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Mag. Michaela Reinhalter zur Ausstellung von Sebastian Weissenbacher

Der Künstler Sebastian Weissenbacher macht es dem Betrachter seiner Werke nicht gerade leicht. Rosarote übergroße Hasen, verziert mit goldenen Blütenmotiven, niedliche Figuren -in den reinsten Pastelltönen gehalten- die an die Spielzeug- und Lebensmittelindustrie erinnern- so erscheinen uns die Werke im ersten Moment.
Bei der Begehung der Ausstellung bringt uns der Künstler vorerst zum schmunzeln. Kritischen Stimmen hingegen vergeht das Lachen und bemängeln seine Arbeiten als unreif und tun sie als kindische Einfachheit ab. Doch gerade diese künstlerische Einfachheit löst auf den 2. Blick Irritationen beim Betrachter aus. Wir fragen uns ob wir überhaupt über diese Pseudo-Einfachkeit lachen dürfen. Sind seine Werke tatsächlich so unschuldig und einfach, wie sie auf den Betrachter Wirken oder provoziert uns der Künstler damit?
Sebastian Weissenbacher erlaubt sich im wahrsten Sinne des Wortes die künstlerische Narrenfreiheit und bedient sich dazu der Trivialkultur. Triviales aus der profanen Alltagswelt, der Massenproduktion bzw. der Industriekultur entstammend –transferiert er in den Kontext der Kunst, dort, weil es sich zuerst fremd und ungewöhnlich ausnimmt, auch neue Bedeutungen suggerieren oder als Überraschung bereichern jedoch herausfordern und zur Erweiterung ihrer Ausdrucksfähigkeit anregen lassen.
Die Pop-Art war die erste Kunstrichtung, die sich ausdrücklich und ausschließlich dadurch definierte, dass sie Phänomene der Massenkultur zur Grundlage ihrer eigenen Ästhetik machte – man denke an die Adaption von Comics durch Roy Lichtenstein oder an die Anleihen Andy Warhols bei der Werbegraphik .
Tendenzen der 80er und 90er Jahre in denen Jeff Koons Produkte der Kitsch- und Nippesindustrie als Multiples nachbauen ließ – meist in viel größeren Formaten als auch in edlen und klassischen Materialien.
Anknüpfungspunkte zur Pop- Art lassen sich auch bei unserem Künstler Sebastian Weissenbacher erkennen. Es lässt sich an diesen ausgestellten Werken vortrefflich sehen, dass der bloße Kontextwechsel genügt um das zuerst und sonst als 'low' verachtete zu adeln und zu einer spannenden und innovativen künstlerischen Arbeit zu machen.
Weissenbachers Werke sind, witzig aber auch ironisch, mitunter auch durch zynische Bildtitel unterlegt, die den Betrachter obendrein noch irritieren. Plastikfigürchen, wie sie aus Überraschungseiern bekannt sind, oder andere klischeehafte Gestalten wirken in seinem Ouvre befremdend.
Der niedliche Fuchs auf der Einladungskarte dieser Ausstellung, scheint auf den zweiten Blick nicht mehr niedlich zu sein. Der Künstler selbst provoziert und spielt mit dem Betrachter, verstärkt noch durch den Bildtext „Ich haben nie an Selbstmord gedacht hat“. Wo ist die heile Welt der putzigen Figürchen aus der Kinder- und Comicwelt geblieben? Sebastian Weissenbachers Kompositionen werden durch diese bewusst gewählte Künstlichkeit entlarvt, als kritische Analysen der Alltagskultur, und des Verhaltenscodes unserer Gesellschaft aber auch unserer Konsumgesellschaft, inspiriert von einer Welt voll von Unterhaltungskitsch, die uns tagtäglich umgibt. Zitate aus Politik und Medien werden aufs Korn genommen.
Aus diesem Repertoire schöpft der Künstler reichlich und betitelt die Ausstellung „Unser Glück ist harte Arbeit“, beruhend auf einer Aussage eines so genannten Promi- Ehepaares über ihre unter Anführungszeichen „ vorbildliche Beziehung“, entnommen aus einer deutschen Klatschpresse.
Mit einer großen Portion Schwarzen Humors verpackt, nahm Sebastian Weissenbacher diese klischeehafte Äußerung auf und konfrontiert uns mit dieser Schmonzette. Als eine Art Till Eulenspiegel, den Betrachter an Witz und Durchblick überlegen, setzt er uns damit einen Spiegel der Zustände der Gesellschaft unserer Zeit vor. Er selbst sagte bei einer Ausstellungseröffnung: „ Ich beschäftige mich mit der Tyrannei des Niedlichen.“
Sebastian Weissenbacher wurde 1959 in Eggenburg/NÖ geboren. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Prof. Max Weiler und Prof. Arnulf Rainer und erhielt sein Diplom für Malerei 1984. 1982 erhielt er bereits den Anerkennungspreis der NÖ-Landesregierung, 1983 den Preis der Akademiefreunde. Es folgte 1989 der Geist und Form XII – Bischof Kapellari Förderungspreis. Er bekam Arbeitsstipendien des BmfUK, für Rom, London, der Stadt Wien und der Stadt Budapest. 1998 erlangte er den 1. Preis des Förderungspreises für bildende Kunst der Bau Holding AG 1998. 1999 gründete er gemeinsam mit Götz Bury und Martin Praska die Künstlergruppe „Die halbe Wahrheit“. 2006 trat Matthias Hammer der Gruppe bei. Von 1999 bis 2002 war er Präsident der Interessengemeinschaft Bildende Kunst (vormals Berufsverband Bildender Künstler Österreichs, BVÖ).
Weissenbachers Werke dieser Ausstellung stammen aus verschiedenen Zyklen der letzten Jahre, sowie aus Arbeiten, die letzten Sommer während eines Chicago- Aufenthaltes entstanden sind. Bei den jüngsten Werken wir eine Stiländerung bemerkbar. Während in den älteren Arbeiten plastische Figuren, den leeren Raum beherrschen, nehmen die Figuren deutlich am Volumen ab. Dies hängt jedoch auch mit der Technik zusammen, denn während seines zweimonatigen Aufenthaltes in Chicago zog der Künstler Acryl den ansonsten verwendeten Ölfarben vor. Die Herkunft und das Material der Figuren spielen für Sebastian Weissenbacher eine untergeordnete Rolle. Durch die malerische Umsetzung werden Plastikäffchen, Bärchen und co ohnedies medial homogenisiert.
Bevor ich das Mikrophon unserem Herrn Landesrat Helmut Bieler reiche, möchte ich noch den emsigen Mitarbeitern der Landesgalerie für die Arbeiten, die sie hinter den Kulissen leisten, danken, und wiederum für eine gelungene Ausstellung und Ihr wohl sorgten. Danke, meine Herren.
Sebastians Weissenbachers sanfte Provokationen öffnen den Weg zu einem fast vergessenen Wohlgefühl, wobei das Lachen kein schlechtes Gewissen hervorruft, sondern den Erkenntnisprozess animiert.
Genießen Sie, liebes Publikum, die Ausstellung des heutigen Abends in der Sichtweise des Künstlers, mit einem Blick durch die rosarote Brille und einem Schmunzeln auf der Lippe, nicht alles so ernst nehmend, denn wie heißt es so schön: „ Lachen ist die beste Medizin“. Danke!