Angebot der Frauen-beratungsstellen wird weiter ausgebaut

Frauenlandesrätin Eisenkopf: „Angebot der Frauenberatungsstellen muss bekannter werden“ *** „Die burgenländischen Frauenberatungsstellen leisten seit vielen Jahren hervorragende, unverzichtbare Arbeit. Die Probleme, mit denen Frauen heute konfrontiert sind, werden immer komplexer, die Gesetzeslage immer verstrickter.

Deshalb werden wir das Angebot der Frauenberatungsstellen, insbesondere die Rechtsberatung, weiter ausbauen“, kündigte Frauenlandesrätin Mag.a Astrid Eisenkopf heute, Freitag, in der Frauenberatungsstelle „Die Tür“ in Mattersburg bei ihrer ersten Pressekonferenz als Frauenlandesrätin an. Ein wichtiges Ziel sei, das Angebot der Frauenberatungsstellen bekannter zu machen. Sorge bereitet Eisenkopf die vom Bund beschlossene Kürzung bei den Familienberatungsstellen; diese sind im Burgenland eng mit den Frauenberatungsstellen verknüpft. Vor allem dem strukturschwachen Südburgenland drohe dadurch eine enorme Schwächung der Infrastruktur.

Seit fast drei Jahrzehnten helfen die burgenländischen Beratungsstellen Frauen und Mädchen kostenlos, vertraulich und anonym in Krisensituationen. 1989 wurde vom Verein „Frauen für Frauen“ in Oberwart die erste Beratungsstelle eingerichtet, Schritt für Schritt erfolgte der Ausbau in allen Bezirken. „Dieses flächendeckende Angebot ist österreichweit einzigartig. Für hilfesuchende Frauen ist es ganz essenziell, dass die Hilfe nicht weit weg, sondern quasi direkt vor der Haustüre, unbürokratisch und einfach verfügbar ist. Deshalb werde ich die Frauenberatungsstellen auch weiterhin nach allen Kräften unterstützen“, betont Eisenkopf.

50 Mitarbeiterinnen sind aktuell in den Beratungsstellen tätig – Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen, Projektmanagerinnen und AMS-kundige Beraterinnen. Das Angebot für Hilfe suchende Frauen reicht von psychologischer über arbeitsmarktpolitische bis zur Sozialberatung und juristischen Erstberatung. Zu den häufigsten Fällen zählen Paar- und Familienberatung, Beratung in Scheidungsfällen, Erziehungsfragen, Berufsorientierung, Verlust des Arbeitsplatzes sowie Gewalt und Missbrauch in der Familie. Im Vorjahr wurden burgenlandweit in allen Frauenberatungsstellen 6.800 Frauen und Mädchen beraten und insgesamt 30.000 Informations- und Beratungsgespräche abgehalten. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit dem AMS, mit Schulen und Sozialämtern, aber auch mit der Polizei und anderen Institutionen. Zur besseren Vernetzung sind die Frauenberatungsstellen unter dem „DAFF“ (Dachverband der Burgenländischen Frauen-, Mädchen- und Familienberatungsstellen) zusammengeschlossen.

Seit 2006 wird juristische Beratung angeboten und ist seither immer stärker nachgefragt. Die Erstberatung ist kostenlos und soll Frauen einen Überblick über ihre Rechte und Möglichkeiten geben. Sie steht zweimal pro Monat in den Frauenberatungsstellen zur Verfügung. Unterstützt wird diese Maßnahme seit 2013 durch eine Hotline, unter der unkompliziert Hilfe und Rat eingeholt werden kann. „Ohne eine ausführliche rechtliche Beratung ist es schwierig, den Frauen zu helfen. Deshalb werden wir die Rechtsberatung weiter ausbauen“, verspricht Eisenkopf. Seit dem Vorjahr gibt es in der Beratungsstelle Oberwart den „Offenen Lehrraum“, bei dem Frauen mit Unterstützungsbedarf beim Lesen ihr Deutsch verbessern und gemeinsame Aktivitäten unternehmen können.

Ein Schwerpunkt werde künftig auch der Ausbau der Gruppenangebote für Frauen sein. Eisenkopf will dazu entsprechende Workshops anbieten und Synergien zwischen dem Frauenreferat und den Frauenberatungsstellen verstärkt nutzen, etwa im Gesundheits- oder im Gewaltpräventionsbereich. Die Frauenlandesrätin sieht als künftige Herausforderungen die Finanzierung der Beratungsstellen aufgrund steigender Nachfrage und die zunehmende Frauenarmut. „Geringere Gehälter als Männer, Teilzeitarbeit und Betreuungsverpflichtungen vermindern sehr oft die Möglichkeit der Weiterbildung und die Chancen auf Vollzeitbeschäftigung oder einen besser bezahlten Arbeitsplatz“. Die Anhebung des Durchrechnungszeitraums für die Pensionsberechnung von den besten 15 Jahren auf die besten 40 Jahre werde Altersarmut und Abhängigkeitsverhältnisse von Frauen in Zukunft zusätzlich verstärken.

Die vom Bund beschlossenen Budgetkürzungen für die Familienberatungsstellen, im Burgenland eng verknüpft mit den Frauenberatungsstellen (in Neusiedl am See, Oberpullendorf und im „Verein für Frauen“ in Oberwart, Güssing und Jennersdorf jeweils in einer Stelle vereint), bedeuten einen schweren Schlag vor allem für die Infrastruktur im Südburgenland. Insgesamt rund 50.000 Euro würden die Kürzungen die Familienberatungsstellen betragen, angesichts des ohnehin knappen Budgets der Beratungsstellen ein schmerzlicher Einschnitt. In den Bezirken Jennersdorf, Güssing und Oberwart wurden im Vorjahr 2.470 Beratungsstunden durchgeführt; aufgrund der Kürzungen können dort 360 Beratungsstunden weniger stattfinden, obwohl die Nachfrage schon im ersten Halbjahr 2018 ansteigend sei. Die Kürzungen würden indes nicht nur viele hilfesuchende Frauen im Südbürgenland treffen, sondern auch die Beraterinnen, die sich einen neuen Job suchen müssten. „Die Möglichkeit, in jedem Bezirk vor Ort zu sein, ist ein wichtiger Bestandteil des regionalen Angebots. Durch die Kürzungen wird der Infrastruktur einer ohnehin benachteiligten Region erheblicher Schaden zugefügt“, so Eisenkopf. Sie will „alles unternehmen, um das zu verhindern“.

Pressefoto zum Download:   Frauenberatungsstellen Burgenland

Bildtext:   Informierten über das breitgefächerte Angebot der Frauenberatungsstellen im Burgenland: Stehend v.l.: LRin Mag. Astrid Eisenkopf, DSAin Renate Holpfer (Verein "Frauen für Frauen Südburgenland"), Mag.a Karin Behringer-Pfann ("Der Lichtblick" Neusiedl am See - psychosoziale und psychologische Beratung); sitzend v.l.: Doris Horvath (Frauenberatungsstelle Oberpullendorf/Dachverband der bgld. Frauenberatungsstellen), Karin Hammerschmidt, ("Die Tür" Eisenstadt und Mattersburg - Frauen & Arbeit, AMP-Beratung)

Bildquelle:   Bgld. Landesmedienservice

Hans-Christian Siess, 1. Juni 2018
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