Erfolgsprogramm mit unsicherer Zukunft: Zwischenbilanz zu ÖPUL-Naturschutzmaßnahmen im Burgenland

Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner mit Gottfried Reisner, Geschäftsführer des Vereins BERTA, und Kurt Grafl, Gebietsbetreuer im Verein BERTA in der Siegendorfer Pußta.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner mit Gottfried Reisner, Geschäftsführer des Vereins BERTA, und Kurt Grafl, Gebietsbetreuer im Verein BERTA in der Siegendorfer Pußta.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner mit Gottfried Reisner, Geschäftsführer des Vereins BERTA, und Kurt Grafl, Gebietsbetreuer im Verein BERTA in der Siegendorfer Pußta.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner mit Gottfried Reisner, Geschäftsführer des Vereins BERTA, und Kurt Grafl, Gebietsbetreuer im Verein BERTA in der Siegendorfer Pußta.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner mit Gottfried Reisner, Geschäftsführer des Vereins BERTA, und Kurt Grafl, Gebietsbetreuer im Verein BERTA in der Siegendorfer Pußta.

LH-Stv.in Haider-Wallner: ÖPUL zeigt, dass alle profitieren, wenn Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen – Einsparungen hätten dramatische Folgen

Das Österreichische Programm für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) 2023–2027 ist im Burgenland ein voller Erfolg. Die entsprechenden Naturschutzflächen sind seit Start der aktuellen Periode um rund 4.000 Hektar auf knapp 16.200 Hektar angewachsen. Besonders stark zugenommen haben Naturschutz-Ackerflächen mit einem Plus von rund 2.500 Hektar. ÖPUL finanziert sich großteils aus EU-Fördergeldern – im Burgenland gar zu 54,8 Prozent – und richtet sich direkt an BewirtschafterInnen landwirtschaftlicher Flächen. Angesichts des reduzierten EU-Budgets der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in der kommenden Förderperiode wächst die Sorge über den Fortbestand des Programms. Statt bislang rund neun Milliarden Euro hat Österreich nach aktuellem Verhandlungsstand für die GAP 2028-2034 nur noch 6,6 Milliarden Euro aus dem EU-Budget gesichert zur Verfügung. Für Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner ist die ÖPUL-Zwischenbilanz ein klarer Beweis dafür, dass gezielte Umweltförderungen in der Landwirtschaft notwendig sind: „Die burgenländischen Bäuerinnen und Bauern zeigen jeden Tag, wie Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen. Dafür verdienen sie nicht nur Respekt, sondern vor allem auch finanziellen Ausgleich – etwa in Form der ÖPUL-Förderung. Kürzungen beim Programm wären ein schwerer Fehler mit massiven Folgen für unsere Natur und die landwirtschaftlichen Betriebe.“

Etwas weniger als die Hälfte der rund 16.200 Hektar ÖPUL-Naturschutzflächen sind Wiesen und Weiden. Gerade diese Flächen leisten mit einem durchschnittlichen Humusgehalt von sechs bis acht Prozent einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, weil sie im Vergleich zu anderen Böden große Mengen an Kohlenstoff speichern. Gleichzeitig sorgen gezielt entwickelte Naturschutz-Ackerflächenprojekte – etwa Bienenweiden oder extensivierte Flächen – für mehr Biodiversität und eine bessere Biotopvernetzung, insbesondere in intensiv genutzten Ackerbauregionen.

Die Zahl der ÖPUL-Naturschutzbetriebe ist seit 2023 im Burgenland von 2.000 auf rund 2.200 Betriebe gestiegen. Diese betreuen etwa 21.000 einzelne Naturschutzflächen. Zudem konnten in der aktuellen Periode die Flächenprämien für Grünland-Auflagenpakete, etwa die späte Mahd, um rund 30 Prozent erhöht werden, wodurch ein zusätzlicher Anreiz für eine naturschutzfachlich wertvolle Bewirtschaftung geschaffen wurde.

„Die Zahlen zeigen sehr deutlich, dass das Angebot in den Betrieben ankommt", erklärt Gottfried Reisner, Geschäftsführer des Vereins BERTA – einer Organisation, die im Burgenland die fachliche Betreuung bei ÖPUL-Naturschutzmaßnahmen abwickelt.  „Vor allem die starke Zunahme bei den Naturschutz-Ackerflächen beweist, dass viele Betriebe bereit sind, zusätzliche Leistungen für Biodiversität und Klimaschutz zu erbringen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“ Allein 2025 wurden durch BERTA mehr als 800 Naturschutzflächen kartiert und über 1.100 Beratungen mit landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt.

Sorge wächst angesichts geringeren GAP-Volumens

Trotz dieser erfolgreichen Zwischenbilanz lässt sich bereits jetzt ablesen, dass der starke Flächenzuwachs nun zu Ende gehen wird. Neueinstiege in das Naturschutzprogramm sind aktuell nicht mehr möglich, zudem gelten mit 2026 seitens der AMA zusätzliche Flächenzugangsbeschränkungen.

Auch der Fortbestand des ÖPUL in seiner jetzigen Form ist nach Ablauf der Förderperiode nicht gesichert. Besondere Sorge besteht angesichts des Entwurfs zum Mehrjährigen Finanzrahmen 2028-2034 der EU-Kommission. Während der österreichischen Landwirtschaft von 2023-2027 im Rahmen der GAP rund 9 Milliarden Euro zur Verfügung standen, sind aktuell nur 6,6 Milliarden Euro aus dem EU-Budget für die GAP 2028-2034 vorgesehen. Diese werden zwar noch durch einen nationalen Kofinanzierungsanteil ergänzt, insgesamt ist aber im Vergleich zur Vorperiode von deutlichen Verlusten auszugehen – mit massiven Auswirkungen auf Projekte im landwirtschaftlichen und naturschutzfachlichen Bereich.

In der laufenden Periode teilt sich die Kofinanzierung von ÖPUL-Maßnahmen im Burgenland wie folgt auf: EU 54,8 Prozent, Bund 27,12 Prozent, Land 18,08 Prozent – wobei der Bund federführend bei der Erstellung des Programms und dem Einsatz der EU-Gelder fungiert. Entscheidet sich der Bund dazu, beim ÖPUL einzusparen, wird es dem Burgenland nicht möglich sein, die Mehrkosten zu übernehmen.

„Das Burgenland zeigt, wie erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz funktionieren kann“, betont Haider-Wallner. „Diese Entwicklung darf jetzt nicht gefährdet werden. Wer beim ÖPUL spart, riskiert den Verlust wertvoller Lebensräume, gefährdet den Klimaschutz und nimmt vielen Betrieben wichtige Perspektiven.“

Reisner ergänzt: „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig stabile Förderinstrumente sind. Viele Naturschutzleistungen wären ohne das ÖPUL in dieser Form schlicht nicht umsetzbar. Deshalb braucht es auch in Zukunft Planungssicherheit und ausreichend Mittel.“

Siegendorfer Pußta als erfolgreiches Ackerflächenprojekt

Im Burgenland gelten die Bezirke Eisenstadt und Mattersburg als Ackerbaubezirke mit einem geringen Grünlandanteil von vier Prozent. Extensivierungmaßnahmen wie durch das ÖPUL-Naturschutzprogramm gelten daher als notwendig zur Erweiterung und Vernetzung von Lebensräumen. In diesem Kontext führt Kurt Grafl, Gebietsbetreuer im Verein BERTA, die Siegendorfer Pußta als beispielhaft erfolgreiches Ackerflächenprojekt des ÖPUL-Naturschutzprogramms an.

Durch gezielte Maßnahmen wie Extensivierung, späte Mahd, Offenhaltung und die Vernetzung wertvoller Lebensräume konnten hier bedeutende Naturschutzflächen vom Trockenrasen bis zum Feuchtgebiet erhalten und weiterentwickelt werden. Sie dienen als Lebensraum für gefährdete Arten wie das Europäische Ziesel und seltene Salzpflanzen. „Besonders die Pufferflächen rund um die Siegendorfer Pußta und die Sulzlacke zeigen, wie Biodiversitätsschutz, Klimaschutz und nachhaltige Landwirtschaft erfolgreich zusammenspielen können“, so Grafl abschließend.

Zum Herunterladen der Fotos klicken Sie auf die folgenden Links:

ÖPUL Zwischenbilanz 1   ÖPUL Zwischenbilanz 2
ÖPUL Zwischenbilanz 3   ÖPUL Zwischenbilanz 4
ÖPUL Zwischenbilanz 5   

Bildtext ÖPUL Zwischenbilanz 1 bis 5: Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner mit Gottfried Reisner, Geschäftsführer des Vereins BERTA, und Kurt Grafl, Gebietsbetreuer im Verein BERTA in der Siegendorfer Pußta.

Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland

Eisenstadt, 26. Mai 2026

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