Interview mit Florian Lang und Thomas Resetarits
Anlässlich der bevorstehenden Ausstellungseröffnung bat Mag. Michaela Reinhalter (Landesgalerie) die beiden Künstler - Florian Lang und Thomas Resetarits – zu einem kurzen Gespräch:
Landesgalerie: Florian Lang, wie kommt es, dass Sie als junger Künstler gemeinsam mit dem bereits lange im Land fest etablierten Bildhauer Thomas Resetarits eine Ausstellung machen - welche Zusammenhänge bestehen zwischen Ihnen beiden?
Florian Lang: Thomas Resetarits ist mein Onkel, während meiner Schulzeit verbrachte ich viel Zeit bei Thomas und Herta Resetarits zu Hause. Der Stein bzw. Skulpturengarten wurde mein persönlicher „Spielplatz“. Thomas Resetarits Skizzen nahm ich zum Anlass selbst aktiv bzw. künstlerisch tätig zu werden.
In dieser Ausstellung versuchen wir uns gemeinsam in einer umfassenden Werkschau zu präsentieren, wobei sich Thomas im Raum und ich an den Wänden positionieren. Ich freue mich sehr, dass meine und seine Arbeiten in dieser Ausstellung einander gegenüberstehen.
Landesgalerie: Womit beschäftigen Sie sich inhaltlich in Ihren Arbeiten, was ist Ihre Thematik?
Florian Lang: Im Vordergrund meiner Arbeiten steht der Mensch - der Mensch in seinen künstlich erschaffenen Welten, der Mensch mit seinem Inszenierungs- und Selbstinszenierungsdrang, dem Konsumverhalten, seinem Auftreten in Massen und seiner aus all diesen Faktoren resultierenden Realitätskonstruktion.
Landesgalerie: Sie gelangten von der Malerei zur Collage, die nun Ihre bevorzugte Technik ist. Wie kamen sie zu diesem Verfahren? Was hat sich dadurch in Ihrem Werk geändert?
Florian Lang: Seit dem Jahr 2008 habe ich mich von der Malerei kontinuierlich zur Collage hin entwickelt. Früher habe ich meine Motive malerisch in einem Bild zusammengeführt. Nun behandle ich sie - meist aus der Konsumwelt entnommen - mit der Schere oder einer Klinge. Ich zweckentfremde sie dadurch, um damit in meinen Arbeiten eine neue Aussagekraft zu erzielen.
Durch diese beschnittenen hintereinander geschichteten Fotografien schaffe ich dreidimensionale „Bühnen“ und bin damit künstlerisch dort wo ich schon immer hin wollte: im Raum. Diese kleinen Bühnen bieten dem Betrachter Streifzüge in eine Art Miniatur-Welt. Die Erkenntnis, dass meine Arbeiten die dritte Dimension benötigen, kam mir während der Installation meiner Diplomarbeit „Das Blaue vom Himmel (How I postcarded my time)“ im Jahr 2010.
Landesgalerie: Was dient Ihnen als Bildmaterial für diese Collagen?
Florian Lang: Als Ausgangsmaterial dafür verwende ich diverse Magazine, Postwurfsendungen und jedes andere Bildmaterial, das unsere Begierde weckt und versucht, uns eine vollkommene und makellose Welt durch diverse Konsumgüter anzudrehen.
Landesgalerie: Es hat den Anschein, dass Ihre Arbeiten auf den ersten Blick auf eine realistisch wirkende Welt verweisen, inwiefern ist dies der Fall?
Florian Lang: Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich so, aber diese konstruierte Künstlichkeit ist erst im Detail sichtbar. Gegenstände werden zusammengesetzt, die eigentlich nicht zusammenpassen, und dennoch glaubt man sie. Hierbei spielt das irritative Element eine wesentliche Rolle. Eindrücke, die physikalisch miteinander niemals koexistieren können, jedoch einen Teil unserer individuell gefertigten Realität suggerieren.
Landesgalerie: Thomas Resetarits, Florian Lang schafft durch das Übereinanderschichten diverser Papierschnitzel eine Art Miniaturbühne im Raum. Sie kommen von der Bildhauerei, Ihre Objekte beherrschen den Raum. Wie kamen Sie zur Bildhauerei, wie kam die Kunst zu Ihnen?
Thomas Resetarits: Ich nehme an, dass ich die künstlerische Kreativität von meiner Mutter geerbt habe, sie machte wunderschöne Kränze und vieles mehr, auch mein Bruder war künstlerisch begabt. Mein Vater war Pendler, meine Mutter kümmerte sich allein unter der Woche um uns. Bereits während meiner Schulzeit begann ich Holzfiguren zu schnitzen. Später ging ich nach Graz in die Arbeitermittelschule und begann mit einer Steinbildhauerlehre. Nach der Gesellenprüfung 1957 arbeitete ich in Wien und in Salzburg, 1964 legte ich die Meisterprüfung in Wien ab. Nach meiner Heirat und zurück im Südburgenland inskribierte ich zwar an der Akademie der Bildenden Künste, dass war zu jener Zeit als sich Mikl und Goeschl in Wörterberg ein Haus kauften. So stand mein Entschluss fest, wenn die hierher kommen, dann bleib ich auch! So bin ich dann schlussendlich auch geblieben und bin seit 1966 freiberuflich in Wörterberg tätig.
Landesgalerie: Was war Ihr Höhepunkt in Ihrer künstlerischen Laufbahn?
Thomas Resetarits: Das war im Jahr 2001. Ich wurde damals mit der Professur vom Staatspräsident geehrt. Da wusste ich, ich habe etwas aus mir gemacht. Ich habe alle Chancen in meinem Leben genützt, meine Entscheidung war die richtige: als typischer Burgenländer bin ich im Burgenland geblieben und nicht nach Wien gegangen.
Landesgalerie: Sie haben Ihr Handwerk, das Bearbeiten von Stein, von der Pike auf gelernt, welche Materialien verwenden Sie noch?
Thomas Resetarits: Ich komme vom Stein, arbeite auch mit Holz. Das waren meine bevorzugten Materialien. Ich übernahm vorwiegend Auftragswerke im sakralen Bereich, sowie Plastiken für den öffentlichen Raum. Ab 1980 modellierte ich für das Bronzetor am Dom St. Martin in Eisenstadt. Auch in Bernstein arbeitete ich 1987 mit Bronze. Es entstand die vier Meter hohe Plastik "Kontakt", die am Parkplatz Bernstein an der B 50 steht. In dieser Ausstellung werden weniger Holzplastiken zu sehen sein- ich habe schon so viele gemacht. Ich zeige nun einige Werke aus Stein, mehrere aus Bronze. Mit diesem Material kommt der reine Formalismus, den ich bevorzuge, noch besser zur Geltung.
Landesgalerie: Sie konzentrieren sich in Ihren Werken auf die ästhetische Vollkommenheit von Form und Struktur, in welchen Themenbereichen kommen diese am besten zur Wirkung?
Thomas Resetarits: Der reine Formalismus liegt in der Vollendung, wie z.B. im Kreis und in der Zeit, aber auch im Meditativen- und meiner Einstellung zum Christentum, im Menschlichen aber auch im Symbolhaften. Das Symbolhafte ist im „Gespaltenen“ sehr deutlich erkennbar, das Wesen, das wie ein Blitz einschlägt.
Landesgalerie: Woraus ziehen Sie Ihre künstlerische Inspiration?
Thomas Resetarits: Aus dem Leben. Empfindungen sind aus dem Leben gegriffen, aus dem menschlichen Verständnis, nach oben zu streben.
Landesgalerie: Wie würden Sie Ihr künstlerisches Schaffen beschreiben?
Thomas Resetarits: Ich habe die Dinge nie gesucht, sie haben mich gefunden. Die Aufgabe formt den Menschen.
Landesgalerie:
In diesem Sinne formen Sie Ihre Werke und herzlichen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Mag.a Michaela Reinhalter (Eisenstadt, 3.11.2010)
