Nordöstliches Leithagebirge

Leithagebirge Jois

Naturräumliche Beschreibung

Das 6.317 ha große Gebiet wurde sowohl nach der FFH-Richtlinie, als auch nach der Vogelschutz-Richtlinie nominiert bzw. ausgewiesen.
Aus naturräumlicher Sicht schließt das Nordöstliche Leithagebirge im Südosten an das Neusiedler See-Gebiet an; über weite Strecken bildet die nutzungsbedingte untere Waldgrenze die Trennlinie zwischen den beiden Gebieten. Mit ca. 75 % ist der größte Teil von wärmeliebenden Eichenwäldern und Eichen-Hainbuchenwäldern bedeckt. Lediglich im Truppenübungsplatz Bruckneudorf und am Südabhang des Leithagebirges gegen Jois sind offene Kulturflächen enthalten. Reich strukturierte Weingärten mit Feldgehölzen und verstreut stehenden Obstbäumen charakterisieren die oberen Hanglagen. Reste ehemals ausgedehnter Obstkulturen sind im Hanftal bei Jois anzutreffen. Die waldfreien Flächen im Truppenübungsplatz weisen neben ackerbaulichen Kulturen extensiv genutzte Wiesenflächen auf. Vereinzelt sind auf flachgründigen Kuppenlagen einst beweidete, nunmehr weitgehend verbuschte Trockenrasen erhalten geblieben. Trotz weitestgehend intensiver forstwirtschaftlicher Nutzung sind auf weiten Teilen aufgrund der gebietsüblichen Nieder- und Mittelwaldwirtschaft die standörtlichen Waldgesellschaften erhalten geblieben.
Wenngleich aufgrund relativ kurzer Umtriebszeiten und der üblichen Kahlschlagwirtschaft der Aufbau und die Dynamik der Waldbestände nicht dem ursprünglichen, ungestörten Erscheinungsbild entsprechen, so sind doch natürliche d.h. autochthone und in ihrer Artenzusammensetzung weitestgehend vollständige Waldbiozönosen erhalten geblieben. Aktuelle forstökonomische Entwicklungen lassen eine Extensivierung der Holznutzung erkennen (v.a. Brennholznutzung), sodass kurz- und mittelfristig die Waldbewirtschaftung voraussichtlich keine Gefährdung der Waldökosysteme bzw. Wald bewohnenden Vogelarten (insbesondere Spechte und Höhlenbrüter) verursachen wird. Mit der für Eichenwälder üblichen Kahlschlagwirtschaft sind große trockene Schläge verbunden, die im besonderen Maße den Habitatansprüchen des Ziegenmelkers (Caprimulgus europaeus) entsprechen. Die traditionelle Nutzungsform der Eichen-Hainbuchenwälder steht daher mit den Zielen des Vogelschutzes im Gebiet grundsätzlich nicht im Widerspruch. Ein bedeutendes Störungspotential ist jedoch mit der zunehmenden Erschließung derzeit noch geschlossener Waldbestände durch Forstwege verbunden.
Hinsichtlich des Robinien-Problems sind (weiterführende) forstliche Maßnahmen mit dem Ziel der Rückführung zur potentiellen natürlichen Waldvegetation erforderlich. Obwohl der aktuelle Zustand der Waldflächen durch das Forstgesetz und die derzeitigen forstlichen Förderprogramme weitgehend erhalten werden kann bzw. das Verschlechterungsverbot nicht verletzt wird, sind aus naturschutzfachlicher Sicht Maßnahmen zur Verbesserung des Erhaltungszustandes erforderlich. Zu den vordringlichsten Maßnahmen zählt einerseits die Förderung der Naturverjüngung autochthoner Arten mit gleichzeitiger Umwandlung standortsfremder Bestände. Andererseits ist die teilweise Umwandlung der Niederwälder in Mittel- und Hochwälder anzustreben. Aus ornithologischer Sicht wären Maßnahmen zur Verbesserung spezifischer Habitatstrukturen erforderlich. An erster Stelle ist die Belassung von Überhältern und (insb. stehendem) Alt- und Totholz zu nennen.
Die Wiesenflächen sind derzeit kaum durch Nutzungsaufgabe oder Intensivierung bedroht. Anders verhält es sich jedoch mit Beständen, die nicht maschinell gemäht werden können. Diese traditionell beweideten Flächen sind im Gebiet seit langem verbracht und zeigen starke Verbuschungstendenzen. Im angrenzenden westufrigen Teil des Neusiedler See-Gebietes werden seit Beginn der 90iger Jahre Beweidungsprojekte durchgeführt; im „Nordöstlichen Leithagebirge“ wurden bisher, wenngleich nicht weniger dringlich aufgrund der schwierigeren Voraussetzungen im Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes, noch keine Initiativen gesetzt. Im unmittelbarem Zusammenhang mit Arten der Kulturlandschaft am Südostabhang des Leithagebirges sind einzeln stehenden Obstbäume (insb. Kirschen, Pfirsich, Marille) und einst ausgedehnte Streuobstbestände zu sehen. Projekte zur Erhaltung, Pflege und Neuauspflanzung von mittel- und hochstämmigen Obstbäumen sollten daher nicht nur aus Gründen des Landschaftsschutzes, sondern auch mit Hinblick auf den Vogelschutz initiiert werden.

Schutzinhalte nach der FFH-Richtlinie

Das Gebiet enthält verglichen mit dem angrenzenden pSCI Neusiedler See – Seewinkel eine geringere Anzahl an Lebensraumtypen. Flächenmäßig dominieren Waldgesellschaften im Gebiet, wobei an der Leitha kleinflächig 91E0 *Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae) ausgebildet sind. Auf über 95 % der Waldfläche stocken Eichen-Hainbuchen-Wälder (91G0 *Pannonische Wälder mit Quercus petraea und Carpinus betulus) sowie 91H0 *Pannonische Flaumeichenwälder bzw. deren forstliche Ersatzgesellschaften. Die Trockenrasenstandorte umfassen Lebensräume der Typen 6110 *Lückige basophile oder Kalk-Pionierrasen (Alysso-Sedion albi), 6210 *Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia) (*besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen) und 6240 *Subpannonische Steppen-Trockenrasen. Die mesophilen Wiesenbestände können dem Typ 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis) zugeordnet werden.
Zu den im Gebiet repräsentativ vorkommende Art aus dem Anhang II der FFH-RL zählen der Hirschkäfer (Lucanus cervis) und der Eichenbock (Cerambyx cerdo), zwei Käferarten, die vor allem an altholzreiche Eichenbestände gebunden sind. In den langgrasigen Wiesen des Truppenübungsplatzes lebt die Breitstirnige Plumpschrecke (Isophya costata). Unter den Fledermäusen sind die Wimperfledermaus (Myotis emarginatus), das Große Mausohr (Myotis myotis), die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini), die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) und die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) als Schutzgüter vorhanden. Große Küchenschelle (Pulsatilla grandis) und Riemenzunge (Himantoglossum adriaticum) sind floristische Schutzinhalte.
Die ornithologische Bedeutung des Gebietes liegt in teils österreichweit bedeutenden Beständen von Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus), Schwarzspecht (Dryocopos martius), Mittelspecht (Dendrocopos medius) und Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis). In den offenen Flächen der reich strukturierten Kulturlandschaft sind die Vorkommen von Wachtelkönig (Crex crex), Blutspecht (Dendrocopos syriacus), Heidelerche (Lululla arborea), Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria) und Neuntöter (Lanius collurio) hervorzuheben.