Während bundesweit über den drohenden Pflegenotstand diskutiert wird und Österreich bis 2030 rund 76.000 zusätzliche Pflegekräfte fehlen werden, hat das Burgenland längst gehandelt – und setzt nun den nächsten sichtbaren Schritt: Erstmals versieht eine Pflegekraft aus Indien ihren Dienst in der Klinik Oberwart. Die burgenländische Strategie, auch gezielt Fachkräfte aus Drittstaaten zu rekrutieren, greift: „Während auf Bundesebene seit Jahren über notwendige Reformen diskutiert wird, handeln wir im Burgenland seit Jahren vorausschauend, um hochwertige pflegerische Versorgung garantieren zu können. Ich bin froh, mit Melby Joseph die erste indische Pflegekraft in der Klinik Oberwart begrüßen zu dürfen“, betont Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Es besteht eine langjährige Partnerschaft zwischen der Diözese Eisenstadt und der indischen Diözese Kanjirapally, mit der 2024 die konkrete Zusammenarbeit im Pflegebereich in die Wege geleitet wurde. Auch die Barmherzigen Brüder setzen auf Verstärkung durch indische Pflegekräfte. Im Krankenhaus in Eisenstadt sind bereits neun Frauen aus Indien tätig.
Um die prognostizierte Pensionierungswelle und den steigenden Betreuungsbedarf zu bewältigen, setzt das Burgenland auf ein breites Maßnahmenpaket. Immerhin bescheinigt eine GÖG-Studie enormen Bedarf in den kommenden Jahren. Bis 2030 braucht das Burgenland zusätzlich rund 1.700 Pflegekräfte. Deshalb wurden mehrere internationale Projekte gestartet – mit dem BFI für Arbeitskräfte aus Kroatien und Serbien, mit Rekrutierungsprogrammen auf den Philippinen und auch durch Kooperationen für Pflegekräfte aus Indien. Das Burgenland unternehme derzeit eine „enorme Kraftanstrengung“ zur Ausbildung von Pflegefachkräften, etwa durch ein Anstellungsmodell ab dem ersten Ausbildungstag (inklusive voller Versicherung, rund 1.000 Euro netto monatlich und einer Jobgarantie ab Tag eins), dennoch brauche es zur Abdeckung des steigenden Personalbedarfs auch zusätzliche Fachkräfte, die man mit den gezielten Kooperationen gewinnen will. „Pflegepersonal aus dem Ausland ergänzt jene Bereiche, die wir durch Ausbildung alleine nicht abdecken können. Die Pflegekräfte aus Indien sind ein wichtiger Baustein einer breit angelegten Lösung“, so der Landeshauptmann. Soziallandesrat Leonhard Schneemann ergänzt: „Beide Wege – unsere Ausbildungsoffensive im Land und die Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte aus Drittstaaten – sind entscheidend, um Pflege und Betreuung dauerhaft abzusichern.“
Barmherzige Brüder Eisenstadt
Basierend auf einer Zusammenarbeit mit dem Orden der Barmherzigen Brüder im südindischen Kerala werden Pflegefachkräfte mit einem universitären Abschluss ausgebildet. Während der Ausbildung lernen sie intensiv Deutsch und werden umfassend auf ihre Übersiedlung nach Österreich vorbereitet. Seit Oktober 2024 sind im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt neun junge Frauen aus Indien in der stationären Pflege in verschiedenen Bereichen tätig. „Die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen aus Indien haben unsere Teams auf den Stationen bereichert. Seit ihrer Ankunft vor 14 Monaten haben die Mitarbeiterinnen sich die fachlich weiter qualifiziert und sich gut bei uns in Eisenstadt eingelebt,“ berichtet Pflegedirektorin Susanne Wukovatz. Dieses gezielte Ausbildungsprogramm der Barmherzigen Brüder leistet einen wesentlichen Beitrag zur langfristigen Entlastung des Personalbedarfs in der Pflege.
Pflege-Vorreiter Burgenland
Der Ausbau der Pflegestruktur schreitet weiter voran. Die 71 Pflegestützpunkte werden künftig alle nichtstationären Leistungen unter einem Dach vereinen – von Betreutem Wohnen über Tagesbetreuung bis hin zu Pflege- und Sozialberatung sowie mobiler Hauskrankenpflege. Das Land wird dafür in 28 Pflegeregionen gegliedert. Mit Kobersdorf, Deutsch Jahrndorf, Unterkohlstätten, Grafenschachen und Müllendorf biegen fünf weitere Stützpunkte in die Zielgerade. In 17 weiteren Gemeinden erfolgte bereits der Spatenstich.
Ein weiterer Meilenstein ist das Anstellungsmodell für betreuende Angehörige und ihre Vertrauenspersonen. Erstmals arbeiten pflegende Angehörige in einem regulären Dienstverhältnis – mit fixem Einkommen, Pensionszeiten und voller sozialer Absicherung. In über fünf Jahren haben bereits mehr als 730 Menschen dieses österreichweit einzigartige Angebot genutzt, aktuell sind rund 400 Betreuende angestellt.
Auch im stationären Bereich wächst das Angebot stark: Die neuen Pflegeheime in Zurndorf und Redlschlag sind in Betrieb, Draßburg wurde erweitert, Olbendorf befindet sich im Ausbau. Insgesamt stehen in 45 burgenländischen Alten- und Pflegeheimen rund 2.300 Plätze zur Verfügung.
Zudem beraten derzeit 14 Pflege- und Sozialberaterinnen und -berater an allen Bezirkshauptmannschaften kostenlos – künftig werden es durch die Pflegestützpunkte 28 sein.
Mit Pflegestützpunkten, Anstellungsmodellen, internationalem Recruiting und der größten Ausbildungsoffensive in seiner Geschichte setzt das Burgenland österreichweit Standards. „Mit dem Zukunftsplan Pflege sichern wir die Versorgung langfristig ab und bieten allen Menschen leistbare, qualitätsvolle Angebote für ein Altern in Würde“, fassen LH Doskozil und LR Schneemann abschließend zusammen.
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KH Oberwart Erste indische Pflegekraft 1
KH Oberwart Erste indische Pflegekraft 2
Bildtext KH Oberwart Erste indische Pflegekraft 1 & 2: LH Hans Peter Doskozil und Melby Joseph mit Pfarrer Sebastian Edakarottu, Mitarbeiter des Bischofs unser direkter Kontakt in die indische Partnerdiözese Kanjirappaly.
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
Eisenstadt, 5. Jänner 2026
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