Die Zukunft der Mobilität stand am Donnerstag im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion, zu der die „Initiative für Demokratie“ ins Kalandahaus beim Weingut Eszterhazy in Trausdorf geladen hatte. Eine prominente Runde mit Infrastrukturlandesrat Heinrich Dorner, Asfinag-Geschäftsführer Alexander Walcher, ÖBB Infrastruktur AG Vorständin Judith Engel, dem Vorstandsvorsitzenden der Esterhazy Privatstiftungen Stefan Ottrubay und Paul Blaguss, Geschäftsführer der Blaguss Gruppe, sprach über Rahmenbedingungen, Zielkonflikte und unterschiedliche Anforderungen an die Mobilität in den Zentren und im ländlichen Raum. In Vergangenheit sei man noch stolz auf sein Auto gewesen, Effekte wie der CO2-Ausstoß oder Umweltschäden seien den Menschen damals egal gewesen: „Das hat sich grundlegend verändert“, stellte Landesrat Dorner fest. Die jüngeren Generationen hätten andere Zugänge: „Die Bereitschaft, zu anderen Mobilitätsformen zu wechseln, wächst.“ Im Mobilitätsverhalten der Menschen habe sich, auch wenn man die frühere Gesamtverkehrsstrategie mit der aktuellen vergleiche, wahnsinnig viel verändert.
"Man sieht in der jüngeren Generation eine völlige Durchmischung der physischen Mobilität mit der Arbeits- und der Kommunikationsmobilität“, hob Stefan Ottrubay hervor. Die jüngere Generation bewege sich digital und physisch durch die ganze Welt.
Angesprochen wurde auch die Dauer von Verfahren bei Projekten, insbesondere bei großen Bauvorhaben. Asfinag-Geschäftsführer Walcher nannte als Beispiel den Lobautunnel: Als er 1997 bei der Asfinag begonnen habe, sei er für dieses Projekt eingestellt worden: „Vor 29 Jahren war ich mir sicher, dass wir jetzt alle schon auf dieser Straße fahren werden.“ Politische Rahmenbedingungen würden für Projekte eine ganz große Rolle spielen: „Wenn das politische Commitment zu einem Projekt nicht gegeben ist, dann ist es müßig, so ein Projekt anzugehen“, so Walcher. Deshalb sehe man es bei der Asfinag als Aufgabe, schon im Vorfeld der Entwicklung solcher Projekte hoch emotionale Themen zu versachlichen: „Das gelingt aber nur bedingt.“
Es sei ein völlig unbestrittenes Recht des einzelnen, der Institution der Bürgerinitiativen wie auch der politischen Ebenen, sich in einem Projekt dafür oder dagegen zu Wort zu melden, unterstrich ÖBB Infrastruktur Vorständin Engel. Was sie kritisierte, seien nicht die Partizipationsrechte, sondern „das mehrfache und völlig unplanbare Verfahren“. Verzögerungen würden sich nicht dadurch ergeben, dass Bedenken gegen Projekte eingebracht würden, sondern dadurch, dass sie wiederholt eingebracht werden könnten in mehreren Instanzen – das führe zu einem immer längeren Prozess. „Die Planbarkeit ist uns abhandengekommen“, stellte Engel fest.
Blaguss-Geschäftsführer Paul Blaguss berichtete, wie er den Donauturm gekauft und fünfeinhalb Jahre und Dutzende Termine bei verschiedenen Magistratsabteilungen gebraucht habe, um das denkmalgeschützte Objekt zu sanieren: „Wenn ich diesen Turm bauen hätte wollen, das würden meine Urenkel nicht erleben. Wir sind in Österreich in einer Verhinderung und das muss dringendst aufhören“. Man habe keine Möglichkeit, Investitionen aus dem Ausland hierherzubekommen und international mitzuhalten, „weil wir alles 17.000-mal bürokratisieren“, so Blaguss.
Bereiche wie die Umweltverträglichkeitsprüfung und viele andere, die hier hineinspielten, seien Bundesthema, stellte Landesrat Dorner fest. Das Burgenland könne sich hinsichtlich der Verfahrensdauern beim Thema erneuerbare Energie erhobenen Hauptes präsentieren: „Im Burgenland können wir schon aufzeigen, dass es schneller gehen kann mit Methodiken, die jetzt auch kopiert werden, die andere Bundesländer aufgreifen“, hob Dorner hervor: „Wir bauen im Burgenland nur erneuerbare Energie, wenn es Eignungszonen dafür gibt.“ Und im Zuge des Erstellens dieser Zonen würden alle Stakeholder und alle mit dem Projekt Verbundenen, vom Liegenschaftseigentümer bis zum NGO-Vertreter, an einen Tisch geholt.
Zur Sprache kam auch die Elektromobilität: „In zehn Jahren wird unser Unternehmen komplett anders aussehen“, skizzierte Paul Blaguss die Zukunftspläne. Man werde, wenn überhaupt, noch unter zehn Prozent der Fahrzeuge mit Diesel betreiben: „Alles andere wird elektrifiziert sein.“
Im Burgenland habe man Elektromobilität schon vor Jahren als Zielsetzung definiert, berichtete Landesrat Dorner. Er sei als erstes Regierungsmitglied auf ein E-Auto umgestiegen, der Landesfuhrpark sei auf E-Autos umgestellt worden: „Wir wurden schon belächelt“, aber man habe diesen Schritt bewusst gesetzt, um auch das politische Signal zu geben: „Es ist uns ernst“, so Dorner. Auch bei der Speichertechnologie sei Burgenland inzwischen Vorreiter.
Die ÖBB strebten derzeit die 90 Prozent-Marke bei elektrifizierten Strecken an, so Engel. Es sei derzeit ein großer Investitionsschwerpunkt, die Dieselstrecken zu reduzieren, sei es durch Oberleitung oder durch den Betrieb mit Akkuzügen.
Beim Thema der „letzten Meile“ vom Wohnsitz bis zum öffentlichen Verkehrsmittel warb Dorner für das Burgenländische Anrufsammeltaxi (BAST): „Wir haben Tausende von Haltestellen, wo niemand mehr als 300 Meter von zu Hause gehen muss, damit er ein öffentliches Verkehrsmittel annehmen kann, das im eigenen Tarifsystem inkludiert ist. Das ist etwas, was kein anderes Bundesland in Österreich hat.“
Auch im Radverkehr habe das Burgenland in den vergangenen Jahren sehr gut gearbeitet, so Landesrat Dorner. Vor fünf Jahren habe man ein Sonderbudget von 25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, viele Kilometer Radwege seien neu gebaut oder saniert worden und man habe Lückenschlüsse geschaffen. Man wolle noch viel mehr Radwege umsetzen, das sei aber nicht immer einfach: „Wir können nur dann Radwege bauen, wenn wir auch die Grundstücke bekommen.“
Auch die Asfinag gehe neue Wege, um die letzte Meile für die Öffi-Benutzer attraktiver zu machen, hob Geschäftsführer Walcher hervor: „In der Steiermark bauen wir in Gleisdorf die erste Bushaltestelle an der Autobahn.“ Dort würden 42 Busse pro Tag halten, die Entfernung von der Bushaltestelle bis zur ÖBB-Haltestelle betrage nur 50 Meter. Um den öffentlichen Verkehr zu attraktivieren, wolle man beispielsweise auf der Südautobahn (A2) ab der Einmündung der Südostautobahn in die A2 bei Guntramsdorf den Pannenstreifen für Busse öffnen.
Autonomes Fahren werde zum großen Gamechanger, zeigte sich Blaguss überzeugt: „Die Systeme gibt es bereits“, berichtete er von der Inbetriebnahme von 2.500 vollautonomen Taxis im Vorjahr im chinesischen Wuhan. Verglichen mit 2.500 Taxis mit Fahrer hätten die vollautonomen Fahrzeuge – die keine Ruhezeiten bräuchten – um 50 Prozent mehr Kilometer zurückgelegt und ein Siebentel der Unfälle verursacht. Die Menschen würden in Zukunft viel länger mobil bleiben, weil es viel mehr autonome Systeme gebe, um die Menschen zu unterstützen, so Blaguss.
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Mobilität der Zukunft 4
Bildtext Mobilität der Zukunft 1: Diskutierten über Fragen der Mobilität der Zukunft: (v.l.) Tarek Leitner (Moderator), ÖBB Infrastruktur AG Vorständin Judith Engel, Asfinag-Geschäftsführer Alexander Walcher, Stefan Ottrubay, der Vorstandsvorsitzende der Esterhazy Privatstiftungen, Infrastrukturlandesrat Heinrich Dorner und Paul Blaguss, Geschäftsführer der Blaguss Gruppe.
Bildtext Mobilität der Zukunft 2 und 3: Das Diskussionsthema Mobilität sorgte im Kalandahaus beim Weingut Esterhazy in Trausdorf für großes Publikumsinteresse.
Bildtext Mobilität der Zukunft 4: Landesrat Heinrich Dorner bei der Podiumsdiskussion.
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
Eisenstadt, 19. Juni 2026
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