Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Alltag völlig verändern: Ein Geräusch wird zur Belastung, eine spontane Planänderung zur großen Herausforderung, ein Blick oder eine Geste zur schwer verständlichen Situation. Für Menschen im Autismus-Spektrum ist die Welt oft anders wahrnehmbar – und für ihre Familien bedeutet das häufig einen Alltag voller Fragen, Herausforderungen und besonderer Momente. Genau hier braucht es Menschen, die nicht nur hinschauen, sondern verstehen, begleiten und helfen können. Mit einer neuen spezialisierten Schulung stärkt das Land Burgenland jetzt gezielt jene Fachkräfte, die Familien direkt in ihrem Zuhause unterstützen. 28 Absolventinnen und Absolventen haben den Lehrgang „Autismus-Spektrum“ erfolgreich abgeschlossen und erweitern damit die Kompetenz in der aufsuchenden Familienarbeit. „Wenn Familien vor besonderen Herausforderungen stehen, dürfen sie nicht allein gelassen werden. Wir brauchen Fachkräfte, die verstehen, begleiten und konkrete Unterstützung bieten können“, betont Soziallandesrat Leonhard Schneemann.
Die Lebensrealitäten von Familien mit Kindern im Autismus-Spektrum sind vielfältig. Was für Außenstehende oft schwer nachvollziehbar ist, kann für Betroffene eine große Belastung darstellen. Umso wichtiger sind professionelle Begleiterinnen und Begleiter, die Verhalten einordnen können, Bedürfnisse erkennen und gemeinsam mit den Familien Lösungen entwickeln. Genau hier setzt die neue Schulung „Autismus-Spektrum“ des Landes Burgenland an. Insgesamt 28 Mitarbeiterinnen der aufsuchenden Familienarbeit haben den 40-stündigen Lehrgang erfolgreich absolviert und verfügen nun über zusätzliches Fachwissen, um Kinder und ihre Familien noch gezielter unterstützen zu können. „Autismus ist so vielfältig wie die Menschen selbst. Deshalb braucht es neben Empathie vor allem fundiertes Wissen und Sicherheit im täglichen Umgang. Unsere Fachkräfte müssen wissen, was hinter bestimmten Verhaltensweisen steht und welche Unterstützung konkret hilft“, erklärt Soziallandesrat Dr. Leonhard Schneemann im Zuge der Verleihung der Zertifikate an die Absolventinnen und Absolventen der Schulung.
Steigende Anforderungen verlangen nach spezialisierter Kompetenz
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit einer Diagnose aus dem Autismus-Spektrum steigt. Internationale Schätzungen gehen davon aus, dass rund ein Prozent der Bevölkerung im Autismus-Spektrum ist. Für das Burgenland bedeutet das eine Größenordnung von mehreren tausend Menschen, die selbst oder als Angehörige betroffen sind. Gleichzeitig werden die Unterstützungsbedarfe komplexer und individueller. Für die Kinder- und Jugendhilfe bedeutet das: Neben Engagement und Einfühlungsvermögen braucht es spezialisierte Kompetenzen.
„Wenn die Herausforderungen vielfältiger werden, müssen auch unsere Antworten stärker und professioneller werden. Familien brauchen Menschen an ihrer Seite, die nicht nur Verständnis zeigen, sondern mit Fachwissen und Erfahrung begleiten können“, so Schneemann.
Deshalb übernimmt das Land Burgenland die Kosten für die spezialisierte Ausbildung vollständig. Das Ziel ist klar: Pro Bezirkshauptmannschaft sollen künftig zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der aufsuchenden Familienarbeit über diese zusätzliche Qualifikation verfügen. Damit wird die Unterstützung für Familien im gesamten Burgenland weiter gestärkt.
Vier Module für mehr Handlungssicherheit
Der Lehrgang umfasst vier Module mit insgesamt 40 Unterrichtseinheiten und vermittelt medizinische, psychologische und pädagogische Grundlagen rund um das Autismus-Spektrum.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit herausforderndem Verhalten, konkreter Fallarbeit aus der Praxis sowie der professionellen Zusammenarbeit mit betroffenen Familien. Auch die Perspektive von Menschen mit Autismus selbst wird einbezogen, um ein noch umfassenderes Verständnis für unterschiedliche Wahrnehmungen und Bedürfnisse zu schaffen.
„Gute Unterstützung beginnt mit Verständnis. Wer die Welt aus der Perspektive der Betroffenen betrachtet, kann besser begleiten und gemeinsam Lösungen entwickeln“, sagt Schneemann und ergänzt: „Unser Anspruch ist ein Burgenland, in dem Familien mit besonderen Herausforderungen nicht alleine bleiben. Dafür brauchen wir starke Strukturen, engagierte Fachkräfte und Angebote, die direkt bei den Menschen ankommen.“
Mit der erfolgreichen Absolvierung des Lehrgangs stehen nun 28 neue Kompetenzträgerinnen bereit, um Familien im Burgenland noch gezielter, fachlich fundierter und mit viel Einfühlungsvermögen zu begleiten.
„Ich gratuliere allen Absolventinnen herzlich. Sie nehmen heute nicht nur ein Zertifikat entgegen, sondern auch eine wichtige Aufgabe: Sie geben Familien Orientierung, Sicherheit und Unterstützung in herausfordernden Lebenssituationen“, sagt Soziallandesrat Dr. Leonhard Schneemann abschließend.
Zum Herunterladen der Pressefotos klicken Sie auf den folgenden Link:
Autismus-Spektrum Zertifizierung NEU
Bildtext Lehrgang Autismus-Spektrum Zertifizierung NEU: Landesrat Dr. Leonhard Schneemann gratulierte den Absolventinnen und Absolventen des Lehrgangs „Autismus-Spektrum“ zum erfolgreichen Abschluss des Lehrgangs „Autismus-Spektrum“.
Bildquelle: Büro LR Schneemann
Eisenstadt, 17. Juli 2026
Landesmedienservice Burgenland
7000 Eisenstadt, Landhaus, Europaplatz 1
Tel.: 02682/600
post.oa-presse(at)bgld.gv.at
www.burgenland.at

