Frauenbericht 2014: Daten & Fakten als Fundament für effiziente Frauenförderung

Dunst: „Wichtige Basisarbeit, um Maßnahmen und Projekte gezielt auf die Bedürfnisse der Frauen zuschneiden zu können“

Frauenlandesrätin Verena Dunst hat heute den Burgenländischen Frauenbericht 2014 präsentiert. Ein fünfköpfiges Team aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Forschung Burgenland und dem Department Soziales der Fachhochschule Burgenland hat von Juli 2014 bis Ende Jänner an dessen Umsetzung gearbeitet. Dieser Bericht zeigt die Situation der Frauen sowie geschlechtsspezifische Unterschiede im Burgenland auf. Der Frauenbericht sei notwendig und eine wichtige Basisarbeit für effiziente und zielgerichtete Frauenpolitik, erklärt Dunst: „Das erhobene Zahlenwerk ermöglicht uns Maßnahmen, die gesetzt wurden, zu evaluieren. Welche Maßnahmen  greifen und sollten fortgesetzt werden, wo stehen die Frauen im Burgenland? Das zu wissen ist auch deshalb wichtig, weil die neue EU-Förderperiode vor der Tür steht. 2,7 Millionen Euro stehen für innovative Frauenprojekte bereit.“ Neben aktuellen Zahlen, Daten und Fakten soll der Frauenbericht aber vor allem auch Ursachen näher beleuchten, Interpretationen für gegenwärtige Zustände liefern und langfristige Trends hinterfragen. Erstellt wurde der Bericht im Auftrag von Landesrätin Dunst von der Forschung Burgenland in Kooperation mit der FH Burgenland Department Soziales und über ESF-Mittel sowie über Mittel des Landes finanziert.

Damit eine Vergleichbarkeit mit den Berichten aus den Vorjahren gewährleistet ist,  orientiert sich der Frauenbericht 2014 im Wesentlichen an der inhaltlichen Konzeption des letzten Frauenberichts aus 2011. „Wir haben in unseren Untersuchungen den Fokus auf die Themenbereiche Bevölkerung, Bildung, Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung, Einkommen, Gesundheit, Kunst & Kultur und Politik gelegt“, sagt Mag. Marion Rabelhofer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts.
Der Frauenbericht 2014 zeigt eine durchaus positive Entwicklung in der burgenländischen Frauenförderung.

Mehr Maturantinnen, mehr Arbeitstätigkeit
Bei den Ergebnissen seien das Ineinandergreifen der einzelnen Lebensbereiche und ihre Abhängigkeiten zueinander gut erkennbar, betont Dunst: Generell zeigt sich der anhaltende Trend, dass mehr Frauen als Männer maturieren und ein Studium abschließen. Frauen sind die Gewinnerinnen der Bildungsoffensive. 58 Prozent der Maturaabschlüsse und 61 Prozent der Uniabschlüsse leisten Frauen. Das höhere Bildungsniveau beeinflusst in Folge auch deren Beschäftigungsquote, die seit 2005 kontinuierlich gestiegen ist.“ Die weibliche Erwerbsbeteiligung – vor allem in der Gruppe der 35 bis 44-Jährigen – ist gestiegen. „Dem kommt das burgenländische Kinderbetreuungsangebot entgegen – 60 Prozent nutzen ganztägige Betreuungsangebote“, fasst Rabelhofer zentrale Studienergebnisse zusammen. Vor allem 2 bis 5jährige Kinder besuchen institutionelle Betreuungseinrichtungen, Volksschulkinder wiederum – im Gegensatz zu Gesamtösterreich – eher weniger.

Teilzeitarbeit überwiegt nach wie vor
Der Frauenbericht legt aber auch den Blick auf noch immer bestehende Benachteiligungen von Frauen frei. Im Gegensatz zu Männern sind Frauen häufiger teilzeiterwerbstätig. „Die Teilzeiterwerbsquote bei Frauen liegt bei 86,8 Prozent. So ergeben sich beim Einkommen und in Folge bei den Pensionseinkommen starke Unterschiede“, erklärt die Frauenlandesrätin. Unter den Vollzeiterwerbstätigen verdienten Frauen im Jahr 2013 um ein Fünftel weniger als Männer. Hier zeigt sich auch, dass die einkommensbezogenen Unterschiede je nach Erwerbstätigengruppe variieren und Auswirkungen auf Pensionseinkommen, Arbeitslosengeld und Notstandshilfe haben. „Kurz zusammengefasst, untermauern die Daten aus der Studie, was vielerorts im Alltag augenscheinlich wird: Frauen arbeiten häufiger in schlecht bezahlten Branchen und sind seltener in Führungspositionen vertreten“, so Rabelhofer. Ein Vergleich der Bruttoeinkommen von Männern und Frauen im Jahr 2013 belegt dies: Während Frauen 20.547 Euro verdienten, durften sich die Männer über 33.986 Euro freuen. Ähnlich der Vergleich bei den Bruttopensionen 2013: diese betrug bei den Frauen 13.259 Euro, bei den Männern 23.302 Euro.

Frauenbericht erstes Forschungsprojekt des neuen FH-Department „Soziales“
„Der Frauenbericht ist das erste Forschungsprojekt, welches das im Herbst 2014 neu gegründete Department für Soziales an der Fachhochschule Burgenland abschließen konnte“, berichtet Department- und Studiengangsleiter Prof. (FH) Mag. (FH) Dr. Roland Fürst, der auch die wissenschaftliche Leitung für das Projekt übernommen hat. Der Frauenbericht wurde von der zuständigen Landesrätin Verena Dunst in Auftrag gegeben. Das Thema passe „wunderbar zum Schwerpunkt Kinder-, Jugend- und Familienhilfe des Departments Soziales. Dieser Schwerpunkt wird nicht nur im neuen Bachelorstudiengang Soziale Arbeit abgebildet, sondern auch in der Forschung und Entwicklung“, so Fürst.

Sozialwissenschaft für gesellschaftlich brennende Fragestellungen
„Wir verstehen die Wissenschaft als Übersetzer von vielleicht komplexen Sachverhalten, damit möglichst viele Menschen damit etwas anfangen können“, erläutert Fürst einen Grundsatz im Department Soziales, wo schon zahlreiche Forschungsaktivitäten stattfinden. „Mit diesem Forschungsansatz orientieren wir uns hier an der FH Burgenland an den Grundsätzen der empirischen Sozialforschung.“ Dieser sozialwissenschaftliche Forschungsansatz ist für die gesellschaftlich brennenden Fragestellungen relevant, um rechtzeitig die Grundlagen für Antworten in der Sozialplanung zu liefern. Nicht zuletzt deshalb habe man beispielsweise zu jedem Kapitel des Frauenberichts einen Experten oder eine Expertin befragt und deren Stellungnahmen eingearbeitet. Eine spezielle inhaltliche Erweiterung erfolgte durch das Kapitel „genderATlas“. In diesem gleichnamigen Projekt der Technischen Universität Wien, der Universität Wien und der ÖIR-Projekthaus GmbH werden mittels virtueller Aufbereitung geschlechtsspezifische Daten und Informationen dargestellt.

Das Zahlenmaterial wurde vorwiegend der Statistik Austria sowie aktuellen Berichten wie etwa dem Einkommensbericht des Rechnungshofes entnommen. Die Statistik Burgenland stellte ebenso Datenmaterial und im Bericht dargestellte Burgenlandkarten zur Verfügung.

Die grafische Gestaltung des Berichts, der ab sofort beim Referat für Frauenangelegenheiten bezogen werden kann, erfolgte über die Eisenstädter Grafikerin Kerstin Kriks.


Pressefoto zum Downloaden: Frauenbericht 2014

Bildtext: Frauenbericht 2014 vorgestellt (v.l.): Judith Mantel, Prof.(FH) Mag.(FH) Dr. Roland Fürst, DSA, Departmentleitung, Studiengangsleitung, Mag.a (FH) Sabrina Luimpöck, Mag.a Marion Rabelhofer, Mag.a Karina Ringhofer, Leiterin Referat Frauenangelegenheiten am Amt der Bgld. Landesregierung, Mag. Christian Pfeiffer und Landesrätin Verena Dunst

Bildquelle: Bgld. Landesmedienservice

Wolfgang Sziderics, 11. März 2015

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