Ein Recht auf ein gewaltfreies Leben

Aktionstage „16 Tage gegen Gewalt“ – Jede fünfte Frau in Österreich ist im Laufe ihres Lebens häuslicher Gewalt ausgesetzt

Jeder Frau kann männliche Gewalt widerfahren. Sie betrifft Frauen aller Altersstufen, aller Schichten und Kulturen weltweit. „Österreich hat im internationalen Vergleich einen hohen Standard beim Schutz gegen Gewalt. Dennoch ist Gewalt an Frauen auch bei uns ein Thema. Im Laufe eines Lebens ist derzeit jede 5. Frau in Österreich von häuslicher Gewalt betroffen“, mahnt Frauenlandesrätin Verena Dunst anlässlich der Aktionstage „16 Tage gegen Gewalt“. Auf der ganzen Welt nützen Fraueninitiativen diese internationale Kampagne -  vom Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25. November) bis zum Internationalen Tag der Menschenrechte (10. Dezember) -, um auf das Recht von Frauen auf ein gewaltfreies Leben aufmerksam zu machen. Auch im Burgenland wird seit Kampagnen-Start bei verschiedenen Aktionen auf die Situation der Frauen hingewiesen. Vor dem Landhaus in Eisenstadt wurde heute, Montag, die Fahne der Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ gehisst. Die Flagge mit dem Schriftzug „Frei leben ohne Gewalt“ wird traditionell vor öffentlichen Gebäuden angebracht, um die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. Im Jahr 2014 wurden im Burgenland 550 Opfer vom Gewaltschutzzentrum Burgenland in Oberwart betreut. 85 Prozent der Opfer waren Frauen, die Täter waren zu 91% Männer. Von der Polizei wurden im Vorjahr 154 Betretungsverbote verhängt, dabei wurde in 22 Fällen der Schutzbereich auf Schule, Kindergarten und Hort erweitert. 2015 wurden bisher 152 Betretungsverbote verhängt. Im Burgenland gibt es ein dichtes Netzwerk an Gewaltschutzeinrichtungen. Hilfe finden Betroffene im Gewaltschutzzentrum Burgenland, bei der Polizei, in sieben Frauenberatungsstellen, im Frauenhaus Burgenland, in den Familienberatungsstellen und dem Referat für Frauenangelegenheiten sowie bei Serviceeinrichtungen wie MonA-Net oder der bundesweiten kostenlosen Frauenhelpline gegen Gewalt.

Gewalt an Frauen passiert oft im häuslichen Bereich, im unmittelbaren sozialen Umfeld. Dabei kann die Gewalt in Familien und Beziehungen viele Formen annehmen. Sie reicht von physischer und psychischer bis zu ökonomischer Gewalt. Fast immer sind Frauen und Kinder die Opfer und Männer die Täter. „2014 waren in rund der Hälfte der Fälle die Opfer Ehefrauen oder Lebensgefährten“, sagt Annemarie Reiss, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums Burgenland. In 17% der Fälle wurde der Ex-Partner gewalttätig. Darauf müsse man reagieren, so Reiss. „ Es genügt nicht mehr, zu sagen: Trennt euch, und alles wird wieder gut.“ Etwa 16% der Opfer sind minderjährig, rund 10% sind über 60 Jahre alt. Alarmierend sei auch, so Reiss, dass in etwa der Hälfte der Haushalte, wo häusliche Gewalt passiert, minderjährige Kinder leben würden. „Das Miterleben von Gewalt an einer wichtigen Bezugsperson hat gravierende Auswirkungen auf das spätere Leben von Kindern“, so die Expertin.
Trotz dieser Zahlen stehe das Burgenland im Bundesländervergleich sehr gut da, erklärt Landespolizeidirektor Hans-Peter Doskozil: „Die gewaltexzessiven strafbaren Handlungen sind im Burgenland sehr niedrig. Im Bundesländervergleich haben wir exzellente Zahlen. Das ändert aber nichts daran, dass jeder einzelne Fall von Gewalt einer zu viel ist. Wenn etwas passiert, muss dagegen vorgegangen werden.“ Doskozil weist auch darauf hin, dass Gewalt im Burgenland „aus den Familien heraus passiert. Taten, wo Opfer wahllos und zufällig ausgewählt werden, wie jüngst beim schrecklichen Terroranschlag in Paris, gibt es bei uns nicht.“ Zudem würden Gesetze, die vor allem präventive Arbeit unterstützen sollen, immer wieder angepasst. „Seit 2013 kann das Betretungsverbot auch auf Schulen, Kindergärten und Horte ausgedehnt werden“, so der Landespolizeidirektor. Ab 2016 sei im Burgenland vorgesehen, bei jedem Fall von häuslicher Gewalt eine Umfeldanalyse zu machen.

Doskozil weist darauf hin, dass beim Thema „Gewalt an Frauen“ auch die aktuelle Flüchtlings- und Asylsituation eine Rolle spiele: „Es fällt auf, dass bei den Flüchtlingen, die über Nickelsdorf ins Burgenland kommen, es meist die Frauen sind, die die Kinder und das Hab und Gut tragen. Und sie gehen immer ein paar Meter hinter den Männern. Das ist Ausdruck eines bestimmten Frauenbildes, das hier importiert wird. Hier ist viel Aufklärungsarbeit notwendig, um die Werte unserer Gesellschaft und unseres Frauenbildes zu vermitteln.“
„Frauen auf der Flucht sind natürlich ein aktuelles Thema. Der internationale Schulterschluss und Solidarität  im Kampf gegen Gewalt an Frauen ist notwendiger denn je“, ergänzt Dunst.

Gewaltschutzeinrichtungen: Hilfe für Betroffene rund um die Uhr
„Das Netzwerk an Gewaltschutzeinrichtungen im Burgenland ist eng geknüpft. Wenn Frauen misshandelt werden und sich bedroht fühlen, sollten sie sich an eine der Gewaltschutzeinrichtungen wenden“, sagt Dunst. Hilfe finden betroffene Frauen und ihre Kinder im Frauenhaus, im Gewaltschutzzentrum Burgenland (www.gewaltschutzzentrum.at, Tel. 03352/31420), in den Frauenberatungsstellen, bei der Polizei, in sieben Frauenberatungsstellen, im Frauenhaus Burgenland, in den Familienberatungsstellen und dem Referat für Frauenangelegenheiten am Amt der Burgenländischen Landesregierung sowie bei Serviceeinrichtungen wie MonA-Net, bei der bundesweite kostenlose 24-Stunden-Frauenhelpline 0800/222 555 oder bei der HelpFemApp des Frauenministeriums.  Das fällt vielen betroffenen Frauen schwer, weiß Reiss: „Es gibt noch immer eine Hemmschwelle, sich in dieser schwierigen Lebenslage an diese Institutionen zu wenden. Diese müssen wir durchbrechen. Das gilt auch für Unbeteiligte, die häusliche Gewalt beobachten. Häusliche Gewalt ist keine Privatsache, sondern eine Menschenrechtsverletzung.“ Aus Angst und Unsicherheit werde noch zu oft geschwiegen.

Pressefoto zum Downloaden: 16 Tage gegen Gewalt

Bildtext: Ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen: Vor dem Landhaus in Eisenstadt hissten Frauen gemeinsam mit Frauenlandesrätin Verena Dunst, Landesrätin Mag. Astrid Eisenkopf und Landespolizeidirektor Mag. Hans Peter Doskozil Luftballons die Fahne der Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“.

Bildquelle: Bgld. Landesmedienservice

Wolfgang Sziderics, 30. November 2015

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