Medizinische Premiere in Klinik Güssing rettet Patientin das Bein

Patientin Christine Schabernack mit den beiden Operateuren
Primarius Dr. Klaus Dragosits und der erste Oberarzt Dr. Ewald Musser zeigen Implantate

LH Doskozil: „Wir dürfen zurecht stolz sein, dass solche hochkomplexen Operationen im Burgenland durchgeführt werden können“

In einer vierstündigen Operation wurden einer 78-jährigen Steirerin nach einem Implantatversagen in einem chirurgisch anspruchsvollen Eingriff gleichzeitig eine künstliche Hüfte und ein künstliches Knie getauscht. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gratuliert allen Beteiligten zu dem großartigen Erfolg: „Wir dürfen zurecht stolz sein, dass solche hochkomplexen Operationen im Burgenland durchgeführt werden können. Damit das so bleibt, werden wir konsequent an unserer Gesundheitsoffensive festhalten und unseren Weg weitergehen, um Know-how, Expertise und die nötige Infrastruktur zu festigen und weiter auszubauen.“

In der Klinik Güssing ist erstmals im Burgenland eine hochkomplexe Operation durchgeführt worden. Dabei wurden bei einer Patientin in einer einzigen Operation sowohl eine gelockerte Knie- als auch eine Hüftprothese gewechselt und der gesamte Oberschenkelknochen durch ein sogenanntes totales Femur ersetzt. Die rund vierstündige Operation wurde von Primarius Dr. Klaus Dragosits und seinem Team durchgeführt. Für die Patientin, Christine Schabernack (78), bedeutete der Eingriff die Rettung ihres Beines. „Der Patientin drohte ein Funktionsverlust des rechten Beins. Dass wir ihr hier vor Ort helfen konnten, war Frau Schabernack, die seit Jahren in Güssing Patientin ist, sehr wichtig und freut mich besonders“, betont Primarius Dragosits.

Lange Vorgeschichte führte zur außergewöhnlichen Operation

Nachdem sich bei Christine Schabernack ein künstliches Kniegelenk gelockert hatte, waren weitere Revisionsoperationen notwendig, bis die Patientin mit einer Langschaftprothese versorgt werden konnte. Da die Patientin bereits Jahre zuvor eine Hüftprothese erhalten hatte, kam es im Bereich des Knochens zwischen den beiden Implantaten zu erhöhter Belastung. Dieser Stress führte in der Folge zur Ausbildung einer Sollbruchstelle und einer neuerlichen Lockerung der Knieprothese. „Nachdem die Revisionsprothese am Knie locker geworden war und nach oben hin durch die Sollbruchstelle und die Hüftprothese kein ausreichender Spielraum im Knochen vorhanden war, mussten beide Implantate entfernt und gegen Spezialimplantate ersetzt werden, die sich miteinander verbinden lassen“, erklärt der Operateur.

Der Funktionserhalt des Beines gelang schließlich durch eine sogenannte intramedulläre totale Femurersatz-Operation – ein hochkomplexer Eingriff, bei dem die Funktion des gesamten Oberschenkelknochens, von der Hüfte bis zum Knie, ersetzt wird. Darunter versteht man modulare Spezialimplantate, bei der gesamte Knochenabschnitte durch Metall ersetzt werden. Es ist sogar möglich, den verbleibenden Knochenmantel zu erhalten, welcher dabei weiterhin die Prothese umhüllt. Diese Implantate wurden ursprünglich für die Tumorchirurgie entwickelt, weshalb sie auch als „Tumormegaprothesen“ bezeichnet werden.

Seltene Eingriffe, die meist nur Zentren vorbehalten sind

„Solche Operationen zählen zu den anspruchsvollsten und aufwändigsten Eingriffen der modernen Endoprothetik. Sie werden üblicherweise nur in spezialisierten Zentren durchgeführt. Nicht jede Klinik verfügt über die notwendige Infrastruktur oder hat Zugriff auf die dafür erforderlichen Implantatsysteme“, betont der medizinische Geschäftsführer der Gesundheit Burgenland Univ.-Prof. Dr. Stephan Kriwanek.

Für den Eingriff in Güssing wurden rund 40 sterile Instrumenten- und Implantat-Container angeliefert. Während der Operation entschied der Chirurg, welche Komponenten verwendet werden. Verschiedene Komponenten, Größen und Verbindungsstücke werden dabei individuell zusammengesetzt. „Es ist ein modulares System. Die Implantate werden steril geliefert und während der Operation entsprechend der Situation kombiniert“, erklärt Dragosits. Der erfahrene orthopädische Chirurg hat bereits zahlreiche Eingriffe mit Tumormegaprothesen durchgeführt. Dennoch sei jede Revision einzigartig: „Revisionen sind niemals gleich. Jede Operation stellt uns vor neue Herausforderungen.“

Rasche Mobilisation nach der Operation

Der postoperative Verlauf war äußerst erfreulich. Bereits am Tag nach der Operation konnte die Patientin erstmals aufstehen. Schon am zweiten Tag absolvierte sie die ersten Schritte mit Krücken. Nach zwei Wochen stationärem Aufenthalt wurde sie zur weiteren Rehabilitation in eine Reha-Klinik verlegt. Im Juli wird sie für weitere drei Wochen an die Klinik Güssing zurückkehren, wo sie im Department für Akutgeriatrie und Remobilisation den letzten „Feinschliff“ bekommt.

Christine Schabernack zeigt sich mit dem Ergebnis äußerst zufrieden und würde rückblickend denselben Weg erneut wählen. „Ich bin sehr froh, dass ich hier behandelt werden konnte. Ich habe mich die ganze Zeit gut aufgehoben gefühlt“, sagt die Steirerin. Besonders dankbar sei sie dafür, dass ihr Bein erhalten werden konnte und sie in ihrer vertrauten Klinik behandelt werden konnte.

Erfolg einer gesamten Mannschaft

Für Primarius Dragosits ist der Erfolg weit mehr als das Ergebnis einer gelungenen Operation. „Die Operation macht vielleicht 50 Prozent des Erfolgs aus. Die andere Hälfte passiert davor und danach. Es muss interdisziplinär alles funktionieren – von der Anästhesie und der Intensivstation über die Pflege und die Normalstation bis hin zur Physiotherapie. Jeder muss seine Aufgabe meistern.“ Besonders hebt er die Leistung seines Teams hervor. Die Durchführung des komplexen Eingriffs sei eine „Glanzleistung der Abteilung zum Start in Güssing“ gewesen. Sein Dank gelte dem gesamten OP-Team sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern außerhalb des Operationssaals.

Ausbau des medizinischen Angebots in Güssing

Mit dem Wechsel von Primarius Dr. Klaus Dragosits an die Klinik Güssing im Februar wurde das Leistungsangebot der Abteilung deutlich erweitert. Hochkomplexe Eingriffe der großen Revisionsendoprothetik können nun auch im Südburgenland durchgeführt werden. „Für mich ist es – abgesehen vom medizinischen Erfolg – vor allem deshalb ein Erfolg, weil wir Patientinnen und Patienten nicht mehr in andere Bundesländer schicken müssen. Wir können hier in Güssing dieselbe Qualität bieten wie spezialisierte Zentren in Großstädten“, betont Dragosits. Die Entwicklung der vergangenen Monate zeige deutlich, wohin der Weg führe: „Güssing ist auf dem besten Weg, ein überregionales Zentrum zu werden“, so der Primar.

Informationen für Patientinnen und Patienten

Akutpatientinnen und -patienten mit Komplikationen nach Gelenksimplantationen können jederzeit an der Klinik vorstellig werden, idealerweise mit einer Überweisung. Besonders bei Verdacht auf ein infiziertes oder eitriges Gelenk sei rasches Handeln erforderlich. „Schwierigkeiten mit einem infektiösen Implantat schauen wir uns jederzeit an. Da läuft die Zeit“, so Dragosits.

Wer einen geplanten Gelenksersatz benötigt, sollte zunächst die Abklärung bei einer niedergelassenen Ärztin oder einem niedergelassenen Arzt durchführen lassen, inklusive Röntgenuntersuchung. Mit der entsprechenden Überweisung kann anschließend ein Termin in der Ambulanz der Klinik vereinbart werden.

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OP Dragosits/Musser
Ortho Dragosits/Schabernack/Musser

Bildtext OP Dragosits/Musser: Primarius Dr. Klaus Dragosits und der erste Oberarzt Dr. Ewald Musser zeigen Implantate.

Bildtext Ortho Dragosits/Schabernack/Musser: Patientin Christine Schabernack mit den beiden Operateuren.

Bildquelle: Gesundheit Burgenland

Eisenstadt, 15. Juni 2026