Bernstein – Lockenhaus – Rechnitz

Naturräumliche Beschreibung

Das nach der FFH-Richtlinie ausgewiesene Gebiet enspricht mit rund 25.700 ha weitgehend dem großen Landschaftsschutzgebiet Bernstein-Lockenhaus-Rechnitz (LGBl. Nr. 19/1972) und schließt drei Naturschutzgebiete mit ein: „Gößbachgraben“, (9,26 ha), „Galgenberg“ (9,25 ha) und „Trockenbiotop beim Friedhof in Rechnitz“ (2,86 ha). Es umfasst das Bernsteiner und Günser Bergland mit etwa 30 Katastralgemeinden.
Naturräumlich ist das Gebiet von großen geschlossenen Waldflächen geprägt. Selten dringen Siedlungen weit in die Waldlagen vor. Bedingt durch das reiche Vorkommen von Serpentinit ist das Bernsteiner Bergland großflächig mit natürlichen Rotföhrenwäldern bewachsen, die sich an steinigen und flachgründigen Standorten zu Felsfluren und Trockenrasen auflichten. Günstigere Wuchsbedingungen ermöglichen die Ausbildung weit im Gebiet verbreiteter Eichen-Hainbuchenwälder, die v.a. in den oberen Lagen des Günser Berglandes zu Buchen-Tannen-Fichtenwäldern übergehen. In bewaldeten Talräumen kommen Schluchtwälder und schmale bachbegleitende Auwälder zur Ausbildung. An den Südhängen und über besonders flachgründigen Böden des Geschriebensteins sind kleinflächig xerophile Eichenwälder mit Flaumeiche (Qercus pubescens) und Edelkastanie (Castanea sativa) anzutreffen. Im Übergangsbereich zwischen Wald und ackerbaulich genutzten Flächen sind zwischen Rechnitz und Markt Neuhodis Streuobstwiesen und Reste einst beweideter Trockenrasen erhalten geblieben. Mesophile Wiesengesellschaften (Glatthaferwiesen, Arrhenatherion) sind v.a. im Bernsteiner Bergland weit verbreitet. Der aktuelle Zustand der Waldflächen im pSCI ist sehr unterschiedlich. Die Buchen- Tannenwälder der höheren Lagen wurden weitgehend durch Fichtenforste ersetzt und sind somit nicht relevant für das pSCI. Die verbliebenen Buchen-Tannenwälder zeichnen sich durch einen geringen Anteil an Tannen und weitgehend einheitlichem Bestandesaufbau aus. Aufgrund der hohen Vitalität ist jedoch eine ausreichende Naturverjüngung der Rotbuche vorhanden, sodass unter Beibehaltung der derzeitigen Waldbewirtschaftung die noch vorhandenen Bestände in ihrer Substanz nicht bedroht sind. Gleiches gilt für die Eichen-Hainbuchenwald- Standorte, die soweit sie nicht in Föhren-, Robinien- oder Fichtenforste umgewandelt wurden, trotz relativ kurzer Umtriebszeiten und der üblichen Kahlschlagwirtschaft autochthone und in ihrer Artenzusammensetzung weitgehend vollständige Waldbiozönosen aufweisen. Aktuelle forstökonomische Entwicklungen lassen eine Extensivierung der Holznutzung in Nieder- und Mittelwald-Beständen erkennen, sodass kurz- bis mittelfristig die Waldbewirtschaftung voraussichtlich keine Gefährdung der Waldökosysteme verursachen wird. Hinsichtlich des Problems invadierender florenfremder Gehölze wie der Robinie (Robinia pseudacacia), ist eine Intensivierung forstlicher Maßnahmen durch Bestandesumbau dringend erforderlich. Obwohl der aktuelle Zustand der Waldflächen durch das Forstgesetz und die derzeitigen forstlichen Förderprogramme weitgehend erhalten werden kann bzw. das Verschlechterungsverbot nicht verletzt wird, ist aus naturschutzfachlicher Sicht grundsätzlich eine Verbesserung des Erhaltungszustandes anzustreben. Zu den vordringlichsten Maßnahmen, die vorrangig in den am natürlichsten Waldbeständen gesetzt werden sollten, zählt die Naturverjüngung autochthoner Baumarten, eine teilweise Umstellung von Niederwald in Mittel- und Hochwaldbewirtschaftung sowie die Förderung von stehendem Alt- und Totholz. Generell wären Veränderungen in der Baumartenzusammensetzung auf standörtlich angepasste und autochthone Gehölze auszurichten.
Felsstandorte und primäre Trockenrasen sind vor allem im Nahbereich bestehender Steinbrüche (z.B. Rumpersdorf, Bernstein) oder durch Errichtung neuer Abbaugebiete gefährdet. Die bedeutendsten Trockenrasen am Südrand des Günser Berglandes sind durch die bestehenden Naturschutzgebiete, in denen behördlich organisierte Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, ausreichend gesichert. Kleinere Trockenrasenflächen ohne Schutzstatus v.a. in Rechnitz und Markt Neuhodis erfordern jedoch baldige Maßnahmen zur Revitalisierung (Gehölzschnitt, Mahd oder Beweidung).
Trotz agrarischer Förderungen im Rahmen des ÖPUL- und Kulturlandschaftsprogrammes ist die Aufrechterhaltung der Mähwiesennutzung im Gebiet schwierig. Viele naturschutzfachlich wertvolle Magerwiesen sind bereits brachgefallen und erfordern umgehend Maßnahmen zur Wiesenrückführung (v.a. im Raum Rechnitz und Markt Neuhodis). Generell gilt im gesamten Gebiet, dass infolge abnehmender Rinderhaltung das Interesse an der Wiesenbewirtschaftung stark im Abnehmen begriffen ist. Ein günstiger Erhaltungszustand der Grünlandflächen wird wesentlich davon abhängen, landwirtschaftlichen Betrieben eine interessante Einkommensperspektive für die extensive Nutzung von Wiesen und Weiden zu schaffen.
Auf Grund der ausgedehnten Wälder, des abwechslungsreichen Landschaftsbildes und nicht zuletzt des Vorhandenseins geeigneter Großgebäude beherbergt das Gebiet eines der wichtigsten Fledermausvorkommen des Landes. Insgesamt sechs Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie weisen hier repräsentative Bestände auf. Vor allem im Bereich der Burgen von Lockenhaus und Stadtschlaining finden sich große Wochenstubenquartiere. Stollen am Südrand des Gebietes sind bedeutendes Überwinterungsquartiere für Fledermäuse.
In den verbliebenen naturnahen Waldbeständen finden sich noch Vorkommen von Käfern, die an Altholzbestände gebunden sind.

Schutzinhalte

Das Gebiet enthält eine Vielzahl von FFH-relevanten Lebensräumen, die verglichen mit der Gesamtgröße des Gebietes jedoch meist nur sehr kleinflächig und oft weit voneinander getrennt ausgebildet sind. Naturnahe Waldbestände sind durch intensiv forstlich genutzte Flächen isoliert, Trockenrasen soweit überhaupt noch erhalten, auf inselartige Restflächen beschränkt; selbst Wiesen treten vielfach nur mehr auf unzusammenhängenden, von Ackerflächen umgebenen Einzelparzellen auf.
Die im Günser und Bernsteiner Bergland ausgebildeten Tannen-Buchenwälder entsprechen den Lebensraumtypen 9110 Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum), 9130 Waldmeister- Buchenwald (Asperulo-Fagetum) und 9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio- Carpinetum). Die wärmeliebenden Eichenbestände mit Zerr- und Flaumeichen sind den Typen 91G0 *Pannonische Wälder mit Quercus petraea und Carpinus betulus und 91H0 *Pannonische Flaumeichenwälder zuzuordnen. Weiters sind kleinflächig Schlucht-, Hang- und Auwälder der Kategorien 9180 *Schlucht- und Hangmischwälder (Tilio-Acerion) und 91E0 *Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae) vorhanden. Die im Gebiet ausgebildeten Felsstandorte und Trockenrasen entsprechen einer Vielzahl unterschiedlicher Lebensraumkategorien. Die mesophilen Wiesen des Bernsteiner und Günser Berglandes sind zumeist Bestände des Typs 6510 Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis). Die mageren Trockenwiesen am Südrand des Günser Berglandes entsprechen der Kategorie 6210 *Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia) (*besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen). An den Ufern von Zöbernbach, Güns und Tauchenbach sind FFH-relevanten Schlammlings- und Hochstaudenfluren ausgebildet: 3270 Flüsse mit Schlammbänken mit Vegetation des Chenopodion rubri p.p. und des Bidention p.p sowie 6430 Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe.
Bei den Fledermäusen sind national bedeutende Vorkommen von Kleiner Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) und Wimpernfledermaus (Myotis emarginatus) hervorzuheben. Darüber hinaus beherbergt das Gebiet bedeutende Vorkommen von Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), Kleinem Mausohr (Myotis blythii), Großem Mausohr (Myotis myotis) und Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini). Der Fischotter (Lutra lutra) kommt wieder an den Fließgewässern des Gebietes vor. Unter den Käfern sind kleinere, aber noch signifikante Bestände der beiden Anhang II-Arten Hirschkäfer (Lucanus cervus) und Großer Eichenbock (Cerambyx cerdo) zu nennen. Lokal finden sich außerdem noch Vorkommen der Großen Quelljungfer (Cordulegaster heros), einer gefährdeten Libellenart. Eine weitere Spezialität des Gebietes ist der Braungrüne Serpentinstreifenfarn (Asplenium adulterinum).