieren würden, stünden kleinere Städte zunehmend unter Druck. Hier brauche es gezielte noch mehr europäische Strategien, um Lebensqualität, Arbeitsplätze und Daseinsvorsorge auch außerhalb großer Zentren langfristig abzusichern.
Klar sei: Ob neue Mobilitätsangebote, Investitionen in Klimaschutz, Stadtentwicklung oder Krisenvorsorge – viele dieser Projekte wären ohne europäische Programme, Förderinstrumente und gemeinsame Zielsetzungen kaum möglich, hob Bürgermeister Steiner hervor. Gerade kleinere und mittlere Städte profitierten davon, dass die Europäische Union nicht nur wirtschaftliche Zusammenarbeit organisiere, sondern konkrete Zukunftsprojekte ermögliche.
Der Ausbau nachhaltiger Mobilität, Investitionen in emissionsfreie Verkehrssysteme oder Maßnahmen zur Klimaanpassung würden zeigen, wie europäische Strategien direkt auf kommunaler Ebene wirken. Beispiele dafür fänden sich mittlerweile in vielen Regionen Europas.
Für Eisenstadt ist hier konkret aktuell die Wiederherstellung des Wasserkreislaufs im Schlosspark oder der Pulverturm als Kultur und Veranstaltungsort erwähnenswert. Und natürlich auch der Ort der Pressekonferenz: Das sogenannte Informatikum der Hochschule Burgenland.
Der Europatag erinnere damit nicht nur an die historische Friedensidee Europas, sondern auch an die konkrete Verantwortung für die Zukunft der Regionen. „Städte und Gemeinden werden dabei eine Schlüsselrolle spielen – als Orte der Umsetzung, der Innovation und des gesellschaftlichen Zusammenhalts“, so Bürgermeister Steiner.
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Bildtext Europatag 1 und 2: AdR-Mitglieder LAbg. Robert Hergovich und LAbg. Bürgermeister Thomas Steiner (v.l.) bei der Pressekonferenz zum Europatag.
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
Eisenstadt, 08. Mai 2026
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