Die Präsidentin des Europäischen Ausschusses der Regionen (AdR), Kata Tüttö, hat bei einem Besuch im Burgenland die Notwendigkeit starker Regionen für die Zukunft der EU betont. Tüttö wurde am Donnerstag in Rust von Landesrat Heinrich Dorner und Landtagsabgeordnetem Robert Hergovich, burgenländischer Vertreter im AdR, begrüßt. Ein zentrales Thema war die Wasserresilienz. Nach der Teilnahme an einer Präsentation des burgenländischen LIFE Projekts Pannonic Salt nutzte die Präsidentin die Gelegenheit, um mit LAbg. Hergovich den geschichtsträchtigen Platz des "Paneuropäischen Picknick" zu besuchen, bevor beide am Abend die Premiere des Musicals "Ein Käfig voller Narren" in Mörbisch miterlebten. „Wir freuen uns sehr, die Präsidentin des AdR, Kata Tüttõ, im Burgenland begrüßen zu dürfen. Mit ihr verbindet uns eine enge und konstruktive Zusammenarbeit in Brüssel, damit das Burgenland auch künftig von starken europäischen Förderprogrammen profitieren kann“, betonte Hergovich.
„Die Europäische Union hat einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Entwicklung unseres Bundeslandes geleistet. Diesen erfolgreichen europäischen Weg wollen wir gemeinsam konsequent fortsetzen. Gleichzeitig ist uns eine noch intensivere grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen dem Burgenland und Ungarn ein großes Anliegen. Denn nur, wenn wir unsere Region gemeinsam weiterentwickeln, schaffen wir nachhaltigen Wohlstand und neue Chancen für die Menschen auf beiden Seiten der Grenze“, unterstrich Burgenlands Vertreter im AdR.
Europa erlebe eine Zeitenwende – vielleicht sogar mehrere zugleich, stellte die AdR-Präsidentin fest. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe die europäische Friedensordnung erschüttert: „Geopolitische Spannungen und Handelskonflikte stellen unsere Wettbewerbsfähigkeit auf die Probe. Die Energiewende, der demografische Wandel und der gesellschaftliche Zusammenhalt verlangen entschlossenes Handeln. Selten zuvor mussten wir Europäerinnen und Europäer so viele tiefgreifende Veränderungen gleichzeitig bewältigen“, so Tüttö.
Diese Herausforderungen verlangten eine handlungsfähige Europäische Union: „Sie verlangen mehr gemeinsames europäisches Handeln – dort, wo es einen echten europäischen Mehrwert schafft. Doch gerade in Zeiten großer Krisen droht ein folgenschwerer Irrtum: die Gleichsetzung von mehr Europa mit mehr Zentralisierung“, stellte die AdR-Präsidentin fest.
Vor diesem Hintergrund gebe es derzeit eine intensive Diskussion über den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union. Dabei stünden auch Vorschläge im Raum, bewährte Förderprogramme stärker in nationalen Plänen zu bündeln. „Das mag auf den ersten Blick nach Vereinfachung aussehen. Tatsächlich birgt es jedoch die Gefahr, die europäische Kohäsionspolitik grundlegend zu verändern und ihre regionale Verankerung zu schwächen“, warnte Tüttö.
Gerade diese regionale Verankerung der Kohäsionspolitik sei ihr größter Erfolg: „Bürgerinnen und Bürger begegnen Europa nicht zuerst in Brüssel oder Straßburg. Sie erleben Europa dort, wo Bahnstrecken modernisiert, Hochwasserschutz verbessert, Forschungszentren aufgebaut oder regionale Unternehmen unterstützt werden. Gerade das Burgenland profitiert seit Jahrzehnten von einer EU-Regionalpolitik, die den Regionen Gestaltungsspielraum gibt und Investitionen dort ermöglicht, wo sie am dringendsten benötigt werden“, betonte Tüttö.
Dieser Erfolg beruhe darauf, dass Regionen, Länder und Gemeinden Verantwortung übernehmen. Die Europäische Union verdanke ihren Erfolg nicht der Konzentration von Macht, sondern dem Zusammenspiel ihrer Ebenen: der europäischen, der nationalen, der regionalen und der kommunalen. Regionen und Kommunen seien keine nachgeordneten Vollzugsbehörden, sondern sie seien demokratisch legitimierte politische Akteure mit eigener Verantwortung.
„Wer Europa stärken will, darf die Regionen nicht schwächen. Die großen Transformationsprozesse unserer Zeit können nur gelingen, wenn die Regionen aktiv an Planung, Umsetzung und Mittelverwendung beteiligt werden. Auch das Burgenland hat daher zu Recht betont, dass die EU-Regionalpolitik auch künftig ein eigenständiger Politikbereich mit ausreichender Finanzierung bleiben muss“, so Tüttö. Eine stärkere Zentralisierung würde die Zielgenauigkeit und Wirksamkeit der Programme schwächen. Gerade die Kohäsionspolitik schaffe wirtschaftliche Stärke, sozialen Zusammenhalt und europäische Sichtbarkeit vor Ort. Europa brauche kein Entweder-Oder zwischen europäischem Handeln und regionaler Verantwortung: „Es braucht beides. Denn Europas Zukunft liegt nicht in der Zentralisierung. Sie liegt in der Partnerschaft seiner Ebenen", hob die AdR-Präsidentin hervor.
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Bildtext AdR-Präsidentin im Burgenland 1: AdR-Präsidentin Kata Tüttö wurde in Rust von Landesrat Heinrich Dorner (rechts im Bild) und LAbg. Robert Hergovich (links im Bild) begrüßt.
Bildtext AdR-Präsidentin im Burgenland 2: Beim Besuch von AdR-Präsidentin Kata Tüttö in Rust wurde das burgenländische LIFE Projekt Pannonic Salt präsentiert.
Bildtext AdR-Präsidentin im Burgenland 3: AdR-Präsidentin Kata Tüttö und LAbg. Robert Hergovich bei der Präsentation.
Bildtext AdR-Präsidentin im Burgenland 4: AdR-Präsidentin Kata Tüttö bekam bei ihrem Besuch im Burgenland ein Burgenland-Radtrikot überreicht: (v.l.) LAbg. Robert Hergovich, AdR-Präsidentin Kata Tüttö, Landesrat Heinrich Dorner.
Bildtext AdR-Präsidentin im Burgenland 5: bei der Premiere der Seefestspiele Mörbisch (v.l.) LAbg. Robert Hergovich mit Ehefrau Silvia, AdR-Präsidentin Kata Tüttö, Julia Doskozil, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
Eisenstadt, 17. Juli 2026
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