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Bild1 (v.l.):  Verurteilen Medienkampagne der Ärztekammer: Burgenländischer PatientInnenanwalt Dr. Josef Weiss, Gesundheitslandesrat Dr. Peter Rezar © Landesmedienservice Gegen Medienkampagne der Ärztekammer

Rezar: „Verurteile Panikmache und Verunsicherungspolitik der Ärztekammer“

04.12.2012 12:18
Gesundheitslandesrat Peter Rezar und PatientInnenanwalt Josef Weiss fordern Ärztekammer auf, zu einer sachlichen Information und Diskussion zurückzukehren

Mit tiefer Sorge beobachtet Gesundheitslandesrat Dr. Peter Rezar die jüngste Medienkampagne der Ärztekammer Österreich, der sich auch die Ärztekammer Burgenland angeschlossen hat. „Ich bin erschüttert von Inhalt und Diktion der jüngsten Medienkampagne der Ärztekammer. Hier wird von einer akademischen Standesvertretung auf dem Rücken und auf Kosten der Patienten ganz offensichtlich Panikmache und Verunsicherungspolitik für berufspolitische Zwecke betrieben. Ich verurteile diese Kampagne zutiefst“, stellte Dr. Peter Rezar am Dienstag, 4. Dezember 2012, bei einem Pressegespräch mit dem Burgenländischen Patientenanwalt Dr. Josef Weiss fest.

Mit den Plakatslogans „Ihr Arzt ist weg!“ und „Ihr Spital ist weg“ macht die Ärztekammer Österreich gegen die von Bund, Ländern und Sozialversicherungen beschlossene Gesundheitsreform mobil. Für Jänner 2013 wurden Streiks und Ordinationsschließungen angekündigt.

Konfliktweg verlassen
„Die Aktion ist purer Populismus. Durch die Verbreitung von Unwahrheiten werden die PatientInnen, die in der Regel ‚ihren‘ Ärzten vertrauen, bewusst verunsichert“. Rezar forderte die Standesvertretung auf, diesen Konfliktweg zu verlassen und zu zeigen, dass es ihr wirklich um eine Zukunftsreform des hochwertigen Gesundheitswesens gehe. „Diese Kampagne ist einer akademischen Standesvertretung unwürdig“, so Rezar.
Diese „skandalöse Öffentlichkeitsarbeit“ sei auch bei der jüngsten Sitzung der Bundesgesundheitskommission am 23.11.2012, bei der der Präsident der Ärztekammer Österreich teilgenommen habe, strengstens verurteilt worden.

Kein burgenländisches Spital wird geschlossen
Viele Ärzte hielten diese Kampagne für überzogen und befürworteten Reformen. Dabei gehe es Kostendämpfung zum Qualitätserhalt und nicht um Einsparungsmaßnahmen. „Im Burgenland geht es um die Standortsicherung aller fünf Krankenanstalten“ sagte Rezar. Im Krankenhaus Eisenstadt wurden zuletzt 40 Millionen Euro in den Zubau investiert und die Leistungsangebote ausgeweitet. In den nächsten Jahren sind rund 100 Millionen Euro für die Generalsanierung des Krankenhauses Oberwart vorgesehen.

Verbundlösungen bestens bewährt
Die bereits bestehenden Verbundlösungen zwischen Spitälern, wie es sie in ganz Österreich gebe, garantierten darüber hinaus standortübergreifende Leistungsangebote und hätten sich im Burgenland hervorragend bewährt.

Demgegenüber würden offene Briefe der Ärztekammer verbreitet, die die Strukturreformen in den Krankenanstalten anprangerten. Demnach gebe es durch Verbundlösungen vermehrt Beschwerden und Behandlungsmängel. Rezar: „Das sind Unwahrheiten. Diese Behauptungen sind ein Schlag ins Gesicht der im Krankenhaus tätigen Arzt-Kolleginnen und -Kollegen“. Damit wolle man davon ablenken, dass keine Bereitschaft zur Umsetzung der geforderten Dokumentation und Qualitätssicherung bestehe.

„Vereinbarung gebrochen“
Im März 2010 sei seitens der Ärztekammer Burgenland eine Vereinbarung mit dem Land Burgenland unterzeichnet worden, in der die Ärztekammer versichert, alle Maßnahmen, die zur Effizienzsteigerung, Kostendämpfung usw. notwendig sind, mitzutragen – auch die standortübergreifenden Verbünde. „Diese Vereinbarung wurde leider gebrochen“, berichtet der Gesundheitslandesrat.

Umfrage: Plakataktion nicht gerechtfertigt
Der burgenländische Patientenanwalt Dr. Josef Weiss zitierte aus einer Umfrage (Ökokonsult 2.12.2012), wonach 81,8 % der Befragten die Gesundheitsreform für erstrebenswert, jedoch 75 % die Plakataktion der ÄK für nicht gerechtfertigt hielten. 83,3 % erkannten keinen Streikgrund für die Ärzte, 73,3 % glaubten, dass der „Ärztekampf“ vorwiegend Standesinteressen und nicht dem Patientenwohl diene.
„Die Ärztekammer wäre gut beraten, ihre Strategie zu überdenken und sich konstruktiv einzubringen“, so Weiss.

Bettendichte, Verwaltungskostenanteil im Burgenland niedrig
Das Burgenland weise im Bundesländervergleich per Ende 2011 die mit Abstand geringste Spitals-Bettendichte auf; diese liege mit 4 Betten pro 1000 Einwohner deutlich unter jener von 5 bis 6,5 Betten/1000 EW in den anderen Bundesländern. Auch der reine Verwaltungskostenanteil an den Gesamtkosten der Burgenländischen Spitäler liege mit 3,04 % weit unter dem Österreichschnitt von 4,11 %, wobei letzterer Wert in den letzten Jahren tendenziell eher noch gestiegen sei, erklärt Landesrat Rezar.

Flächendeckende, wohnortnahe Versorgung sichern
„Mein Ziel ist es, die bestmögliche flächendeckende Versorgung der burgenländischen Bevölkerung, eine Standortgarantie für alle fünf Krankenanstalten und eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Von der Ärztekammer erwarte ich klare Signale, dass wieder der gemeinsame burgenländische Weg beschritten wird“, so Rezar abschließend.

Für den Inhalt verantwortlich:
Hans-Christian Siess
Landesmedienservice
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