Burgenland kritisiert EU-Beschluss zur Neuen Gentechnik

LH-Stv.in Haider-Wallner: „Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten wird massiv eingeschränkt“

Die burgenländische Landeshauptmann-Stellvertreterin und Agrarlandesrätin Anja Haider-Wallner kritisiert den gestrigen Beschluss des Europäischen Parlaments zur Deregulierung der Neuen Gentechnik deutlich. Nachdem auch die EU-Mitgliedstaaten bereits zugestimmt haben, kann das neue Gesetz in Kraft treten und soll nach einer Übergangsfrist ab 2028 gelten. Kern der Reform ist, dass knapp 90 Prozent der Pflanzen aus Neuer Gentechnik künftig nicht mehr unter die strengen Regeln für gentechnisch veränderte Organismen fallen. Damit entfallen für viele Anwendungen verpflichtende Risikoprüfungen und vor allem die Kennzeichnungspflicht entlang der Lebensmittelkette. Für Konsumentinnen und Konsumenten wird damit kaum mehr nachvollziehbar sein, ob Produkte aus Neuer Gentechnik stammen oder nicht. Haider-Wallner sieht darin einen klaren Rückschritt in Sachen Transparenz und Lebensmittelsicherheit: „Die EU hat einen Schritt gesetzt, der den Menschen ein Stück Wahlfreiheit aus der Hand nimmt – und gleichzeitig die Macht der großen Agrarkonzerne stärkt. Verlierer sind die bäuerlichen Familienbetriebe, die unabhängigen Züchterinnen und Züchter und all jene, die ganz bewusst entscheiden wollen, was auf ihren Tellern landet und wie es produziert wird. “

Österreich verfolgte bislang eine klar gentechnikkritische Linie und zählt zu den Vorreitern einer weitgehend gentechnikfreien Landwirtschaft. Sollte diese Schutzlinie durch die Deregulierung der Neuen Gentechnik auf EU-Ebene aufgeweicht werden, hätte das aus Sicht Haider-Wallners weitreichende Folgen – insbesondere für kleinstrukturierte landwirtschaftliche Betriebe wie im Burgenland. „Wenn NGT-Pflanzen EU-weit zugelassen werden und nationale Schutzmechanismen wegfallen, gerät die gentechnikfreie Produktion massiv unter Druck. Besonders betroffen sind jene Bäuerinnen und Bauern, die bewusst auf Qualität, auf Regionalität und auf eine gentechnikfreie Produktion setzen“, so Haider-Wallner.

Klarheit statt Kennzeichnungslücken

Zugleich verweist die Agrarlandesrätin auf eine bereits bestehende, erhebliche Transparenzlücke: Bei Fleisch, Milch und Eiern ist für Konsument:innen oft nicht erkennbar, ob in der Produktion gentechnisch verändertes Futtermittel eingesetzt wurde. Für Konsumentinnen und Konsumenten bleibt dadurch oft unsichtbar, unter welchen Bedingungen Lebensmittel tatsächlich produziert wurden. Durch die Deregulierung der Neuen Gentechnik auf EU-Ebene werde sich dieser Missstand weiter verschärfen.

„Die Menschen wollen wissen, was sie essen. Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen eingesetzt werden und gleichzeitig die Kennzeichnung wegfällt, dann wird diese Entscheidung praktisch unmöglich. Transparenz darf nicht beim Saatgut aufhören – sie muss bis auf den Teller reichen“, betont Haider-Wallner.

Patente stärken Agrarkonzerne

Besonders kritisch sieht die Agrarlandesrätin die Entscheidung der EU, Patente auf Pflanzen aus Neuer Gentechnik weiterhin zuzulassen. Obwohl diese Pflanzen künftig laut EU-Systematik großteils nicht mehr von konventionell gezüchteten Sorten unterschieden werden, könnten weiterhin Eigentumsrechte darauf vergeben werden. Das verstärke die Marktkonzentration im Agrarsektor und benachteilige kleinere Zuchtbetriebe sowie landwirtschaftliche Familienbetriebe.

Gerade für das Burgenland mit seiner kleinstrukturierten Landwirtschaft sei diese Entwicklung problematisch. Wenn wenige internationale Konzerne über genetisch modifizierte Pflanzen verfügen, drohe langfristig eine Schwächung der Vielfalt in der Pflanzenzucht sowie der gentechnikfreien Produktion.

Schutz für Landwirtschaft und KonsumentInnen

Zugleich betont die Landeshauptmann-Stellvertreterin, dass es nicht um eine generelle Ablehnung neuer Technologien gehe - entscheidend sei jedoch, dass Innovation nur mit klaren Regeln, Transparenz und wirksamen Schutzmechanismen für die Landwirtschaft stattfinden dürfe.

Haider-Wallner fordert daher Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig auf, sich auf EU-Ebene für Nachbesserungen stark zu machen. Dazu zählen aus ihrer Sicht eine verpflichtende Kennzeichnung entlang der gesamten Lebensmittelkette, ein Verbot von Patenten auf Pflanzen aus Neuer Gentechnik sowie wirksame Schutzmaßnahmen für die gentechnikfreie Landwirtschaft.

Eisenstadt, 18. Juni 2026

Landesmedienservice Burgenland
7000 Eisenstadt, Landhaus, Europaplatz 1
Tel: 057/600
post.oa-presse(at)bgld.gv.at 
www.burgenland.at