Neusiedler See – Seewinkel

Stinkersee Illmitz

Naturräumliche Beschreibung

Mit einer Gesamtfläche von 41.735 ha umfasst das Gebiet das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Neusiedler See und Umgebung einschließlich der Flächen des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel. Weiters sind darin die Naturschutzgebiete „Hackelsberg“, „ Jungerberg“, „Thenauriegel“, „Goldberg“ und „ Pfarrwiesen“ enthalten.
Als Teil der Kleinen Ungarischen Tiefebene grenzt das Neusiedler See-Gebiet unmittelbar an den Ostrand der Zentralalpen. Im Kreuzungspunkt der pannonischen und alpinen Großlandschaften treffen Tier- und Pflanzenarten unterschiedlicher Herkunft aufeinander. Von den Abhängen des Leithagebirges bis zu den weiten Ebenen des pannonischen Raumes weist das Gebiet eine große Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume auf. Wärmeliebende Eichenwälder, die Niederung des Neusiedler Sees mit dem Schilfgürtel sowie die Salzlacken des Seewinkels inmitten weiter, offener Wiesen und steppenähnlicher Trockenrasen bilden Ökosysteme mit weit voneinander abweichenden Standortsbedingungen und unterschiedlichen Tier- und Pflanzengesellschaften.
Mit rund 320 km2 Ausdehnung ist der Neusiedler See der zentrale und bestimmende Lebensraum im Gebiet. Der für seinen Vogelreichtum weithin bekannte Steppensee beherbergt für Mitteleuropa einzigartige Bestände von Wasservögeln insbesondere Gänse, Schwimmvögel, Rallen sowie Schilfsingvögel. Der Seewinkel, die Zitzmannsdorfer Wiesen und die Abhänge des Leithagebirges stehen dem Neusiedler See jedoch kaum an internationaler Bedeutung für den Vogelschutz nach. Zahlreiche Arten der Salzlacken, Feuchtwiesen aber auch des Kulturlandes haben hier ihre einzigen oder die bedeutendsten Brutvorkommen in Österreich. Unter den zahlreichen Vogelarten im Gebiet erreichen viele östlich verbreitete Arten hier ihre westliche Verbreitungsgrenze.
Die Nährstoffbelastung des Neusiedler Sees konnte in den letzten Jahren deutlich verbessert werden, sodass trotz eingeschränkter Wasserstandsdynamik, touristischer, jagdlicher und fischereilicher Nutzung der Erhaltungszustand als gut bis mäßig beeinträchtigt bezeichnet werden kann. Diese Bewertung erfolgt vor dem Hintergrund von Initiativen, die insbesondere mit der Errichtung des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel begonnen haben und zusehends Erfolge verzeichnen. Schwerwiegender haben sich der Landschaftswandel und der Lebensraumverlust im Seewinkel und Hanság ausgewirkt. Salzlacken erfordern zukünftig eine konsequente Erhaltung und Wiederherstellung des naturnahen Wasserhaushalts und eine Stabilisierung der Verlandung. Deutliche Verbesserungen konnten auf nutzungsbedingt entstandenen Wiesen und Weiden im Rahmen von Nationalpark-Management und ÖPUL-Projekten erzielt werden. Unter schrittweiser Rückführung intensiv genutzter Flächen ist mit einer beständigen Annäherung an das traditionelle Landschaftsbild und die ursprüngliche Lebensraumausstattung zu rechnen. Mit der Weiterführung von Gebietsmanagement und ÖPUL-Maßnahmen könnte bereits mittelfristig ein guter Erhaltungszustand der extensiv genutzter Wiesen- und Weideflächen erreicht werden. Diese Entwicklung kann gleichermaßen auf die Seerandwiesen des Neusiedler Sees und auf die Abhänge von Leithagebirge und Wagram der Parndorfer Platte übertragen werden. Eine an den Erhaltungszielen ausgerichtete touristische, fischereiliche, landwirtschaftliche und jagdliche Nutzung wird zukünftig über die Flächen des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel hinaus im gesamten Natura 2000-Gebiet erforderlich sein.

Schutzinhalte

Angesichts der langen Liste an Schutzinhalten nach beiden Richtlinien wird an dieser Stelle direkt auf den Standard-Datenbogen des Gebietes verwiesen.