Anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21. September zogen Soziallandesrat Leonhard Schneemann und Waltraud Kölly-Schranz, Leiterin der Pflege- und Sozialberatung der Sozialen Dienste Burgenland (SDB), am Freitag im Technologiezentrum Neutal Bilanz über die ersten sechs Monate der „Mobilen Demenzteams im Burgenland“ und gaben einen Ausblick auf die weitere Entwicklung. Seit April 2026 liegt die flächendeckende mobile Demenzbegleitung in den Händen der SDB. Gleichzeitig wird das stationäre und teilstationäre Angebot im Land weiter ausgebaut. „Demenz ist keineswegs eine reine Begleiterscheinung des Alters, sondern eine schwerwiegende Diagnose. Sie verändert das Leben der Betroffenen von Grund auf und stellt auch Familien, Angehörige und das gesamte Umfeld vor große emotionale, organisatorische und pflegerische Herausforderungen. Damit Hilfe dort ankommt, wo sie benötigt wird, müssen wir auch über das Erkennen der Krankheit sprechen“, betonte Landesrat Leonhard Schneemann.
Wenn das Gedächtnis nachlässt, Fähigkeiten schwinden und die Orientierung verloren geht, brauchen Betroffene und ihre Angehörigen vor allem Verlässlichkeit, Halt und professionelle Begleitung. Im Burgenland sind aktuell mehr als 5.000 Menschen von einer Form der Demenz betroffen, österreichweit sind es schätzungsweise 170.000. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Die Alzheimer-Krankheit ist mit einem Anteil von rund 60 bis 70 Prozent die häufigste Form der Demenz. Frauen sind statistisch häufiger betroffen als Männer. „Nicht jedes Vergessen im Alter ist gleich eine Demenz. Umso wichtiger ist es, normale Alterserscheinungen von ersten Krankheitssymptomen unterscheiden zu können. Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto früher können Betroffene und Angehörige Unterstützung erhalten“, so Schneemann.
Aufbauend auf der österreichweiten Demenzstrategie verfügt das Burgenland über ein eigenes Versorgungsnetz, das kontinuierlich erweitert wird. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen für jede Phase der Erkrankung und für jede Lebenssituation das passende Angebot bereitstellen“, erklärte Schneemann.
Unterstützung für Betroffene und Angehörige
Das Land Burgenland bietet eine Reihe niederschwelliger Unterstützungsangebote, die auch Menschen mit Demenz und ihren Familien zugutekommen:
- Anstellungsmodell für betreuende Angehörige: Es schafft finanzielle und sozialrechtliche Absicherung für Menschen, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen
- 24-Stunden-Betreuung: Bei nachgewiesener Demenz sind Förderungen bereits ab Pflegestufe 3 möglich
- Burgenländische Pflegestützpunkte: Sie bieten wohnortnahe Angebote wie Tagesbetreuung und Wohnen im Alter
Wenn eine Betreuung zu Hause nicht mehr möglich ist, steht im Burgenland auch spezialisierte stationäre Pflege zur Verfügung:
Demenzversorgung im Norden und Süden
Im Pflegeheim Neudörfl betreiben die Sozialen Dienste Burgenland seit mehreren Jahren einen eigenen Spezialwohnbereich mit 43 Pflegeplätzen. Ein höherer Personalschlüssel und speziell geschultes Pflegepersonal ermöglichen eine Betreuung rund um die Uhr, die auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz abgestimmt ist.
In Rechnitz errichtet das Land Burgenland derzeit als Ersatz für das bestehende Altenwohn- und Pflegeheim das erste rein auf Demenz spezialisierte Zentrum des Landes. Betrieben wird die Einrichtung künftig von der Caritas, die Inbetriebnahme ist für Ende des kommenden Jahres vorgesehen. Insgesamt stehen 63 Pflegeplätze zur Verfügung. Acht davon sind als speziell konzipierte Pflegeoase für Menschen mit fortgeschrittener, schwerer Demenz ab Pflegestufe 5 vorgesehen.
Mit den beiden spezialisierten Einrichtungen im Norden und Süden wird das stationäre Angebot für Menschen mit Demenz weiter ausgebaut. Ergänzt wird es durch teilstationäre Angebote der Diakonie Burgenland in Oberwart:
- Demenz-Wohngemeinschaft: 24 Wohnungen für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz
- Seniorengarten: Zielgerichtete Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz und gleichzeitig Entlastung für pflegende Angehörige
Mobile Demenzteams: 638 Hausbesuche in sechs Monaten
Seit 1. April 2026 liegt die flächendeckende mobile Versorgung von Menschen mit Demenz bei den Sozialen Diensten Burgenland. Erste Anlaufstelle bleiben die Pflege- und Sozialberaterinnen und Sozialberater. Das bereits 2018 im Rahmen der mobilen Pflege geschaffene Angebot wurde seither kontinuierlich weitergeführt. Seit April übernimmt die SDB die spezialisierte Begleitung in den eigenen vier Wänden.
Die Bilanz der ersten sechs Monate zeigt die hohe Nachfrage: Im Schnitt betreuen die mobilen Demenzteams rund 80 Personen pro Monat. Seit der Übernahme wurden insgesamt 638 Hausbesuche und 530 Stunden mobile Demenzbegleitung geleistet. „Das zentrale Prinzip lautet: Die Unterstützung kommt zu den Menschen und nicht umgekehrt“, erklärte Waltraud Kölly-Schranz von den Sozialen Diensten Burgenland.
Die SDB beraten Betroffene und Angehörige, klären den individuellen Unterstützungsbedarf und koordinieren die weiteren Schritte. Die Erstberatung ist kostenlos. Bei entsprechendem Verdacht können auch klinische Psychologinnen der Demenzteams hinzugezogen werden.
Rund 260.000 Euro jährlich für mobile Demenzbegleitung
Das Land Burgenland investiert jährlich rund 260.000 Euro in die mobile Demenzversorgung. Für die Klientinnen und Klienten fällt – wie bei anderen mobilen Pflegediensten – lediglich ein sozial gestaffelter Selbstbehalt an. Das erste Beratungsgespräch ist für die Familien kostenlos.
„Das Burgenland ist bei der Demenzversorgung auf einem guten Weg. Wir bauen die Angebote konsequent aus und sorgen dafür, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen Unterstützung erhalten, wenn sie diese brauchen. Wir lassen weder die Betroffenen noch ihre Familien alleine“, so Landesrat Leonhard Schneemann abschließend.
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Demenzerkrankungen_1
Demenzerkrankungen_2
Demenzerkrankungen_3
Bildtext Demenzerkrankungen_1, _2 & _3: Landesrat Dr. Leonhard Schneemann mit Prokuristin und Operative Leiterin der Pflege- und Sozialberatung im Burgenland, Waltraud Kölly-Schranz, MSc.
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
Daniel Fenz, 18. September 2026
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