In der südburgenländischen Gemeinde Schandorf startet das Biodiversitätsprojekt „Lebensader Schandorf – Natur verbinden für mehr Biodiversität“. In den kommenden drei Jahren entsteht ein vielfältiges Netzwerk neuer Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Auf einer Fläche von mehr als 12.000 Quadratmetern werden Streuobstwiesen, Blühflächen, Mikrohabitate und ein Feuchtbiotop angelegt. Das Projekt wird mit rund 270.000 Euro aus Mitteln des Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) gefördert. Naturschutzlandesrätin und Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner sieht das Projekt als Vorzeigeinitiative für den Naturschutz im Burgenland: „Artenvielfalt entsteht hier nicht irgendwo weit weg, sondern direkt vor der Haustür. In Schandorf wird sichtbar, wie aus naturnah gestalteten Flächen eine echte Lebensader für Tiere, Pflanzen und Menschen wird. Unter den großen Bäumen wird es spürbar kühler, Blühflächen schaffen für Wildbienen, Tagfalter und Vögel ein Zuhause, der Wasserrückhalt des Bodens steigt. Genau solche Projekte brauchen wir, um die Artenvielfalt zu erhalten und gleichzeitig unsere Gemeinden zukunftsfit zu machen.“
Im Rahmen des Projekts werden 150 großkronige Hochstamm-Streuobstbäume alter Sorten gepflanzt. Entlang von Wegen entstehen Blühstreifen, am Waldrand werden neue ökologische Pufferflächen im Ausmaß von rund 4.000 Quadratmetern angelegt. Herzstück des Projekts ist ein rund 5.000 Quadratmeter großes Mosaik aus Wildblumenwiesen, Benjeshecken, Lesesteinmauern, einem Sandarium für Wildbienen sowie einem Amphibientümpel.
Haider-Wallner ergänzt: „Jede Wildbiene, jeder Obstbaum und jede naturnahe Fläche helfen uns dabei, die Artenvielfalt zu schützen und die Folgen der Klimakrise abzufedern. Mehr Schatten, kühlere Orte und Böden, die Wasser besser speichern können – davon profitieren am Ende alle Menschen im Ort.“
Breiter Rückhalt in der Gemeinde
Neben dem Naturschutz steht auch die Bewusstseinsbildung im Mittelpunkt des Projekts. Mit jährlichen „Lebensader-Spaziergängen“, Fachworkshops und Informationsangeboten soll Biodiversität für die Bevölkerung erlebbar gemacht werden.
Für Bürgermeister Bernhard Herics ist das Projekt ein Vorbild für mutige Dorfentwicklung und eine enorme Aufwertung der Lebensqualität, die von der gesamten Gemeinde getragen wird: „Wir reden in Schandorf nicht nur über Naturschutz und Klimawandel, wir packen diese Herausforderungen aktiv an. Mit diesem Vorzeigeprojekt machen wir unsere Heimatgemeinde ganz konkret kühler, grüner und lebenswerter für kommende Generationen. Dass der gesamte Gemeinderat geschlossen hinter dieser ‚Lebensader‘ steht, beweist unseren Mut, Verantwortung zu übernehmen und neue Wege in der zukunftsorientierten und gemeinschaftlichen Dorfentwicklung zu gehen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass eine kleine Gemeinde ein derart ambitioniertes Vorhaben auf die Beine stellt. Dank der 100-prozentigen Förderung aus dem Biodiversitätsfonds in der Höhe von rund 270.000 Euro können wir diese enorm wichtige ökologische Infrastruktur umsetzen, ohne das Gemeindebudget zu belasten. Letztlich schaffen wir hier nicht nur wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen, sondern investieren ganz bewusst in die klimafitte Zukunft von Schandorf. Denn echter Naturschutz funktioniert nur dann, wenn er von der Bevölkerung akzeptiert und gemeinsam im Ort gelebt wird.“
Auch Vizebürgermeister Werner Gabriel sieht den besonderen Wert des Projekts in der breiten Beteiligung innerhalb der Gemeinde: „Eine echte Lebensader wird dieses Projekt erst durch die Menschen in unserem Dorf. Ob der Verein ‚Gesundes Dorf‘, unsere örtliche Jägerschaft oder unsere Kinder – wir schaffen hier nicht nur Biotope, sondern Naturerfahrungsräume direkt vor der Haustür, die von der gesamten Gemeinschaft getragen werden.“
Vernetzte Lebensräume als grüne Lebensader
Projektleiterin Mag. Marlene Hrabanek-Bunyai betont den Mut zur Veränderung und den langfristigen Charakter des Vorhabens. Ziel sei es, einen echten Umdenkprozess zu starten und ein dauerhaft funktionierendes Netzwerk wertvoller Lebensräume zu schaffen: „Ich freue mich sehr über das positive Feedback und die großartige Resonanz auf unsere Initiative. Ein Projekt wie die ‚Lebensader‘ bedeutet nicht nur ökologische Aufwertung, sondern startet vor allem einen intensiven Umdenkprozess. Es erfordert enorme Bereitschaft, alte Muster aufzubrechen und echten Mut zur Veränderung: Flächen, die jahrzehntelang klassisch ‚hübsch und ordentlich‘ kurzgemäht waren, dürfen nun mitten im Ortszentrum wachsen und erblühen. Dass wir diese Trittsteinbiotope ganz bewusst im Herzen des Dorfes positionieren, ist ein großes, mutiges und immens wichtiges Zeichen der Gemeinde. Gleichzeitig wissen wir, dass echte Lebensräume nicht nur durch das einmalige Setzen eines Baumes oder das Anlegen einer Blühfläche entstehen. Sie müssen über Jahre gepflegt und weiterentwickelt werden, um als lineare Struktur unterschiedlichste Habitate zu verbinden. Genau diese Vernetzung der Naturräume – und dass wir die Bevölkerung auf diesem Weg aktiv mitnehmen und Akzeptanz aufbauen – macht unser Projekt so dauerhaft und wertvoll.“
Strategischer Partner, Biologe Dr. Klaus Michalek verweist auf die Bedeutung der zahlreichen Kleinstrukturen, die im Rahmen des Projekts entstehen: „Aus naturschutzfachlicher Sicht ist Schandorf ein Volltreffer. Die neu angelegten Amphibientümpel, Sandarien und Lesesteinmauern sind keine bloße Zierde, sondern überlebenswichtige Rettungsinseln für bedrohte Arten wie Wildbienen oder Zauneidechsen. Genau diese Kleinstrukturen sind das fehlende Puzzleteil, um Kulturlandschaften für unsere heimische Fauna wieder durchquerbar zu machen.“
Nach Umsetzung der baulichen und gärtnerischen Maßnahmen stehen bis zum Projektabschluss Ende 2028 Pflege, Monitoring und Bildungsmaßnahmen im Mittelpunkt. Ziel ist es, die geschaffenen Lebensräume langfristig zu sichern und die biologische Vielfalt in Schandorf nachhaltig zu stärken. Mit der „Lebensader Schandorf“ entsteht damit ein zukunftsweisendes Modellprojekt, das Naturschutz, Klimaanpassung und Bewusstseinsbildung auf Gemeindeebene miteinander verbindet.
Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert.
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Lebensader Schandorf_1
Lebensader Schandorf_2
Bildtext Lebensader Schandorf_1: Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner bei der Pressekonferenz.
Bildtext Lebensader Schandorf_2: Vizebürgermeister Werner Gabriel, Biologe Klaus Michalek, Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Bürgermeister Bernhard Herics und Projektleiterin Marlene Hrabanek-Bunyai mit Schülerinnen und Schülern der NMS Großpetersdorf, die bei dem Projekt mitgeholfen haben.
Bildquelle: Büro LH-Stv.in Haider-Wallner/Caterina Hoffmann
Schandorf, 29. Juni 2026
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