Landschaftsschutzgebiet Bernstein, Lockenhaus, Rechnitz

Bezirke Oberwart und Oberpullendorf, LGBl. Nr. 19/1972

Das 25.000 ha große Landschaftsschutzgebiet umfaßt das Günser und Bernsteiner Bergland mit etwa 30 Katastralgemeinden.
Das Bernsteiner Bergland erstreckt sich zwischen dem Zöbernbach und dem Tauchenbach und geht durch die Sattellandschaft von Holzschlag in das Günser Bergland über. Die aus einer Hochfläche entstandenen, tief zertalten Hänge besitzen keinen Kamm, sondern bestehen aus einer Gruppe von Bergen. Die bedeutendsten Erhebungen sind das Steinstückl (833 m), der Kienberg (805 m) und die Redlshöhe (794).
Das Günser Bergland erhebt sich bei Güns (Köszeg) steil aus der Pannonischen Tiefebene und zieht in westlicher Richtung bis zum Sattel von Holzschlag. Im Norden wird der Bergzug von der Güns begrenzt. Im Gegensatz zum Bernsteiner Bergland bildet er einen breiten Rücken mit einzeln aufgesetzten Kuppen. Die bedeutendsten Erhebungen sind der Hirschenstein (862 m) und der Geschriebenstein (883 m), die höchsten Berge des Burgenlandes. Nach Norden fallen die Hänge sanfter ab als nach Süden und bilden lange und weite Täler, der Südabfall ist kurz und tief zertalt.
Bedingt durch das reiche Vorkommen von Serpentin ist das Bernsteiner Bergland großflächig von natürlichen Rotföhrenwäldern bewachsen. Ihr ursprüngliches Areal wurde jedoch durch forstliche Eingriffe vergrößert und nimmt heute wohl auch Laubholzstandorte ein. Der Kienberg leitet seinen Namen von den natürlich auftretenden Rotföhren ab (Kien: althochdeutsch "Nadelbaum). Bei Bernstein befindet sich das größte Serpentinvorkommen in Österreich. Das grünliche, leicht sägbare und polierbare Magnesium-Silikat wird in Bernstein zu verschiedenen Kunstgegenständen verarbeit. Auf Böden, die über Serpentingestein ausgebildet sind, herrschen besondere ökologische Bedingungen. Das dunkle Gestein wird sehr rasch von der Sonne erwärmt und trocknet durch seine Wasserdurchlässigkeit stark aus. Die trockenen, sehr nährstoffarmen Rohböden weisen überdies einen Überschuß an Mangesium und giftigen Schwermetallen (Nickel, Chrom und Kobalt) auf. Der Einfluss dieser verschiedenen Faktoren bewirkt eine besondere Auslese unter den Pflanzenarten. Nur wenige, vielfach kümmernde Arten sind hier anzutreffen. Die Merkmale der Wuchsbehinderung bestehen in einem Zwergwuchs bei Kräutern, in Krüppelwuchs bei Bäumen sowie in der Verkleinerung und Verdickung der Blattspreiten.
Nahezu das gesamte Günser Bergland ist mit Wald bedeckt. Lediglich die thermisch begünstigten Unterhänge zwischen Schlaining und Rechnitz sowie vereinzelte Rodungsinseln in nordseitiger Lage wurden urbar gemacht. Die kurz und steil abfallenden Hänge an der Südseite des Günser Berglandes sind wegen ihrer günstigen klimatischen Lage sehr früh kultiviert worden. In den Niederungen herrscht Ackerbau vor, entlang von Wasserläufen werden Mähwiesen bewirtschaftet. An den Mittelhanglagen stocken ausgedehnte Weingärten und Obstkulturen. Vereinzelt finden sich dazwischen Reste der einstigen Hutweiden. Nahe Rechnitz befindet sich der größte im Südburgenland erhaltene Trockenrasen, der Galgenberg. Er ist für seinen Reichtum an wärmeliebenden Schmetterlingen und Pflanzen bekannt und wurde 1987 zum Naturschutzgebiet erklärt.