Die Technik des Kupferstichs
Im Gegensatz zur Radierung wird das Werkzeug (der Stichel = altdeutsch für Stahl) vom Körper weg geschoben und das Material aus der Platte geschnitten.
So entstehen beiderseits der Linie keine Grate wie bei der Kaltnadeltechnik. Die Abdrucke wirken daher „kälter“, technischer und nicht so malerisch wie eine Kaltnadelradierung. Da größere Flächen nicht aus der Metallplatte herausgestochen werden können – wie etwa beim Holzschnitt –, müssen zahlreiche, dicht beisammenstehende Linien eine flächenähnliche Wirkung erzielen. Während der harte Kontrast zwischen Hell und Dunkel ein typisches Merkmal des Holzschnitts ist, erlaubt der Kupferstich durch die Feinheit und schraffierende Überlagerung der Striche, durch die fließende Übergänge möglich sind, eine differenzierte und „körperhafte“ Wiedergabe des Dargestellten. Damit ist ein Detailreichtum möglich, der – verglichen mit dem Holzschnitt – eine größere Formenvielfalt erlaubt.
Die Technik ist sehr arbeitsaufwendig. Für das berühmte Blatt „Ritter, Tod und Teufel“ benötigte Albrecht Dürer mehr als ein Vierteljahr.
Die erwärmte Platte wird eingefärbt, wobei durch die Erwärmung die Druckerschwärze bis in die feinsten Linien dringt, und anschließend wieder gesäubert, so dass nur noch in den Linien Farbe zurückbleibt. Schließlich erfolgt der Druck mit einer Walzenpresse, in der das angefeuchtete Papier die Farbe aus den Vertiefungen aufnimmt.
Zur Unterscheidung der unterschiedlichen Techniken von Radierung und Kupferstich siehe Radierung. Beide Techniken wurden oft kombiniert angewendet.
Eine technisch sauber hergestellte Kupferplatte ermöglicht etwa 200 Abzüge bester Qualität. Weitere 300 bis 400 Blätter können in guter Qualität hergestellt werden. Anschließend sind nur noch mittelmäßige Abdrucke zu erzielen, die zunehmend verflachen. In der Gegenwart werden gewalzte Kupferplatten verwendet, die gegenüber den älteren, gehämmerten Platten nochmals kleinere Auflagen bedingen.

