Siegendorfer Pußta und Heide

Steinröserl - Siegendorfer Puszta
Wacholderwald Siegendorfer Heide

Naturräumliche Beschreibung

Das 27,69 ha große „Europaschutzgebiet Siegendorfer Pußta und Heide“ befindet sich rund 4 km SE von Siegendorf am Rande des Ruster Höhenzuges und gliedert sich in zwei Teilflächen:
Die im Westen auf 21,5 ha ausgedehnte „Siegendorfer Pußta“ ist von großen, weitgehend offenen Trockenrasen und Feuchtwiesen geprägt. Östlich davon, am Nordrand des Oberseewaldes befindet sich die 6,3 ha große „Siegendorfer Heide“, die weitgehend bestockt ist und nur kleinflächig Trockenrasenelemente aufweist.
Beide Gebiete sind aus pannonen Sanden, Schottern und in Muldenlagen aus tonigen Ablagerungen aufgebaut. Dominierende Bodentypen sind Tschernosem, Paratschernosem, Lockersediment-Braunerden, Kulturrohböden und Kolluvien. Die Böden sind meist lehmig.
Im Gebiet herrscht pannonisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit vor. Die Winter sind kalt und schneearm. Das Jahresmittel der Lufttemperatur beträgt circa 10 °C. Die mittlere Jahresniederschlagshöhe beträgt circa 570 mm.
Die floristische Zusammensetzung des Gebietes ist sehr reichhaltig. Auf den nordseitig exponierten Hängen der Siegendorfer Pußta befinden sich kontinentale Fiederzwenken-Halbtrockenrasen, Kuppen und Südwest exponierte Flächen werden von Tragant-Pfriemengras-Trockenrasen eingenommen. Am Fuße der aufstei-genden Hänge der Pußta, in einer flachen versalzten Bodenmulde, sind Salzsumpf-wiesen ausgebildet. Auf den weniger salzhaltigen Böden treten Pfeifengras-Streuwiesen und Schilfröhricht auf. Ein kleiner Weiher inmitten eines Bruchweiden-bestandes ist von Großseggen mit dominierender Sumpfsegge umgeben. Auf den tiefgründigen, entkalkten Sandböden der Heide kommen bodensaure Erdseggen-Furchenschwingel-Trockenrasen zur Ausbildung.
Die Bedeutung des Gebietes liegt im Vorkommen sandliebender Trockenrasen-gesellschaften mit einer Reihe stark bedrohter, im Burgenland sonst nicht vorkommender Pflanzenarten. Zusätzlich treten auch Salzsumpf- und Pfeifengras-wiesen auf.
Zur Erhaltung dieser großteils sekundären, dennoch naturschutzfachlich überaus wertvollen Trocken- und Halbtrockenrasen ist ein Beibehalten der Bewirtschaftung notwendig. Die naturschutzfachlich koordinierte Beweidung der Trockenrasen und Mahd der Salzsumpfwiesen führen zu einer Sicherung bzw. Verbesserung des Erhaltungszustandes. Die Trockenrasen werden in mehrjährigem Wechsel extensiv mit Schafen beweidet, Teile der Wiesen werden jedes Jahr im Herbst gemäht (Streunutzung).

Schutzinhalte

Die Hänge und Kuppen der Siegendorfer Pußta und Heide beherbergen verschiedene Typen von Trockenrasengesellschaften. Bei den Trocken- und Halbtrockenrasen gibt es einen Gradienten von sehr trockenen, offenen Sandrasen über Trockenrasen zu den tiefgründigeren Halbtrockenrasen.
Die Sandtrockenrasen findet man kleinräumig westlich des Hohlweges und in einer nordexponierten Mulde. Sie weisen einen sehr offenen Charakter auf und sind auf eine gewisse Störungsdynamik (Wind, Vertritt) angewiesen, wenn ihr offener Charakter erhalten werden soll. Sie sind dem Lebensraumtyp 6260 *Pannonische Steppen auf Sand zuzuordnen.
Auf den Kuppen sowie den Südwest- und West-exponierten Hängen findet man sehr artenreiche pannonische Trockenrasen, die je nach Bodengründigkeit unterschied-liche Wuchsleistung aufweisen. Diese Bestände entsprechen dem Typ 6240 *Subpannonische Steppen-Trockenrasen.
Auf den nordexponierten Hängen ist die Austrocknung durch Sonneneinstrahlung nicht so intensiv; es sind hier Halbtrockenrasen entstanden, die dem Lebensraumtyp 6210 *Naturnahe Kalktrockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia) entsprechen.
Am Fuße der Hänge der Sandpussta sind in einer flachen, versalzten Bodenmulde artenreiche Salzsumpfwiesen ausgebildet. Diese umfassen bodenbedingte, natürliche oder halbnatürliche binnenländische Salzlebensräume des Typs 1530 *Pannonische Salzsteppen und Salzwiesen.
Auf angrenzenden, weniger salzhaltigen Böden treten Pfeifengras-Streuwiesen auf. Ihre Entstehung verdanken sie einer extensiven Nutzung mit später Mahd und Verzicht auf Düngung. Es handelt sich um den FFH-Typ 6510 Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden (Molinion caeruleae).
Entlang des Hohlweges der Sandpussta findet sich ein besonders schön ausgebildeter Wacholderbestand. Diese als 5130 Formationen von Juniperus communis auf Kalkheiden und -rasen eingestufte Vegetation ist charakteristisch für extensiv beweidetes oder brach fallendes Magergrünland und Zwergstrauchheiden.
In der Sandpussta gibt es im ebenen, nördlichen Bereich zwischen Pfeifengraswiese und Ackerfläche rund um zwei kleine Weiher einen kleinen, sehr struktur- und totholzreichen Bruchweidenbestand des Typs 91E0 *Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae).
Im Bereich der Siegendorfer Heide sind einige von Eichen dominierte Bestände erhalten, die den pannonischen Eichen-Hainbuchenwäldern des FFH-Typs 91G0 *Pannonische Wälder mit Quercus petraea und Carpinus betulus zuzuordnen sind.
In den niederwüchsen Trockenrasen-Beständen der Sandpußta befindet sich eine Zieselkolonie (Spermophilus citellus).