Start der Bio-Wende im Burgenland

Landeshauptmann Doskozil und Landesrätin Eisenkopf präsentierten 12-Punkte-Programm „Bioland Burgenland“ **** Nach der erfolgreichen Energie-Wende nimmt das Burgenland nun auch die Bio-Wende in Angriff. Ziel ist es, das Burgenland Schritt für Schritt zum Bio-Vorzeigeland in Europa zu machen.

Durch die Stärkung der biologischen Landwirtschaft, die Schaffung neuer Ertragschancen für heimische Bauern, mit gesundem Essen in Spitälern, Kindergärten und Schulen, mit mehr Qualitätsbewusstsein und regionaler Wertschöpfung, mit dem Schutz der Gesundheit durch die konsequente Pestizid-Reduktion soll das Burgenland Schritt für Schritt zum Bio-Vorzeigeland in Europa werden. Das Land Burgenland setzt mit dem 12 Punkte Programm „Bio-Land Burgenland“ auf positive Förderanreize und eine Umstellung von Gemeinschaftsküchen im Landesumfeld ebenso wie auf pädagogische Impulse und planbare gesetzliche Vorgaben. Dazu werden flankierende Maßnahmen in der Raumplanung und der Wohnbauförderung vorbereitet. Das 12-Punkte-Programm wurde von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Landesrätin Astrid Eisenkopf am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz in Eisenstadt präsentiert.

Vom Burgenland zum Bio-Land – das ist das erklärte Ziel. Die Hintergründe sind vielfach, erläuterte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil: „Zum einen glaube ich schon, dass es wesentlich und wichtig ist, dass die Menschen wissen, was und wie ernähren wir uns, was beinhalten unsere Nahrungsmittel. Das ist, glaube ich, ein ganz wesentlicher Aspekt. Wesentlich und wichtig ist auch, dass die Allgemeinheit und die Politik an oberster Stelle dafür verantwortlich sind, dass wir auch einerseits diese Transparenz aufzeigen und andererseits alle Maßnahmen wirklich auch umsetzen, damit sich die Bevölkerung auch gesund ernährt“.

Mit Bio sollen bereits die Kleinsten in Berührung kommen. Denn: „Wenn wir nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Menschen mitnehmen wollen auf diesem Weg, dann ist es ganz wichtig, sehr früh anzusetzen“, so Doskozil. Daher sei es von großer Bedeutung, Kindern zu zeigen, woher unsere Lebensmittel kommen und, dass es Sinn mache, sich gesund zu ernähren. Daher werde es eine Vorgabe im Bereich der Kindergärten und Landesschulen geben, bis 2021 50 Prozent und bis 2024 100 Prozent auf biologische Ernährung umzustellen.

Eine weitere Maßnahme aus dem 12-Punkte-Programm werde sein, dass künftig keine neuen konventionellen Stallbauten bewilligt werden. Betriebe, die derzeit im Bewilligungsverfahren seien, seien davon jedoch nicht berührt, betonte der Landeshauptmann.

Auch auf die Unwetterkapriolen müsse man reagieren. Sehr viele Überschwemmungen seien nicht auf Bäche zurückzuführen, sondern auch darauf, wie unsere Felder bewirtschaftet werden – Stichwort Monokulturen. „Wir werden das Bodenschutzgesetz adaptieren. Wir werden dahinterliegend ein Verfahren etablieren, dass der Bürgermeister bzw. die Bürgermeisterin verpflichtet ist, auf Antrag an die Bezirkshauptmannschaft diese Flächen zu benennen, wo er bzw. sie glaubt, dass das problematische Flächen sind bzw. andere Kulturen angepflanzt werden müssten und es einer anderen Bewirtschaftung bedürfe, damit der Boden wieder in der Lage ist, Wasser aufzunehmen. Dann hat die Bezirkshauptmannschaft zu entscheiden – mit entsprechenden Sachverständigen, auch natürlich mit Sachverständigen aus der Landwirtschaft – welche Vorgaben hier zu treffen sind. Und diese Vorgaben werden dann bescheidmäßig an den Grundstückeigentümer vorgeschrieben und müssen natürlich umgesetzt werden“, kündigte der Landeshauptmann an. „Aus meiner Sicht ist es ganz wesentlich, eine Interessensabwägung zu treffen: Welche Interessen sind höher? Ist das Interesse des einzelnen Landwirts höher, hier durchgängig diese Kulturen zu pflanzen, durchgängig so zu bewirtschaften? Oder ist das Interesse der Allgemeinheit höher, der Gemeinde oder des einzelnen Eigenheimbesitzers, dass er hier vor Schäden bewahrt wird. Und wir haben hier eine klare Entscheidung getroffen: Zweiteres Interesse ist für uns wichtiger“. Daher werde dies noch heuer umgesetzt.

Agrarlandesrätin Astrid Eisenkopf kündigte drei kleine Bio-Modellregionen im Nord-, Mittel- und Südburgenland an, die als Best-Practice-Beispiele für andere Gemeinden Vorbild sein sollen. Hier gebe es bereits einige interessierte Gemeinden.

„Zusammenfassend kann man sagen, dass Bio bei uns angekommen ist. Dass wir uns in den verschiedensten Sparten darum kümmern werden, dass wir diese Bio-Wende Schritt für Schritt umsetzen werden – hin zu 100 Prozent Bio“, so Eisenkopf.

Die 12 Punkte für kluges Wachstum mit Bio im Überblick:

  1. Fördern statt fordern.
    Mit einer gezielten Bio-Umstellungsförderung wollen wir die Bio-Quote im Burgenland bis 2027 von derzeit 31 % auf 50 % steigern: Ab Juli können alle Landwirte, die in die Bio-Produktion umsteigen wollen, maximal 15.000 € als Landesförderung beantragen.
  2. Neue Ertragschancen für heimische Bauern entwickeln.
    Um den heimischen Bauern neue Absatzmärkte zu sichern, werden wir in Landes- und landesnahen Küchen und Buffets den Bioanteil sukzessive erhöhen: 2021 soll er bei 50 Prozent, 2024 bei 100 Prozent liegen.
  3. Gesunde Ernährung für unsere Kinder sicherstellen.
    Auch in Kindergärten und Landesschulen soll die Bio-Quote bis 2021 auf 50 Prozent und bis 2024 auf 100 Prozent gesteigert werden. In Volksschulen soll es eine „Bio-Stunde“ pro Monat geben, um das Ernährungs- und Umweltbewusstsein zu fördern.
  4. Mit Bio-Modellgemeinden zeigen wie´s geht.
    In Nord-, Mittel- und Südburgenland wird je eine Modellregion zeigen, dass ein vollständiger Umstieg auf biologische Landwirtschaft mehr Wachstum und mehr Lebensqualität für alle bringt.
  5. Unsere fruchtbaren Böden schützen.
    Durch die Änderung des Bodenschutzgesetzes in § 5 und eine neue Verordnung mit vorgegebenen Bewirtschaftungsregeln in hangreichen Gemeinden wird abgeschwemmtes Erdgut verhindert und die Fruchtbarkeit der Böden erhalten.
  6. Neue Ställe nur mehr Bio-zertifiziert.
    Durch eine Änderung in Raumplanung und im Baurecht werden neue Stallbauten nur mehr dann zugelassen, wenn sie eine Bio-Widmung haben. In bestehende Widmungen und Stallbauten wird natürlich nicht eingegriffen.
  7. Die beste Ausbildung für unsere jungen LandwirtInnen.
    Mit einer Änderung des LW-Schulgesetzes und dem Umbau der Anbauflächen auf 100 % Bio werden die beiden burgenländischen Landwirtschaftsschulen in Güssing und Eisenstadt zu Vorzeigeschulen für Österreich und dadurch beide Standorte langfristig abgesichert. Güssing erhält bestehende Betriebssparten aus Eisenstadt zusätzlich hinzu, Eisenstadt wird ein „Weinkompetenzzentrum“.
  8. Auch Tiere brauchen Bio.
    Der Tiergesundheitsdienst Burgenland (TPD) erhält eine neue Sektion Bio, die die Bauern beim Umstieg auf biologische Viehzucht auch aus dem Blickpunkt der Tiergesundheit unterstützt.
  9. „Bio aus dem Burgenland“ wird zum Gütesiegel.
    „Genuss Burgenland“ wird zu „Bio Genuss Burgenland“ und soll durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem „Netzwerk Kulinarik“ österreichweit neue Märkte für Burgenlands Bauern erschließen.
  10. Regelmäßige Marktforschung als Unterstützung für die Landwirte.
    Um rasch auf neue Marktrends reagieren zu können, werden die Bauern mit regelmäßigen Konsumentenumfragen und einer Bio-Roadshow unterstützt.
  11. Von den Besten lernen.
    Einmal jährlich, erstmals am 28. November 2019, werden die besten Bio-Ideen mit dem Bio Innovationspreis des Landes Burgenland ausgezeichnet.
  12. Durch wissenschaftliche Begleitung Fehler vermeiden.
    FiBL, das Forschungsinstitut für biologischen Landbau, wird ab Juni 2019 alle Maßnahmen wissenschaftlich begleiten. Eine Machbarkeitsstudie zu 100 % Bio im Burgenland soll neue Wege aufzeigen.

Pressefotos zum Download: Start Bio-Wende_1, _2

Bildtext Bild 1 und 2: v.l.: Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Agrarlandesrätin Astrid Eisenkopf zum Start der Bio-Wende im Burgenland

Videolink: https://www.burgenland.at/videothek/videothek/videothek-beitrag/news/bio-wende/

Bild- und Videoquelle: Bgld. Landesmedienservice

Kathrin Spaltl, 13. Mai 2019

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